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Donnerstag, 21 September 2017 13:11

Baden-Württemberg: ÖPNV-Pakt für besseren und sauberen öffentlichen Verkehr

Die Partner des ÖPNV-Pakts aus dem Jahr 2014 in der Region Stuttgart haben sich am 20. September 2017 zu ihrer vierten Folgesitzung getroffen. Neben den aktuellen Themen des Öffentlichen Personennahverkehrs in der Region – Schieneninfrastruktur – SPNV- und ÖPNV-Angebot – war auch der infolge des Dieselskandals von der Bundesregierung aufgelegte und mit einer Milliarde Euro dotierte Fonds „Nachhaltige Mobilität für Städte“ Thema der Sitzung. „Die Region Stuttgart kann mit Recht erwarten, dass nennenswerte Beträge fließen. Nur mit einem Aus- und Umbau des ÖPNV, einer Stärkung des Schienenpersonennahverkehrs und weiteren innovativen Ansätzen können wir in der aktuellen Diskussion um Fahrverbote einen Schritt weiterkommen“, betonte Verkehrsminister Hermann.

Beim Ausbau der Schieneninfrastruktur geht es schrittweise voran. Land, Verband Region Stuttgart und die DB Netz AG haben gemeinsam die Vergabe einer Machbarkeitsuntersuchung für die Einführung von ETCS-Level 2 (europäisches Zugbeeinflussungssystems, das Zugfolgen in geringeren Abständen ermöglicht) bei der Stuttgarter S-Bahn beschlossen. Bis Mitte nächsten Jahres muss Klarheit über die Einführung dieser Technik bei der S-Bahn Stuttgart herrschen, damit im Zuge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 die Vorbereitungen getroffen werden können.

Die Umsetzung des Metropolexpresssystems geschieht planmäßig. Der Aufträge sind vergeben, die Fahrzeuge sind in der Produktion. Die ersten Linien starten im Dezember 2017 auf der Murrbahn und der Gäubahn mit neuen Fahrzeugen im Vorlaufbetrieb. In den Jahren 2019 und 2020 folgen weitere neue Netze im ganzen Land. Aktuell untersucht das Land, ob für weitere Kapazitätssteigerungen über die Ziele des ÖPNV-Pakts hinaus bereits zusätzliche Züge geordert werden.

Seit dem Abschluss des ÖPNV-Pakts hat sich die Nachfrage im ÖPNV der Region Stuttgart sehr dynamisch entwickelt. „Die Nahverkehrsoffensive ist im vollen Gange“, stellte Oberbürgermeister Fritz Kuhn, gleichzeitig auch VVS-Aufsichtsratsvorsitzender, fest. Auf dem Weg zu dem im ÖPNV-Pakt avisierten Ziel einer Fahrgaststeigerung um 20 Prozent bis 2025 sei man ein gutes Stück vorangekommen. Gegenüber dem Ausgangsjahr 2012 wird es nach Angaben des VVS bis zum Jahresende 2017 gelingen, einen Nachfragezuwachs von ca. 13 Prozent zu erreichen. Dies ist insbesondere auf das große Engagement der Aufgabenträger – auch der Stuttgarter SSB zurückzuführen. Wir haben zahlreiche Verbesserungen bereits umgesetzt und planen weitere Stadtbahnverbindungen, eine neue Schnellbus-Linie und bessere Taktungen.“ So wird in Kürze die U 12 vom Hallschlag bis nach Remseck verlängert und mit der U 19 von Neugereut zum Neckarpark sowie der U 16 von Fellbach nach Giebel entstehen komplett neue Linien. Diese entlasten das bestehende System und erweitern es gleichzeitig. Der Stuttgarter Gemeinderat hat zudem eine Schnellbuslinie X1 von Bad Cannstatt in die City beschlossen und einer Rücklage von 72,5 Millionen Euro zur Ersatzbeschaffung von neuen Stadtbahnzügen zugestimmt. „Wir gehen mit unseren Maßnahmen weit über die Verpflichtungen aus dem ÖPNV-Pakt hinaus“, stellte Oberbürgermeister Kuhn fest.

Aber auch Tarifangebote des VVS, wie z.B. das verbesserte FirmenTicket-Angebot mit Zuschüssen der Arbeitgeber oder das attraktive Ausbildungsabo führen bis Ende 2016 zu insgesamt 27 Millionen mehr Fahrten mit den Verkehrsmitteln des VVS und einer entsprechenden Vermeidung von Schadstoffemissionen im Straßenverkehr. Ab dem 16. Oktober wird es zudem die gesamte Feinstaubalarm-Periode über ein preisgünstiges UmweltTagesTicket geben. Mit diesem kann man ab 4,50 Euro den ganzen Tag alle Verkehrsmittel des VVS nutzen.

Der ÖPNV-Pakt war „wichtig und richtig“, bilanzierte Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling. „Das Ziel aller ÖPNV-Pakt-Partner, bis zum Jahr 2025 mindestens 20 Prozent mehr Fahrgäste für den ÖPNV in der Region Stuttgart zu gewinnen ist bekanntermaßen ehrgeizig, aber realistisch.“ Das belegen Modellrechnungen zum Regionalverkehrsplan. Auch der Verband Region Stuttgart trage seinen Teil dazu bei. Dr. Schelling wörtlich: „Wir haben uns tatkräftig und erfolgreich unseren Aufgaben aus dem ÖPNV-Pakt gewidmet.“ Dazu gehören:

• die Einführung des Expressbusses RELEX auf bisher drei Linien: Fahrgäste schätzen den hohen Komfort der neuen Busse und die überdurchschnittlich gute Ausstattung.

• eine beachtliche Ankurbelung des Wettbewerbs im Busverkehr durch den Erlass der Allgemeinen Vorschrift zur Finanzierung des Busverkehrs in der Region

• die Arbeiten an der regionalen Mobilitätsplattform: Analyse-, Planungs- und Konzeptionsphase im Straßennetz mit Radius von etwa 15 Km um Stuttgart herum. Bis Ende nächsten Jahres sind einerseits lokale Lösungsvorschläge, aber auch gebietsübergreifende Maßnahmenvorschläge. Das Projekt wird in einem Größenumfang von 9,5 Millionen Euro von EU und Land gefördert.

• die Erhebung von Grundlagendaten zum Park & Ride und die Bereitstellung von Belegungsinformationen über die VVS-App. Das neue Betriebskonzept „Parkschein gleich Fahrschein“ im Park & Ride-Parkhaus Österfeld schafft für ÖPNV-Nutzer ein attraktives Angebot. Im ersten Halbjahr 2017 sind fast 19.000 Kombitickets verkauft worden. Die täglich etwa 500 Parkvorgänge führen dazu, dass etwa 1.000 Autofahrten nicht in der Stuttgarter Innenstadt stattfinden.

Erfreulich ist auch der deutlich positive Trend bei der Stabilität und Pünktlichkeit des S-Bahn-Verkehrs, erinnerte Dr. Schelling an die Ergebnisse des letzten „S-Bahn-Gipfels“. „Die S-Bahn fährt wieder zuverlässiger. Die zahlreichen Aktivitäten der DB-Töchter, des VVS und des Verbands Region Stuttgart wirken.“

Die Landkreise setzen derzeit in einem Kraftakt die Vergabe der Busverkehrsleistungen EU-konform um. Dabei werden die im ÖPNV-Pakt vereinbarten einheitlichen Standards bei den S-Bahn-Zubringern eingeführt. Daneben gibt es weitere, deutliche Zusatzverbesserungen für die Fahrgäste sowohl beim Betriebsumfang als auch bei der Fahrzeugqualität. „Wir setzen weiterhin auf die Fähigkeiten und die Kompetenz unser mittelständischen Verkehrsunternehmen“, so Landrat Heinz Eininger für die Verbundlandkreise. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende 2019 die absolute Verkehrsleistung um rd. 2,4 Millionen Fahrplankilometer steigern können. Dies wird sich dann auch in der Erhöhung der Fahrgastzahlen niederschlagen.“

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