english

Mittwoch, 23 August 2017 09:22

Kahlschlag in Niederösterreich - Keine Museumsbahn nach Bischhofstetten

Waldv. 041abWaldv. 275a

Im Dezember 2010 übernahm das Land Niederösterreich mit dem sogenannten "Nebenbahnpaket" alle verbliebenen Schmalspurbahnen sowie etliche normalspurige Nebenbahnen von den ÖBB. Bis auf die Mariazellerbahn und die City-Bahn Waidhofen als kurze Rumpfstrecke der ebenfalls eingestellten Ybbstalbahn, endete auf allen anderen übernommenen Strecken der - sofern noch vorhanden - planmäßige Verkehr. Bis auf wenige Abschnitte wie zB. die Wachaubahn, die im Sommer von Touristenzügen befahren wird, wurden die anderen Strecken in den Folgejahren meist vollständig rückgebaut.

Waldv. 292

So auch die sogenannte "Krumpe", einst eine 64 km lange nicht elektrifizierte Zweigstrecke der 760-mm-spurigen Mariazellerbahn, die ursprünglich von Obergrafendorf bis Gresten führte und ab Ende der 90er Jahre von den ÖBB in mehreren Abschnitten als ein wahres Musterbeispiel für Salamitaktik nahezu Jahr für Jahr immer weiter verkürzt wurde. Lediglich der hintere Abschnitt Wieselburg - Gresten wird heute, nach Umspurung auf Normalspur, noch von den ÖBB im Güterverkehr betrieben.

Der bis Dezember 2010 zuletzt von den ÖBB noch betriebene 19 km lange Restabschnitt Obergrafendorf - Mank, wies mit einem relativ dichten Taktfahrplan und Durchbindung der meisten Züge über Obergrafendorf hinaus in die niedrösterr. Landeshauptstadt St. Pölten gerade im Berufs- und Schülerverkehr ein ganz ansehnliches Fahrgastaufkommen auf. Bis zuletzt war sogar im Gespräch, diesen Abschnitt zu elektrifizieren. Mit der Übernahme durch das Land endete jedoch auch hier völlig unverständlich der Gesamtverkehr.

Anfängliche Bemühungen des "Vereines MH 6", der im ehemaligen Heizhaus in Obergrafendorf ansässig ist, auf der landschaftlich sehr ansprechenden Strecke bis Mank eine Museumsbahn einzurichten, wurden vom Land und der ÖVP-dominierten Lokalpolitik abgelehnt und die Strecke 2015-16 bis auf den 8 km langen Rest Obergrafendorf - Bischhofstetten rückgebaut. Diesen sollte der Verein pachten und Dampfzugfahrten zum liebevoll restaurierten Bahnhof Bischhofstetten, in dem sich auch schon zu Zeiten des ÖBB-Planbetriebes eine vielbesuchte Ausflugsgaststätte befand, anbieten.

Doch kurz vor Unterzeichnung des Pachtvertrages sprach sich nun auch der anfänglich positiv gestimmte Gemeinderat von Bischhofstetten vehement gegen eine Museumsbahn auf seinem Gemeidegebiet aus. Leider waren Teile der bereits stillgelegten Strecke zuvor vom Land bereits auf die Gemeinde übertragen worden. So konnte nun lediglich ein Vertragsabschluss für den nur 3,7 km langen, jedoch sehr steigungsreichen (der Name" Krumpe" kommt von krumm, der Autor erinnert sich hier noch mit Wonne, an die, bis in die 90er Jahre mit zwei Loks der BR 2095 bespannten, schweren Rollschemelgüterzüge zur Bedienung der Lagerhäuser an der Strecke) Abschnitt bis zum ehemaligen Bedarfshaltepunkt St. Margarethen-Rammersdorf, der auf Obergrafendorfer Gemeindeflur liegt, abgeschlossen werden. Bei aller "Freude" über diese nach siebenjährigem Gezerre nun noch zustandegekommene "Minimalstlösung", dürfen aber auch Zweifel an einem dauerhaften Erfolg dieses im "völligen Nirvana" endenden Rumpfbetriebes nicht von der Hand zu weisen sein.

Das Schicksal der "Krumpe" zeigt eklatante Paralellen zur Ybbstalbahn (siehe LOK Report 09/2017) und wirft wiederum die Frage auf, warum gerade die ÖVP-(Lokal-)Politik so einen Hass auf die Eisenbahn hegt, die in vielen Gemeinderäten immer noch als "Spielzeug der Linken" angesehen wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass auch die heute tränenreich vermisste Salzkammergutlokalbahn in den 50er Jahren auf drängen der ÖVP-Politik dem sogenannten Fortschritt weichen musste.

Alexander Bauer

Fotos

Bild 1: Als am 10. Oktober 2010 der 5090 00 7, dem die ÖBB sogar noch eine neue Lakierung mit aktuellem Logo spendiert hatte, als abendlicher R 6882 Mank - St-Pölten HBF in Bischofstetten mit seiner urigen Wirtschaft im Bahnhofsgebäude einfuhr, war das Schicksal des SPNV auf der Krumpe schon besiegelt. Genau zwei Monate später fuhr der letzte Zug auf dieser liebenswerten Schmalspurbahn. Nun haben sich die Pläne zumindest noch diesen hübschen Bahnhof mit Museumszügen zu bedienen, dank der Sturheit einiger Lokalpolitiker ebenfalls zerschlagen.

Bild 2: So schön war die, leider bei den wenigsten deutschen Eisenbahnfreunden bekannte "Krumpe". 2050 011 passiert am 11.10 2010 die Kirche von Kilb auf der Fahrt nach Mank. Hier liegen heute leider keine Gleise mehr. Der Triebwagen trug das Wappen von Bischhofstetten. Heute darf er in goldener Növog-Lakierung als T 11 Touristenzüge im Waldviertel führen.

Bild 3: Abfahrtstafel in St Pölten Hbf im Oktober 2010. Während die meisten Züge noch bis Mank durchfuhren, endete einige, wie der R 6879, bereits in Kilb und hatten von dort Anschluss mit einem Kleinbus im SEV nach Mank. Grund war der zuletzt schlechte Streckenzustand, mit vielen Langsamfahrstellen, der einen reinen Taktfahrplan nicht mehr zulies. Auch Markt St Ägyd am Neuwalde ist seit 12.Dezember 2010 von den Abfahrtstafeln verschwunden.

Zurück