Generationswechsel bei der schwedischen Erzbahn
Die Erzbahn von Luleå über Malmberget und Kiruna nach Narvik ist die nördlichste Eisenbahnlinie Westeuropas. Sie verbindet die schwedischen Erzlagerstätten mit den Häfen in Luleå und Narvik (Norwegen). Der größte Teil der Strecke, die zusammen mit der Stichstrecke nach Svappavaara eine Länge von 536 km erreicht, liegt nördlich des Polarkreises. Schwere Erzzüge dominieren den Betrieb der eingleisigen Strecke, die bereits zwischen 1915 und 1923 elektrifiziert wurde. Der Reisezugverkehr spielt nur eine untergeordnete Rolle. Durch die Lieferung von neun IORE-Doppellokomotiven (Nr. 101 bis 118) mit einer Leistung von 10800 kW in den Jahren 2002-2004 wurden die dreiteiligen Dm-Lokomotiven (7200 kW, Baujahre 1960-70) als Standardlokomotiven vor den Erzzügen abgelöst und die in Doppeltraktion eingesetzten El 15 (5400 kW, Baujahr 1967) komplett abgegeben. Mit dem gleichzeitigen Ausbau der Infrastruktur auf 30 Tonnen Achslast und für 68-Wagen-Züge geeignete Ausweichgleise sollten die IORE mit ebenfalls neu zu bauenden Wagen das gleiche Transportvolumen mit weniger Lokomotiven und Personal leisten können. Von den neuen Wagen sind heute über 600 im Einsatz und der Ausbau der Strecke ist südöstlich von Kiruna bereits abgeschlossen. Während zwischen Kiruna und Luleå die IORE de facto die Herrschaft übernommen hat, sind die Dm3 zwischen Kiruna und Narvik noch regelmäßig im Einsatz anzutreffen. Mit der laufenden Lieferung der zweiten Bauserie der IORE (Nr. 119 bis 126) möchte die MTAB die wartungsintensiven Altbaulokomotiven vollständig ablösen. Nachdem der Erzverkehr im vergangenen Jahr konjunkturbedingt eine Flaute erlebt hatte, wurde beim Besuch der Strecke Kiruna - Narvik im März 2010 wieder rund um die Uhr und auch am Wochenende im angenäherten Zweistundentakt gefahren.
Text und Fotos: Joachim Hund.
Mit dem beladenen Erzzug 9916 befand sich die Dm 1226/1242/1225 "Alliansen" am 21. März 2010 auf der Fahrt von Kiruna nach Narvik. Im letzten Licht des Nachmittags orgelt die Stangen-Ellok durch den Bahnhof Torneträsk.
Vor der Werkstatthalle in Kiruna wartet die mächtige Stangen-Ellok Dm 1246/1247/1248 "Oskar" auf den nächsten Einsatz. Das jüngste IORE-Pärchen rangierte am 21. März 2010 in Form von 120 "Kaisepakte" und 119 "Koskullskulle" auf dem Depotgelände in Kiruna.
In der Werkstatt in Kiruna werden die Lokomotiven der Reihen Dm3 und IORE gewartet.
Mit einem Leerzug aus Narvik kommend rollen IORE 101 "Polcirkeln" und 111 "Björkliden" in den Bahnhof ein, dessen Name die zweite Maschine trägt. Hier erfolgt die Ablösung zwischen dem norwegischen und dem schwedischen Lokführer. Die Dimension der mächtigen Elektrolokomotiven wird erst im Vergleich mit dem als Massstab dienenden Lokführer deutlich, der in Kürze die Fahrt des Malmtåg 9910 mit Dm 1218/1238/1217 "Hermelin" fortsetzen wird.
Erst im zweiten Anlauf gelang es, an dieser Stelle nahe Bjørnfjell im norwegischen Teil der Erzbahn eine Dm3 aufzunehmen. Was hier so nett aussieht, kann bei Temperaturen um -20 °C durchaus unangenehm sein, wenn dazu noch ein unangenehmer Wind bläst. Aber danach fragt niemand mehr, wenn man das Foto der Dm 1208/1231/1207 "Sofia" mit dem Leerzug 9909 später betrachtet.
Einen Zug mit Olivin, welches für die Herstellung der Eisenerzpellets benötigt wird, zieht die Dm 1227/1243/1228 "Kapten" vom Hafen zum Bahnhof von Narvik. Am Schluss des Olivinzuges schiebt die Diesellok Nr. 6 der LKAB, welche zuvor die Rangierarbeiten an der Verladeanlage besorgt hatte. Die Rampe vom Hafen zum Bahnhof von Narvik hat es in sich.
Das Wetter an der Erzbahn kann sehr wechselhaft sein. Die IORE 114 "Rautas" und 112 "Vassijaure" wurden bei ihrer Fahrt durch den Bahnhof Abisko Östra von der Sonne beschienen, während gleichzeitig heftiges Schneetreiben herrschte.

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