100 Jahre Glantalbahn
Vor fast genau 100 Jahren, am 1. Mai 1904 wurden große Teile der Glantalbahn und die Bahnlinie zwischen Bad Münster und Odernheim rechts der Nahe über Oberhausen-Duchroth als sogenannte "Strategische Strecke" eingeweiht. Vor allem auf Forderung des preußischen Militärs wurde so eine wichtige leistungsfähige Verkehrsader von Mainz über das Saarland in Richtung französische Grenze geschaffen, die zu diesem Zeitpunkt noch mitten durch Lothringen verlief.
Die Galerie von Fritz Engbarth zeigt Aufnahmen aus den letzten 25 Jahren. Eine tabellarische Übersicht über die Geschichte der Strecke sehen Sie auf einer Sonderseite. Weitere Informationen erhalten Sie auch auf der Seite des Förderverein Schienenverkehr Glan - Lautertal - Bachbahn e.V.
Vor dem Umbau zum Radweg befuhr Anfang der 90er Jahre ein Sonderzug die noch vorhandenen Gleise von Bad Münster bis zum E-Werk bei Niederhausen. Solche Schienebusse waren über Jahrzehnte typisch für die schon 1961eingestellten Personenzüge über Duchroth-Oberhausen und die Glantalbahn. Die Aufnahem zeigt den Zug auf Nahebrücke in Bad Münster Ebernburg.
Am 19. Juni 1988 einer der letzten durchgehenden Züge von Staudernheim bis Altenglan: 218 364 wird gleich den Bahnhof Lauterecken-Grumbach verlassen.
Das Stellwerk 2 in Odernheim repräsentierte eine für die Pfalzbahn typische Bauform, ein nahezu baugleiches befand sich beispielsweise in Alsenz. Heute dient das Stellwerk einem Anglerverein und ist in weißer Farbe kaum noch wiederzuerkennen.
Wo vor 15 Jahren noch ein Schienenbus als Sonderzug auf den Spuren des Mythos Glantalbahn wandelte, fahren heute vor allem an Wochenenden Radfahrer entlang der Nahe. Aufnahme am km 107.4 bei Norheim.
Über viele Jahre waren die beiden Eilzugpaare Mainz - Glantal - Zweibrücken die Starzüge auf der Strecke. Sie wurden erst nach der Stillegung der direkten strecke Odernheim - Bad Münster eingeführt. Deshalb fuhren sie als Wendezüge, um das zeitaufwändige Umfahren der Lok in Staudernheim zu umgehen. 212 091 des Bw Mainz schiebt im jahre 1978 ihren Eilzug in den früheren Abzweigbahnhof Odernheim. Schienenbusse prägten die Glantalbahn über zwei Jahrzehnte. Erst 1981 mußten sie Wormser Speichertriebwagen das Feld überlassen. Im Herbst 1980 stand eine Landauer Triebwageneinheit abfahrbereit in Richtung Altenglan.
Am 6. Juni 1992 kam 218 379 mit einem Touristikzug, organisiert von einem begeisterten Glantalbahnfan und Reisebüroangestellten bis Meisenheim. Die Aufnahme zeigt den Zug bei Rehborn, kurz vor einem der früheren Schrankenposten.
Kurz vor Stillegung des Bedesbacher Steinbruches wurden nochmals riesige Mengen an "Wacke" abgefahren. 290 310 des Bw Kaiserslautern schleppt im November 1989 1000 Tonnen am Steinbruch vorbei zum Knotenbahnhof Altenglan. Dort wartete ein Doppeltraktion 218, um den Zug weiter nach Einsiedlerhof zu fahren.
Am 2. Juni 1985, parallel zu den Nürnberger Jubiläumsfeierlichkeiten der Eisenbahnen in Deutschland, machte die damals noch neue CDU-Bundesregierung der Bevölkerung ein besonderes Geschenk. Sie befreite sie von dem lästigen Schienenverkehr. Im Gegensatz zur unteren Glantalbahn rund um Meisenheim war das Intersse der Bevölkerung eher gering - aber das letzte Zugpaar fuhr auch schon zur besten Mittagszeit. (Aufnahme in Niederalben-Rathsweiler). Einer der bittersten Momente für den Autor: Der letzte Zug in Odernheim am 31. Mai 1986. Die Bahnhöfe waren bevölkert wie nie, die Fahrdienstleiter hatten teilweise und unerlaubterweise Halbmast oder schwarze Fahnen geflaggt. Nicht wegen zu geringer Nachfrage, sondern wegen der absichtlich unterblieben Rationalisierung konnte die Bundesbahn die Strecke stilllegen.
Der Innenraum des Stellwerks Odernheim 2: Die Glantalbahn gab wegen ihrer zahlreichen Stellwerke und Schrankenposten zahlreichen Menschen Arbeit, was ihr schließlich zum Verhängnis wurde. Die DB unterließ sämtliche Rationalisierungen und konnte sehr leicht die geringe Wirtschaftlichkeit nachweisen. Im Mai 1986 durfte der Odernheimer (er wohnte tatsächlich im Dorf) Eisenbahner letztmalig die Ausfahrt stellen. Der Fahrdienstleister saß übrigens im Bahnhof - gemeinsam mit dem Kollegen auf Stw. 1 gab es öfter Skatrunden während der langen Zugpausen.
Der Innenraum des Odernheimer Empfangsgebäudes machte im Mai 1986 einen aufgeräumten Eindruck, obwohl der Zahn der Zeit an dem damals 90-jährigen Gebäude nagte.
An einem verregneten Samstagmorgen im Mai 1981 war soweit: Der letzte Zug auf dem Abschnitt Homburg - Glan-Münchweiler hält im Bahnhof Schönenberg-Kübelberg. Auch hier war seitens der örtlichen Bevölkerung niemand unterwegs, um den allerletzten Glantalbahnzug zu verabschieden. Bevor die Strecke Glan-Münchweiler - Schönenberg-Kübelberg abgebaut werden konnte, mussten zunächst abgestellte Güterwagen abgezogen werden. Im Februar 1987 durfte eine Lauterer 211 diesen undankbaren Job erledigen.
Mit einer Sonderfahrt brachten Eisenbahnfreunde kurzzeitig das Flair vergangener Tage zurück ins Glantal. Der Museums-Vt 08 im Jahre 1987 auf der Odernheimer Glanbrücke.
Der bis 1989 zweigleisige Abschnitt Glan-Münchweiler - Altenglan wurde im Güterverkehr von Schotterzügen dominert. Im Sommer 1988 fuhr 218 364 mit einer neuroten Schwestermaschine bei Rehweiler dem Rangierbahnhof Einsiedlerhof entgegen.

Die Fotos und Texte wurden vom jeweiligen Autor zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei den Autoren. (ts)