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Die Bedeutung der Verkehrstunnel erhellt nicht zuletzt aus den Ergebnissen einer Studie der Wiener Akademie der Wissenschaften über die europäische Verkehrsentwicklung. Die Akademie hatte im Auftrage des österreichischen Automobil- und Touringclubs eine umfassende Erhebung zum Reise- und Güterverkehr in Europa durchgeführt. Demnach ist zu erwarten, dass bis zum Jahre 2010 der motorisierte Individualverkehr in Europa im Vergleich zu 1997 um etwa 20 % steigen wird, bis zum Jahre 2030 sogar um etwa 40 %. In ähnliche Richtung weisen die Prognosen von über 100 international anerkannten Wissenschaftlern, nach deren Abschätzung der Güterverkehr in Europa innerhalb der nächsten 25 bis 30 Jahre um ca. 60 % wachsen wird. Dies bedeutet, dass bereits in naher Zukunft Europas Straßen mehr und mehr ihre Kapazitätsgrenze erreichen und so zunehmend eine Entwicklung vom Fahrverkehr zum Standverkehr eintritt (Bild 1). Andere
Überlegungen sind nicht weniger pessimistisch. So erwartet beispielsweise
die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
bis zum Jahre 2020 eine Zunahme der Kraftfahrzeuge auf Europas Straßen
um etwa 50 % im Vergleich zu der Situation des Jahres 2000. Industrieländern
belief sich der Anteil der Stadtbevölkerung im Jahre 1995 dagegen
bereits auf 75 %. Für das Jahr 2015 wird er auf etwa 80 % steigen.
Insgesamt kann man weltweit derzeit davon ausgehen, dass die Stadtbevölkerung
jährlich um etwa 60 Millionen Einwohner anwächst. Angesichts dieser Entwicklungen müssen neue Konzepte für Logistik, neue Wege zur Sicherstellung der gesellschaftspolitisch zunehmend hoch eingestuften Mobilität [1 bis 4] und schließlich neue ergänzende Möglichkeiten zur Verbesserung der Infrastruktur gefunden und genutzt werden. Eine Lösung besteht sicherlich darin, im Verkehrswegebau die Chancen wahrzunehmen, die der Tunnelbau zur Beschleunigung der Transportvorgänge und grundsätzlich auch für den Umwelt- und Landschaftsschutz bietet. Folgerichtig lassen die jüngsten statistischen Angaben mittelfristig weltweit erhebliche Aktivitäten in dieser Hinsicht (Bild 3) erwarten. So sind allein für Europa bezogen auf den Verkehrstunnelbau folgende Zahlen ausgewiesen: •
ca. 475 km in Deutschland Alles in allem blickt der europäische Tunnelbaumarkt für die nächsten Jahre auf ein Gesamtbauvolumen von etwa 2100 km. Auch in anderen Teilen der Welt sind immense Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur geplant. So gibt die Statistik für den asiatischen Markt ein Volumen von etwa 2500 km künftiger Verkehrstunnelprojekte an, wobei die Zahlen allein für die Volksrepublik China mit ihren zahlreichen Ballungsräumen nur schwer zu erfassen sind. In Südamerika ist der Bau von ungefähr 650 km Verkehrstunneln innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre zu erwarten und auf dem nordamerikanischen Kontinent nochmals mindestens in der gleichen Größenordnung. Auch in Australien sowie in Nord-und Südafrika sind Tunnelbaumaßnahmen geplant, allerdings in wesentlich geringerem Umfang. Ganz besondere Herausforderungen stellen zweifellos die laufenden und noch geplanten Tunnel-Großprojekte dar. In diesem Zusammenhang seien die Maßnahmen zum Gotthard-Basistunnel (Bild 4), Lötschberg-Basistunnel, Brenner Basistunnel und für den Tunnel zwischen Lyon und Turin genannt, die sich teilweise bereits in der Ausführung befinden oder sehr weit in den Planungs- und Entscheidungsprozessen gediehen sind. Weitere Projekte dieser Größenordnung sind in verschiedenen Regionen der Welt angedacht. Hierzu zählen beispielsweise die Unterquerungen der Straße von Gibraltar zwischen Marokko und Spanien oder die Unterquerung der Tartarenstraße zwischen Russland und der russischen Insel Sachalin mit einer weiteren Verbindung nach Japan oder die Unterquerung der Beringstraße zwischen Russland und Alaska (USA). Alle diese Projekte weisen jeweils Auffahrlängen zwischen 30 und 60 km oder sogar noch darüber auf. Sie erfordern besondere Überlegungen im Hinblick auf die Auffahrtechnik, den späteren Betrieb und auf das Sicherheitskonzept. Prof. Dr.-Ing. Alfred Haack |
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