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Mittwoch, 16 August 2017 11:15

Pro Bahn: Rastatt zeigt Versäumnisse beim Ausbau der Bahn-Infrastruktur auf - Umleitermöglichkeiten zur Rheinstrecke

Die Probleme die aus der notwendigen Streckensperrung bei Rastatt auf der wichtigen Nord-Süd-Magistrale erwachsen, machen die Versäumnisse der deutschen Verkehrspolitik bei Auf- und Ausbau des Schienennetzes in nie gekannter Dramatik deutlich. „Die DB muss hier die Folgen einer jahrzehntelang verfehlten Verkehrspolitik ausbaden,“ erklärt der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbandes PRO BAHN, Lukas Iffländer, „in der - im Gegensatz zur Autobahnplanung - nie der Netzgedanke im Vordergrund stand.“

Während bei der Fernstraßenplanung immer auch an Umleitungsstrecken gedacht wurde, fehlte dieser Ansatz bei der Schienenplanung völlig. „So ist es unverständlich, dass eine Autobahn in Richtung Singen gebaut wurde, die parallele Gäubahn aber in großen Teilen eingleisig blieb,“ ergänzt der baden-württembergische PRO BAHN-Landesvorsitzende Stefan Buhl. 

Auch zeigt sich in der Situation, wie fatal das noch immer extrem ausgeprägte Nationalstaatsdenken bei den Eisenbahnen ist. Die offensichtliche Alternative, einfach auf französischer Seite die gesperrte Stelle zu umfahren, scheitert an zahlreichen technischen, rechtlichen und praktischen Gründen.

Auslöffeln müssen diese Situation heute die Fahrgäste und noch viel mehr die Güterkunden. Die Fahrgäste können immerhin jetzt auf einen inzwischen relativ gut organisierten Schienenersatzverkehr – wenn auch mit deutlichem Verbesserungspotential bei der Fahrgastinformation – mit deutlichen Fahrzeitverlängerungen zurückgreifen, während viele Züge des Güterverkehrs nicht oder nur mit großen Zeitverzögerungen gefahren werden können.

„Gerade die Auswirkungen auf den Güterverkehr schaden dem System Schiene insgesamt,“ so der PRO BAHN-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann, „denn wir Fahrgäste brauchen auch die Unterstützung der verladenden Wirtschaft, wenn es um den Ausbau der Schieneninfrastruktur geht.“

Umleitungsmöglichkeiten

1. Wege über Frankreich
Im Raum Karlsruhe gibt es 2 regionale Grenzübergänge, die eingleisig und nicht elektrifiziert sind (von Winden nach Wissembourg und Wörth - Lauterbourg). In Frankreich treffen sie auch auf nicht elektrifizierte Strecken. Europäisch gedacht - wenn es denn dieses Denken bei den Bahnen geben würde, könnte die Strecke über Lauterbourg und weiter über Straßburg in Richtung Basel eine interessante Alternativroute sein

2. Gäubahn (Stuttgart – Horb – Singen – Grenze DE/CH)
Trotz einiger Steigungen ist sie für den Güterverkehr geeignet und wird von diesem auch genutzt, wenn es dort freie Trassen gibt. Von Horb bis Tuttlingen (also 71 km) ist sie eingleisig mit wenigen Kreuzungsbahnhöfen, wo sich Züge begegnen können. Würde die vor dem zweiten Weltkrieg vorhandene komplette Zweigleisigkeit (zweites Gleis 1946 von der französischen Besatzungsmacht als Reparation demontiert) wiederhergestellt, gäbe es hier deutlich mehr Kapazität.

3. Südbahn (Ulm – Friedrichshafen)
Diese Strecke soll endlich elektrifiziert werden, die Lücke in der Oberleitung bis Lindau soll damit auch geschlossen werden, so dass es hier ab Anfang der 2020er Jahre die Möglichkeit gäbe, den Güterverkehr über Stuttgart und Ulm nach Lindau zu führen und dann über Bregenz und St.Margareten in das Schweizer Netz (Theoretisch könnten heute Güterzüge über die Route, mit Diesel zwischen Ulm und Lindau, geführt werden), würde nicht auf dieser Route zwischen Wolfurt und St. Margareten auch gebaut.

4. Verbindungsstrecke Krauchenwies – Sigmaringen
Zur Zeiten der Reichbahn wäre auch noch die Route Stuttgart - Tübingen - Sigmaringen - Meßkirch - Stockach - Radolfzell als Alternativroute in Frage gekommen, die im Regelbetrieb bis Sigmaringen und ab Stockach noch betrieben wird. Die 1971 abgebaute Lücke beträgt nur knapp 9 Kilometer.

5. Basel - Friedrichshafen
Diese West-Ost-Strecke könnte östlich umgeleitete Züge wieder nach Basel bringen. Aber auch diese Strecke ist nicht elektrifiziert und zwischen Waldshut und Friedrichshafen eingleisig. Ändern wird sich hieran so schnell nichts, da es der Streckenausbau nicht in den BVWP geschafft hat - mit der Begründung, es handle sich um eine rein regionale Strecke, eine Begründung, die für die parallel zu bauende Autobahn ("Fernstraße") nicht gilt.

6. Die Schwarzwaldbahn
Die Schwarzwaldbahn (Offenburg - Hattingen) über die Güterzüge von Basel zur Gäubahn gelangen können ist nur bedingt güterverkehrstauglich, das gilt noch mehr für die zwar elektrifizierte Strecke nach Freudenstadt und weiter nach Eutingen an der Gäubahn, da diese Strecke z.T. große Steigungen hat und nicht immer das Umgrenzungsprofil Güterverkehr ohne Einschränkungen zulässt. Diese Strecken könnten aber, wenn die Infrastruktur für Schiebelokomotiven an den Steigungen vorgehalten würde, zumindest eine kleine Entlastung/Alternative darstellen.

Pressemeldung Pro Bahn

 

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Letzte Änderung am Mittwoch, 16 August 2017 11:23