InnoTrans 2006

RechteckSiemens TS: Hochgeschwindigkeitstriebzug Velaro E für Spanien erreicht 403,7 km/h

Der Valero E hat Ledersessel in der Preferente-Klasse (links unten) und Stoffsessel in der Turistica-Klasse (rechts unten). der Komfort liegt über dem des ICE 3.

Der von Siemens Transportation Systems für die spanische Eisenbahn Renfe gebaute Hochgeschwindigkeitstriebzug Velaro E hat in Spanien mit 403,7 einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Serienzüge aufgestellt. Der Rekord wurde während einer Testfahrt zwischen Madrid und Barcelona erzielt. „Unser Velaro E hat diese Geschwindigkeit als Serienfahrzeug ohne Umbauten aus dem Stand heraus erreicht. Es gibt zwar Züge, die schon schneller gefahren sind, aber dabei handelte es sich immer nur um Prototypen oder speziell ausgestattete Versuchsfahrzeuge", betonte Dr. Ansgar Brockmeyer, der bei Siemens TS für das Triebzuggeschäft verantwortliche Geschäftsgebietsleiter. Der bisherige Weltrekord für Serienzüge lag bei 368 km/h aus dem Jahr 2000 und wurde von einem ICE 3 gehalten.

Siemens hatte erst vor kurzem mit 357km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Lokomotiven aufgestellt. Auch dabei handelte es sich um ein Serienfahrzeug, dass lediglich mit Messtechnik ausgerüstet war.

Siemens hat der weltweiten Entwicklung des Schienenverkehrs im Hochgeschwindigkeitsbereich als Technologietreiber entscheidende Impulse gegeben. So wurden etwa alle drei Generationen des deutschen Hochgeschwindigkeitszugs ICE unter maßgeblicher Beteiligung und Führung von Siemens entwickelt. Siemens baut derzeit die 26 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro E (Kundenbezeichnung AVE S 103) für die Spanische Eisenbahn RENFE . Weitere Aufträge für Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro konnten in China (60 Züge) und Russland (acht Züge) gewonnen werden. Mittlerweile befinden sich bereits 14 komplette Züge in Spanien, bei denen derzeit die Inbetriebsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Die übrigen Züge folgen bis Oktober 2007.

Technologisch basiert das Velaro-Konzept auf Weiterentwicklungen des erfolgreichen Triebzugkonzepts ICE 3 für die Deutsche Bahn AG. Mit der Velaro-Plattform setzt Siemens den bereits in Spanien eingeschlagenen Weg konsequent fort, Hochgeschwindigkeitszüge als Alleinhersteller anzubieten.

Der AVE S 103 ist zunächst für den Einsatz auf der circa 625 Kilometer langen Strecke von Madrid nach Barcelona vorgesehen. Mit einer Leistung von 8800 Kilowatt erreicht der Triebzug eine betriebliche Höchstgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern. Die Fahrt zwischen den beiden spanischen Metropolen dauert damit weniger als zweieinhalb Stunden.

Wie beim ICE 3 sind die Antriebskomponenten und Technikmodule unterflur angeordnet, was bei gleicher Zuglänge etwa 20 Prozent mehr Raum für die Fahrgäste bietet. Indem 50 Prozent der Achsen direkt angetrieben werden, kann der Zug aufgrund der besseren Haftwertausnutzung sicherer beschleunigen. Darüber hinaus ermöglicht dieses Antriebskonzept das Befahren von Streckenabschnitten mit einer Steigung bis zu 40 Promille. Nicht zuletzt lastet durch die bessere Gewichtsverteilung über den gesamten Triebzug weniger Gewicht auf dem einzelnen Radsatz, wodurch die internationale Vorgabe von maximal 17 Tonnen pro Radsatz eingehalten wird. Die Zuglänge von 200 Metern ermöglicht den Einsatz des Velaro in Doppeltraktion bzw. im Flügelverkehr.

Der AVE S 103 bietet Platz für 404 Passagiere in drei Klassen: Club, Preferente, Turista. Merkmale des neuen Zugs sind der außergewöhnliche Komfort, das Video- und Audio-Programm sowie das Catering, für das vier Onboard-Galleys eingerichtet wurden. Am Kopf des Zuges befindet sich ein Endwagen der Club-Klasse mit Besprechungsund VIP-Raum sowie eigener Galley. Die daran anschließende Preferente-Klasse bietet hochwertige Ausstattung und individuellen Service auf Business-Class-Niveau. Den Übergang zur Touristen-Klasse bildet der Cafeteria-Wagen, in dem sich auch Räume für das Kundenbetreuungszentrum, das Zugpersonal und für unbegleitetes Gepäck befinden. Fast alle Sitze des Verlaro E sind drehbar und können somit vor Fahrtbeginn in Fahrtrichtung ausgerichtet werden. In allen Wagenklassen bieten große Video-Displays Unterhaltungsprogramme. Zudem sind an allen Sitzplätzen sechs verschiedene Audioprogramme in Stereoqualität empfangbar. LED-Innen- und Außendisplays versorgen die Fahrgäste mit aktuellen Informationen in Spanisch, Katalanisch und Englisch.

Hinsichtlich des Zugsicherungssystems wird der AVE S 103 bereits mit dem neuen europäischen Standard ETCS (Level 2) ausrüstet, der die Voraussetzung auch für den grenzüberschreitenden Einsatz des Zuges bildet. Für den Betrieb auf der ersten spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid - Sevilla ist weiterhin die klassische Linienzugbeeinflussung an Bord.

Siemens und Renfe haben den Vertrag zur Lieferung von 16 Hochgeschwindigkeitszügen im Juli 2001 unterzeichnet. Der Gesamtwert der Bestellung liegt bei 705 Millionen Euro. Davon entfallen auf die Züge 401 Millionen Euro und auf deren Instandhaltung für die Dauer von 14 Jahren 304 Millionen Euro. Im März 2004 hat Renfe Siemens mit der Lieferung von zehn weiteren Hochgeschwindigkeitszügen mit einem Gesamtwert in Höhe von rund 430 Millionen Euro beauftragt. Davon entfallen etwa 240 Millionen Euro auf die Züge und 190 Millionen Euro für deren Instandhaltung in einem Zeitraum von 14 Jahren.

AVE-Wappen und der Clubraum.

Zurück zur Übersichtsseite

Absatzlinie
Home../LeerbildTop../Leerbilde-mail