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Freitag, 22 September 2017 16:36

Alstom/Siemens: Verkünden Alstom und Siemens nächsten Dienstag ihre Fusion?

Während Siemens bereits seit Monaten mit dem in Montreal ansässigen Unternehmen Bombardier über die Gründung zweier Eisenbahn-Gemeinschaftsunternehmen verhandelt, habe es in letzter Zeit auch mit dem französischen Konkurrenten Alstom Gesräche über verschiedene Zusammenschlüsse gegeben. Diese Gespräche könnten schon am kommenden Dienstag (26.09.17) zu der Bekanntgabe einer Zusammenarbeit zwischen Alstom und der Transportsparte von Siemens führen. Quellen dieser neuen Szenarien sind Insider-Informationen, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg, dem Wirtschaftsblatt Les Echos und der Zeitung "Le Monde" verbreitet werden. Die Alstom-Aktie legte darauf um 4,3 Prozent zu, die Siemens-Aktie stieg in Frankfurt um 1,3 Prozent.

Die Konsolidierung der europäischen Eisenbahnen ähnelt zunehmend dem musikalischen Stuhlspiel "Die Reise nach Jerusalem", schreibt der Kommentator des Wirtschaftblattes "Les Echos". Alstom, Bombardier und Siemens erkunden verschiedene Fusionsszenarien, mit der Vorstellung, dass der der Heirat Fernbleibende sich mittelfristig in Schwierigkeiten begeben werde.

Das Projekt zwischen Siemens und Alstom scheint nach Informationen der Zeitung "Le Monde" sehr weit fortgeschritten zu sein. Schon am Dienstag, dem 26. September, an dem Tag, an dem der Alstom-Verwaltungsrat zusammentreten wird und kurz nach der Bundestagswahl in Deutschland am Sonntag, könnte eine Vereinbarung bekannt gegeben werden. Zu einer Zeit, da Präsident Emmanuel Macron für eine Verstärkung der deutsch-französischen Achse plädiert, wird diese Allianz vom Typ Airbus für die Eisenbahn von den französischen Behörden unterstützt. "Diese Operation ist eine Diskussion zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Elysée", erzählt ein guter Kenner der Operation.

Demnach plant Siemens, beraten von BNP Paribas, seine Eisenbahnaktivitäten auf Alstom, beraten von Rothschild, zu verlagern, sowohl bezüglich Rollmaterial als auch Signaltechnik. Der Wert dieser Beiträge werde sich auf rund 7 Mrd. Euro belaufen. Im Gegenzug würde die Gruppe unter der Leitung von Henri Poupart-Lafarge eine Kapitalerhöhung für den deutschen Mischkonzern starten.

Alle drei sind sich der Gefahr Chinas bewusst. 2015 forderte Peking seine beiden nationalen Hersteller CSR und CNR auf, sich zu fusionieren. Der Vertrag hat zu einem Riesen namens CRRC geführt, der mehr als 30 Mrd. Euro Umsatz macht (gegenüber 7 Mrd. Euro bei Alstom) und große internationale Ambitionen verfolgt. Insbesondere in Afrika sind chinesische Unternehmen derzeit an ca. 30 Projekten beteiligt. Sollte Siemens mit Alstom zusammen gehen, wäre Bombardier der große Verlierer, der dann eine sehr verlockende Beute für CRRC werden würde.

Vor diesem Hintergrund müssen Eisenbahnanbieter dringend wachsen, um Größenvorteile zu erzielen und auch ihre Finanzgarantien oder Finanzierungsangebote zu verbessern. Themen, die in Entwicklungsländern entscheidend sein können. "Jeder redet mit jedem", verlautet es deshalb aus Insider-Kreisen.

Die Option eines Zusammenschlusses von Alstom mit Bombardier scheint in Frankreich sehr kompliziert: Der neue Akteur hätte ein Monopol auf dem französischen TER-Markt und müsste wahrscheinlich Hunderte von Arbeitsplätzen im Norden streichen, wo Alstom und Bombardier zwei große Fabriken in wenigen Kilometern Entfernung haben. Bei Siemens gäbe es für Alstom mehr Komplementarität. Insbesondere ist Alstom an der Signalsparte von Siemens interessiert, genauso wie Siemens an der von Alstom. Sie würde in Deutschland, wo Alstom nicht sehr präsent ist, gestärkt werden.

WKZ, Quelle Bloomberg, Le Monde, Les Echos

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Letzte Änderung am Donnerstag, 28 September 2017 14:04