english

Donnerstag, 17 August 2017 09:27

Rheintalbahn: Umleitungstrassen ineffizient - Schadensfrage ungeklärt - Desaster für den Güterverkehr

Die andauernde Unterbrechung der Rheintalbahn bringt den Güterverkehr auf einer der wichtigsten Verkehrsadern Europas in schwere Nöte. Die DB setzt auf die großflächige Umfahrung des Bereiches, aber auch auf eine Verlagerung auf andere Verkehrsträger wie das Binnenschiff oder den Lkw. Insgesamt gibt die DB vor, "ihren Kunden 200 Umleitungstrassen mit unterschiedlichen technischen Anforderungen" anzubieten. In Absprache mit den Kunden werde auch eine Verschiebung der Transporte geprüft.

An Alternativstrecken kommen vor allem der Verkehr über Metz/Forbach und Strasbourg, die Verbindung Karlsruhe - Wörth - Strasbourg - Kehl - Appenweier - Offenburg, die Gäubahn Stuttgart - Singen, und die Südbahn Ulm - Singen in Frage. Die drei letzteren weisen aber zum Teil nicht elektrifizierte oder eingleisige Streckenabschnitte auf. Die Gäubahn ist nördlich Horb zudem bis 11.09.17 wegen Gleiserneuerungsarbeiten gesperrt. Auch eine Umfahrung der Unglücksstelle südlich von Rastatt über die Beinheimer Rheinbrücke nach Roeschwoog an der linksseitigen doppelgleisigen Rheintalbahn auf der Elsässer Seite wäre noch vorhanden, aber nicht in Betrieb. 

Doch sind diese Umleitungen wirklich praktikabel? Aus der Schweiz gibt es kritische Stimmen. "Krisenkommunikation scheint weder die Stärke der Deutschen Bahn und des Netzbetreibers zu sein, noch von der Regierung Baden-Württemberg oder der Bundesrepublik", kritisiert die Basler Zeitung. Laut SBB Cargo fehle es an alternativen Gütertrassen. Zudem stünden auf den Alternativrouten nicht genügend Lokomotiven und Lokführer zur Verfügung.

Auch die Sprecherin der BLS Cargo stellt fest, es gebe von DB-Netz kein Umleitungskonzept. Dies bedeute, man müsse zusammen mit Bahnpartnern im Ausland selber Alternativen erarbeiten. Ausweichrouten, etwa via Stuttgart - Singen - Schaffhausen oder via Frankreich kosten aber mehr Geld und nicht jeder Kunde sei bereit, diese Mehrkosten zu übernehmen.

Über die Frage, ob die Deutsche Bahn respektive DB-Netz für entstandene Schäden aufkomme, herrscht Unsicherheit. "Diese Frage stellen wir uns auch", heisst es von Seiten der BLS. Die Frage werde man gemeinsam mit den Bahnpartnern DB-Netz "konkret stellen". Der Schaden wird allein vom Netzwerk Privatbahnen auf 12 Mio. Euro pro Woche geschätzt. Hupac spricht von einem "gigantischen Umsatzausfall plus Mehrkosten wegen Ineffizienzen". Angesichts der ohnehin schwierigen Kosten- und Erlössituation des Schienengüterverkehrs könnte die Situation aus Sicht des VDV für einige Unternehmen existenzbedrohend werden.

Ab nächster Woche könnte es noch schlimmer werden. Dann gehen die Ferien in Italien, Ferragosto, zu Ende. Alleine der Transpoteur Hupac will statt derzeit 50 Züge pro Woche dann 60 bis 70 Züge täglich über die derzeit unterbrochene Strecke fahren lassen.

Die NZZ spricht von einem "Desaster für den Güterverkehr" und fragt, was das alles für die gesamte Neubaustrecke im Rheintal bedeutet, die 2022 eröffnet werden soll. Sie spricht von einem "schlechten Zeichen" für die deutsche Verkehrspolitik.

WKZ, Franz A. Rosky, Quelle Basler Zeitung, NZZ VDV, NEE, u. a.

Zurück

Letzte Änderung am Donnerstag, 17 August 2017 14:27