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Dienstag, 15 August 2017 21:04

Rheintalbahn: Pilotprojekt "Digitales Bauen" ist schiefgegangen [Update]

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Fotos und Grafiken: Deutsche Bahn.

Die Schäden an der Tunnelbaustelle der Rheintalbahn in Rastatt weiten sich deutlich aus. Auf der Pressekonferenz am Dienstag (15.08.17) in Karlsruhe sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Baden-Württemberg, Sven Hantel, am Dienstag habe es neue Erdbewegungen gegeben. Vier Wohnhäuser mussten vorsichtshalber geräumt werden.

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Nach den jetzigen Planungen soll die Oströhre des Tunnels unter den abgesackten Gleisen auf einer Länge von 50 m komplett mit Beton ausgefüllt werden, um die in Bewegung geratenen Erdmassen zu stabilisieren. Die im Tunnel befindliche Tunnelbohrmascine der Firma Herrenknecht müsse aufgegeben werden. Der bisherige Plan, den Zugbetrieb am 26.08.17 wieder aufzunehmen, stehe in Frage. Die Arbeiten im Tunnel seien komplett eingestellt worden.

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Der Bau des Tunnels erfolgt nach dem "Building Information Modeling (BIM)". Die Digitalisierung soll bei der Planung und Umsetzung von Großbauprojekten neue Möglichkeiten bieten, denn Brücken, Tunnel, Strecken, Bahnhöfe werden künftig digital geplant und gebaut. In 13 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten Pilotprojekten wird das Arbeiten mit BIM derzeit erprobt, bis 2020 soll diese Methode auch für komplexe Infrastruktur-Großprojekte eingeführt werden.

Gebohrt wurde im Tunnel mit einem geringen Abstand zur Oberfläche, der teilweise weniger als fünf Meter betrug. Gefrierrohre sollten den Erdboden in diesem Bereich mit Temperaturen auf bis zu minus 33 Grad Celsius kühlen und vereisen. Diese Arbeiten als Teil des bundesweit größten Pilotprojekts, bei dem das Potential digitalisierten Bauens getestet werden sollte, scheinen gescheitert.

Jetzt rächt es sich zudem, dass man die Alternativ-Strecke Rastatt - Wintersdorf - Beinheimer Rheinbrücke - Roeschwoog vernachlässigt hat, statt sie auszubauen und so den Verkehr Karlsruhe - Strasbourg um 20 km zu verkürzen. Die Strecke ist ja noch vorhanden. Da sie von der Absackung der Rheintalbahn nicht berührt ist, könnte man die Züge von Rastatt über Wintersdorf - Roeschwoog - Strasbourg - Kehl führen und bei Appenweier wieder auf die Rheintalbahn einmünden lassen. Da die Strecke über Wissembourg ziemlich ausgelastet ist, verbleibt auf französischer Seite nur noch die Bahnstrecke Karlsruhe - Wörth am Rhein - Lauterbourg - Strasbourg - Kehl - Appenweier. Die ist technisch in Ordnung und auch für schwere Züge geeignet, aber von Wörth-am-Rhein bis Schiltigheim im Norden von Strasbourg nicht elektrifiziert. Es müsste mit Diesel gezogen werden.

Insgesamt 200 Umleitungstrassen biete die Bahn ihren Kunden an, wurde auf der Pressekonferenz berichtet. Von Rotterdam nach Genua und zu den italienischen Terminals geht es nun statt über die Rheinschiene über Antwerpen und Metz nach Basel. Ebenfalls als Ausweichroute dient der Brenner, dazwischen gibt es mehrere teils nicht elektrifizierte Umfahrungsmöglichkeiten mit begrenzter Kapazität. Die Gäubahn von Stuttgart nach Schaffhausen  ist wegen Bauarbeiten bis zum 11.09.17 gesperrt.

WKZ, Franz A. Rosky, Quellen Deutsche Bahn, Tagesspiegel, Pforzheimer Zeitung, FAZ, Grafiken und Fotos aus der Projektbeschreibung der Deutschen Bahn

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Letzte Änderung am Mittwoch, 16 August 2017 06:50