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Montag, 25 September 2017 15:11

InnoTrans: Bahn und Reinigung gehören zusammen

Klarer als Dieter Kienle von der Stuttgarter Straßenbahn AG konnte man es nicht ausdrücken: "Bahn und Reinigung gehören zusammen", sagte er am Rande des ersten Mobility Cleaning Circle auf der CMS Berlin 2017 (19.-22.9.). Und deshalb sei es eine sehr gute Idee, beide Segmente verschiedener Branchen zusammen zu bringen. Etwa 80 Vertreter der Bahn- und Reinigungsbranche waren der Einladung der Messe Berlin am 21. September gefolgt, darunter Interessenten aus Deutschland, Italien, Korea, Neuseeland, Niederlande, Ungarn und Russland.

Symbiose aus zweifachem Branchen-Know how

Der Mobility Cleaning Circle ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Verkehrstechnikmesse InnoTrans und der Reinigungsfachmesse CMS Berlin, die abwechselnd in zweijährigem Turnus in Berlin stattfinden. Fachleute der Bahnbranche aus aller Welt waren eingeladen, sich auf der CMS 2017 einen kompletten Marktüberblick über die unterschiedlichsten Reinigungsmaschinen und Reinigungsmittel zu verschaffen, die die Cleaning-Industrie den Bahnen für die speziellen Einsatzbereiche bietet. Der Bereich "Cleaning" ist auf der Weltleitmesse InnoTrans auf die Fahrzeugreinigung spezialisiert. Die CMS Berlin hingegen bietet den kompletten Marktüberblick der Reinigungsbranche. Daher stieß das neue Veranstaltungsformat auf große Resonanz bei der Bahnindustrie.

Begrüßt wurden die Gäste aus dem In- und Ausland von Matthias Steckmann, Geschäftsbereichsleiter der Messe Berlin GmbH, sowie den Repräsentanten der CMS-Trägerverbände: Hans Ziegle, stellvertretender Bundesinnungsmeister des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), Werner Schulze, Vorsitzender des Fachbereiches Gebäudereinigung im Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung (IHO) sowie Markus Asch, Vorsitzender des Fachverbands Reinigungssysteme im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Markus Asch begrüßte als Vertreter der Reinigungsmaschinen-Hersteller das neue Format. "Es ist gut, wenn wir noch weiter aufeinander zugehen und deutlich machen können, wie wir mit neuer Technologie und digitalisierten Lösungen einen Beitrag leisten, Arbeitsprozesse in Zügen und Bussen produktiver zu gestalten." Den Gästen brannten viele Probleme unter den Nägeln, etwa der Umstand, dass die Innenreinigung von Zügen bislang nur schwer rationalisierbar ist. "Wir können zwar mit Maschinen aller Art die Fahrzeuge von außen reinigen, aber innen hapert es oft noch", sagte Murray Gate, Manager für Flottenperformance der neuseeländischen Tochter des Transdev-Konzerns. "Deshalb ist so ein Treffen gut, weil es den Kontakt mit Kollegen, aber auch mit der Industrie ermöglicht und wir herausfinden können, wie andere unsere Probleme lösen."

Messerundgang mit Graffiti-Entfernung am DB-Zug

Höhepunkt des Treffens war ein Rundgang, bei dem zunächst die DB Services GmbH die professionelle Reinigung eines Zuges von Graffiti demonstrierte. Es handelte sich um den Triebwagen des "Kulturzugs", der an Wochenenden zwischen Berlin und Breslau pendelt und deshalb für die Dauer der CMS auf dem Berliner Messegelände abgestellt werden konnte. Der Mobilitätskonzern ist eines der am meisten von Graffiti betroffenen Unternehmen Deutschlands. Pro Jahr müssen nach Bahnangaben rund 350.000 Quadratmeter Fläche - das entspricht etwa 50 Fußballfeldern - an Zügen der DB AG und ihrer Tochterunternehmen von Schmierereien gereinigt werden.

Da reicht nicht einfach ein Arbeitsgang. Der Entferner muss als Paste oder Flüssigkeit aufgetragen werden, verbindet sich mit den Farben, erste Farbfelder lösen sich, die schmierige Paste wird entfernt, und mit einer besonderen Chemikalie werden die Reste neutralisiert, damit sie nicht den Lack angreifen. Betroffen sind nicht nur glatte Flächen, sondern auch Rillen, Nuten, Dichtungen aus Gummi oder Glasflächen, die teilweise einer Sonderbehandlung bedürfen. Gegebenenfalls stellen die Reiniger noch mit einem Lackpflegemittel sicher, dass der Zug wieder fast wie neu glänzt. Zugleich achten sie darauf, dass der Boden, auf den das Sprühfarbe-Lackentferner-Gemisch tropft, gegen Verunreinigungen geschützt ist.

Wie international das Problem ist, schilderte Gate: "Es gibt eine weltweite Sprayer-Community, deren Mitglieder sich gegenseitig Empfehlungen geben, wo man Züge besprühen kann. Und die reisen und sprühen dann auf der ganzen Welt um die Wette." Joost van der Bijl von NedTrain, der für Wartung und Reparatur des Rollmaterials zuständigen Tochter der Niederländischen Staatsbahnen, wagte einen Blick in die Zukunft: "Mit Nanotechnologie müsste es möglich sein, die Oberflächen so zu präparieren, dass die Farbe der Sprayer gar nicht an ihnen haftet, sondern sofort abläuft."

Reinigungsbranche hält Lösungen parat

Anschließend ging es zu den Herstellern auf der CMS 2017, die Technik und Chemie zur Reinigung von Fahr-, aber auch Flugzeugen vorstellten. "Die Innenreinigung ist eine große Herausforderung", sagte van der Bijl. "Wir haben nur wenig Zeit, wenig Wasser, oft keinen Strom und wenig Platz im Innenraum. Deshalb ist die Automatisierung der Innenreinigung so schwierig."

Dazu passte, dass gleich die erste Rundgangs-Station, Diversey Deutschland GmbH & Co. OHG, einen handlichen Gürtel präsentierte, in dessen Taschen sich Reinigungswerkzeug ebenso wie Sprühflaschen für Reinigungsmittel unterbringen lassen. Auch der Industriestaubsauger der Marke TASKI überzeugte durch seine universelle Verwendbarkeit. Columbus Reinigungsmaschinen demonstrierte seine Leistungsfähigkeit bei Produkten für alles, worauf die Kunden laufen oder sitzen, wie zum Beispiel Rolltreppen oder Sitzpolster. Bei Dr. Schnell Chemie erhielten die Kunden einen Überblick über die passenden Reinigungsmittel, Schneidereit GmbH präsentierte seine Waschmaschinen-Systemlösungen, und SCA Hygiene Produkts AfH Sales GmbH stellte seine Marke TORK in den Vordergrund, die unter anderem Papierspender aller Art herstellt.

"Ganz hoch einzuschätzen" sei die Organisation dieses Treffens, sagte Stanislav Zotin von den Russischen Eisenbahnen. Es biete ihm und seinen Kollegen die Möglichkeit, auf die Bedürfnisse seines Berufsfeldes zugeschnittene Firmen, Maschinen und Reinigungsmittel kennenzulernen. Auch van der Bijl lobte, dass es so möglich sei, nicht nur die Vertreter der Industrie zu treffen, sondern die Marktentwicklungen zu verfolgen. Das sei im Alltagsgeschäft nicht gründlich möglich.

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