Nahverkehr in Südsibirien (Teil 2)
Im südlichen Sibirien verfügen drei Städte über Straßenbahnen. Die bekannteste und mit knapp 576 000 Einwohnern größte Stadt ist sicherlich Irkutsk in der Nähe des legendären Baikalsees, dem größten Süßwassersee der Welt (siehe Teil 1). Weiterhin verfügen Angarsk und Usolje Sibirskoje über Straßenbahnen. Angarsk war das zu sowjetischen Zeiten gesperrt und hat reichlich 244 000 Einwohner. Im kleinen Industriestädtchen Usolje wohnen knapp 86 000 Einwohner.
Eingesetzt werde ausschließlich Fahrzeuge aus der Ust-Kataver Straßenbahnfabrik. Es dominiert der KTM-5,der mit 14369 Stück meistgebauteste Staßenbahntyp der Welt. Teilweise wurden die Fahrzeuge auch modernisiert. Die KTM-8 und KTM-8M von denen 899 bzw. 579 in Ust-Katav gebaut wurden sind wesentlich seltener anzutreffen. Im Irkutsk und Angarsk wird die Straßenbahnflotte schrittweise mit KTM-19 erneuert. Einzig in Usolje werden auch Traktionen eingesetzt.
Der Fahrpreis für eine Einzelfahrt variierte 2008 von 10 Rubel in Irkutsk über 8 Rubel in Angarsk bis zu 7 Rubel in Usolje. Als Strafe fürs Schwarzfahren musste man in Irkutsk und Angarsk 100 Rubel berappen, während in Usolje nur 25 Rubel fällig wurden, soviel wie zum selben Zeitpunkt eine Einzelfahrkarte in Moskau beim Straßenbahnfahrer kostete. Schaffner verkauften die Fahrkarten in Usolje und Angarsk, in Irkutsk die Fahrer. Dort war dafür der Prüfdienst extrem häufig anzutreffen. Städtische und private Busse sowie Linientaxis (in Irkutsk auch der Trolleybus) ergänzen bzw. konkurrieren mit der Straßenbahn. Die Fahrpreise für diese Verkehrsmittel liegen meist leicht über denen der Straßenbahn.
Text und Fotos: Frank Bruchertseifer.

Angarsk

In Angarsk haben alle Straßenbahnen zur besseren Unterscheidung von den Bussen ein T vor der Wagennummer bekommen. An den Endstellen weit weg vom Betriebshof, wie hier im „205 Kwartal“ wo der KTM-8M T112 und der KTM-5 T158 sich gerade in der Pause „sonnen“, befindet sich für kleine Reparaturen eine Grube und eine Arbeitsbühne.
Angarsk besitzt auch mehrere Filialen der staatlichen Irkutsker Universität, die als Kulisse für den T131 dient. Dieser wirbt damit, dass Angarsk die bestaufgestellteste Stadt Russlands ist. Die seitlichen Linienverlaufsblechtafeln in Angarsk fallen sehr spartanisch aus. Man erfährt nur, dass die Linie 6 zwischen dem 205 Kwartal und dem Sangorodok verkehrt, aber nicht über welchen Linienweg. Über der Wagennummer ist ferner noch der Hinweis angebracht, dass dier T182 ein Ausbildungswagen ist.
Angarsk ist mit Alleen und breiten Straßen zum Teil recht großzügig angelegt. Die in der Sowjetunion während der 60er Jahre gebauten zweistöckige Häuser haben die mittlerweile das typische Dunkelgelb gegen Rosa eingetauscht. Der KTM-5 T129 steht dem mit nichts nach und trägt auch nicht mehr den Originallack.
Zwei Neubauten in Angarsk nebeneinander: Zum einen der KTM-19 mit der Nummer T-205 als Ausrücker für die Linie 4 und die orthodoxe Kirche die im Zuge der wiedererstarkten Bekenntnis der Russen zum Glauben nach der Wende in Russland neu aufgebaut wurde. Äusserlich schon fertiggestellt, steht sie im Inneren kurz vor der Vollendung. Die KTM-19 verdrängten die bis 2006 im Liniendienst stehenden Rigaer Triebwagen in die Rente.
Auch in Angarsk läßt es sich nicht verleugnen, dass durch den Straßenverkehr viel Staub aufgewirbelt wird. In der tiefstehenden Wintersonne im Gegenlicht kommt diese Tatsache jedoch nochmal verstärkt zu Geltung. Der T-119 und seine Fahrerin haben ihre Tageslaufleistung erbracht und können sich auf den Feierabend im Betriebshof freuen, den sie in wenigen Metern erreichen werden.
Usolje
Am südlichen Ende des Straßenbahnnetztes von Usolje befindet sich die Wendeschleife Privoksalnij, ca. 600 vom Bahnhof Usolje Sibirskoje entfernt. Der für Russland werbende Triebwagen 014 wendet als Linie 3 vor der Kulisse eines Plattenbaus. Eingerahmt von typisch russischen Holzhäusern hält der KTM-5 009 an der Haltestelle Internationalnaja, mitten auf der Hauptstraße von Usolje. Das Haltestellenschild befindet sich am Oberleitungsquerträger.
Den Abzweig der Leninstraße hat des KTM 5 Pärchen 005-006 gerade passiert und fährt nun auf der Hauptstraße in Richtung Markt. Zielbeschilderung findet man in Usolje nicht, nur die Liniennummer wird vorn angezeigt. Hinter dem 007 verbirgt sich in Usolje ein seltenes Exemplar, welches sich hier an der Haltestelle Leninstraße befindet. Es handelt sich um einen modernisierten KTM 5, deren Anzahl in Russland gering ist. Neben einer neuen Front hat der Triebwagen auch neue Türen bekommen, die keinen Kettenantrieb mehr haben.
Der nördlichste Abzweig des Straßenbahnnetzes befindet sich am Salzkombinat, dem Hauptarbeitgeber der Stadt. Der KTM5 039 biegt als Linie 2 am Haupttor der Fabrik gerade auf den Überlandabschnitt in Richtung Stadt ein.

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