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Montag, 24 Juli 2017 12:51

Bundesnetzagentur: KCW GmbH prüft Elastizitäten der Nachfrage der Eisenbahnverkehrsunternehmen

Die Bundesnetzagentur hat im Amtsblatt der Europäischen Union die KCW GmbH in Berlin als Gewinnerin zur Ausschreibung über das Gutachten zu Elastizitäten der Nachfrage der Eisenbahnverkehrsunternehmen bekannt gegeben (2017/S 139-285960).

Zweck des Gutachtens ist es, die Elastizitäten der aktuell diskutierten Segmente des relevanten Marktes des SGV, SPNV und SPFV zu überprüfen und für ausgewählte Segmente die Abgrenzung und Homogenität zu validieren. Mithilfe des Gutachtens sind die Elastizitäten der Nachfrage nach Verkehrsleistungen zu ermitteln. Diese Segmentierung stützt sich für den SPFV und SGV auf den Beschluss der Bundesnetzagentur zum TPS 2018. Die Segmente des SPNV beruhen auf Überlegungen des Auftraggebers und differenzieren die Segmente nach Tageszeit (Tag: 6:00-20:00 Uhr; Nacht: 20:00-6:00 Uhr) und Raum (Zentrum: 50 km im Umkreis eines Metropolbahnhofs; Umland: 50 km außerhalb eines Metropolbahnhofs).

Die Verabschiedung des ERegG und die EU-Richtlinie 2012/34/EU treiben die Harmonisierung der Eisenbahnregulierung in der EU voran. Im Einklang mit der Richtlinie hat der Gesetzgeber festgelegt, dass die Betreiber der Schienenwege Aufschläge zur vollständigen Deckung der Kosten für die Nutzung der Schienenwege erheben dürfen. Diese Aufschläge sollen anhand der relativen Markttragfähigkeit der verschiedenen Marktsegmente innerhalb der Verkehrsdienste des Schienengüterverkehrs (SGV) und Schienenpersonenfern- und -nahverkehrs (SPFV und SPNV) bestimmt werden.

Die DB Netz AG hat eine neue Methodik für ihr Trassenpreissystem (TPS) entwickelt. Es stützt sich auf das ökonomisch fundierte Ramsey-Boiteux-Prinzip, welches die nicht als unmittelbaren Kosten des Zugbetriebes anfallenden Kosten anhand der relativen Markttragfähigkeiten den verschiedenen Segmenten zurechnet. Um die Markttragfähigkeit der unterschiedlichen Segmente zu bestimmen, wird eine Elastizitätsbetrachtung angestellt. Die Elastizität der Nachfrage beschreibt, um wieviel Prozent sich die Nachfrage nach einem Gut (z. B. Trassenkilometer) verändert, wenn sich der Preis um x Prozent erhöht. Das bedeutet, dass Segmente mit einer niedrigen (hohen) Elastizität eine hohe (niedrige) Markttragfähigkeit haben und deshalb einen verhält-nismäßig hohen (niedrigen) Anteil der Kosten des Netzbetreibers tragen würden. Die Elastizität der Nachfrage nach Trassenkilometern ist auf Grund der Datenlage und der geringen Anzahl an Marktteilnehmern schwierig bestimmbar. Da Änderungen der Trassenpreise über die Produktionskosten der Eisenbahnverkehrsunternehmen die Nachfrage der Endkunden beeinflussen, erscheint es sinnvoll, sie indirekt über die Elastizität der Nachfrage auf den folgenden Marktstufen zu berechnen. Die Elastizität der Nachfrage nach Transportleistungen der Endkunden der Eisenbahnverkehrsunternehmen würde somit indirekt die Elastizität der Nachfrage nach Trassenkilometern bestimmen.

Die DB Netz AG hat für den Entgeltantrag des Trassenpreissystems 2018 der DB Netz AG innerhalb des SGV und SPFV Segmente abgegrenzt, welche sie in sachlicher, verkehrsräumlicher und in zeitlicher Hinsicht als homogen ansieht. Für jedes dieser Segmente hat die DB Netz AG die Nachfrageelastizität bestimmt. Dabei stützt sie sich auf ihre eigenen Daten und verschiedene, teils veraltete Studien. Die Aufgabe der Bundesnetzagentur ist es, die vorgelegten Berechnungen der DB Netz AG, die Segmentierung und die statistische Validität der Resultate zu überprüfen. Hierbei sind neueste Entwicklungen des Marktes wie beispielsweise das Wachstum des Fernbusverkehrs für den Personenverkehr oder Änderungen der Güterstruktur im SGV zu berücksichtigen. Auf Grund von Rückmeldungen aus dem Markt wird vermutet, dass insbesondere beim Verkehrsdienst Schienengüterverkehr eine differenziertere Segmentierung notwendig sind, da einige SGV-Segmente im Hinblick auf die Marktverhältnisse in sich zu wenig homogen sind.

Quelle EU-Ausschreibung

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Letzte Änderung am Montag, 09 Oktober 2017 21:40