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Donnerstag, 05 Oktober 2017 10:54

Mit Dampf nach Zubrnice

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Am 22. September war die 423.0145 mit einem typischen Lokalbahn-Güterzug auf der Strecke Velké Březno – Zubrnice unterwegs. Der Organisator dieser sehr gelungene Fotofahrt war der Tschechische Eisenbahnfan Petr Holub. Die Aktion war außerhalb von Tschechien kaum bekannt, sodass die übergroße Mehrheit der Teilnehmer aus Tschechen bestand.

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Der Streckenabschnitt von Velké Březno nach Zubrnice nähe Ústí nad Labem im Nordwesten Tschechiens ist ein Teil der ehemalige Strecke von Velké Březno (Großpriesen) über Zubrnice (Saubernitz) und Lovečkovice (Loschowitz) nach Verneřice (Wernstadt) und Úštěk (Auscha).

Der Bau dieser Strecke wurde von der Wiener Firma Stern & Hafferl durchgeführt im Auftrag der Lokalbahn Großpriesen–Wernstadt–Auscha (LGWA). Am 18. August 1890 konnte der Zugverkehr nach Wernstadt aufgenommen werden und vier Wochen später, am 11. September 1890, verkehrten die ersten Züge nach Auscha. In Oktober 1918, nach dem Zerfall der Österreich-Ungarische Monarchie, ging die Betriebsführung an die neu gegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über.

Bis in den fünfziger Jahren standen nur vier, für die starken Steigungen und engen Kurven eigentlich zu schwache, Loks der ÖNWB-Reihe XV (= ČSD 313.4) zur Verfügung. Erst nachdem der Oberbau saniert und verstärkt wurde, übernahmen Lokomotiven der BR 423.0 die Zugförderung. Ab 1965 wurden sie von Diesellokomotiven der Baureihe T 444.0 und später von der Baureihe M 131.1 abgelöst.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein größerer Teil der deutschböhmischen Bevölkerung ausgewiesen, mit, selbstverständlich, gravierenden Konsequenzen für die Industrie im Bereich Verneřice. Außerdem übernahmen LKW mehr und mehr den verbliebenen Güterverkehr. Damit war das Ende der Bahn vorgezeichnet. Am 27. Mai 1978 verkehrten die letzten Reisezüge und die Strecke wurde stillgelegt.

Bis 1979 baute man die Gleise zwischen Lovečkovice und Verneřice ab. Zwischen Lovečkovice und Úštěk geschah das zwischen 1985 und 1988. Nur der Abschnitt Velké Březno – Zubrnice blieb erhalten. In 1988 wurde diese Strecke zur Museumsbahn erklärt und ist seit 1998 ein Kulturdenkmal der Tschechischen Republik. Seit 2010 wird hier an ausgewählten Wochenenden im Sommer ein regelmäßiger Museumsbahnbetrieb angeboten. Ab 2016 verkehren vom 25. März bis 30. Oktober an den Wochenenden planmäßige Reisezüge zwischen Ústí nad Labem und Zubrnice mit Halten an allen Unterwegsstationen. Beauftragtes Eisenbahnverkehrsunternehmen ist MBM-Rail, das für diese Leistungen einen Triebwagen der Baureihe M 131.1 einsetzt.

Noch eine verkürzte Geschichte der ČSD Baureihe 423.0:

Weil nach 1918 auf den Lokalbahnen in der neugegründeten Tschechoslowakei eine große Vielfalt an Lokomotiven existierte, die zum Teil von den k. k. Staatsbahnen, aber auch von den vielen ehemals eigenständigen Lokalbahngesellschaften stammte, wurde in 1921 die Firma První Českomoravská PČM (Erste Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik) mit dem Bau von vier Tenderlokomotiven mit Achsfolge 1D1 für den Nebenbahnverkehr beauftragt. Diese neue ČSD-Baureihe 423.0 war so erfolgreich, dass in 1926 weitere 26 Maschinen in Dienst gestellt wurden.

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland in Oktober 1938 kamen insgesamt 52 Lokomotiven zur Deutschen Reichsbahn, die als Baureihe 93.15 eingeordnet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen alle Maschinen wieder in den Bestand der ČSD zurück. Ab 1946 wurden nochmals 61 Lokomotiven mit der Bezeichnung 423.0171–0231 von ČKD geliefert. Neun Lokomotiven wurden an die ungarische MÁV abgegeben, wo sie als Reihe 460.001-009 eingeteilt wurde.

Mit den Vorkriegsmaschinen 423.086 in Břeclav und 423.041 in Ostrava wurden 1980 die letzten Maschinen dieser Baureihe ausgemustert. Die letzten Maschinen früherer Lieferungen waren ungefähr 1978 von den Gleisen verschwunden. Einige Maschinen sind erhalten geblieben; die 423.009, 423.041 und 423.094 als betriebsfähige Museumslokomotiven, die 423.001 steht im Eisenbahnmuseum Lužná u Rakovníka und die 423.0145 im Eisenbahnmuseum Jaroměř.

Ad van Sten

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