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Montag, 28 August 2017 07:17

Rheintalbahn: Zweifel am Terminplan und Bedauern über fehlende Einmischung der Politik

In einem Interview mit dem Schweizer Sonntagsblatt zeigte sich BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl "verwundert, dass bei einer lange geplanten Untertunnelung der sehr wichtigen Rheintalstrecke so heikle Situationen geschaffen werden können." Er äußerte Zweifel am Terminplan zur Wiedereröffnung der Rheintalstrecke: "Wir fänden es angebracht, wenn es da noch Einschätzungen weiterer Experten gäbe und geprüft würde, ob es nicht vielleicht doch eine schnellere Lösung gibt. Hier müsste sich auch die Politik mehr einmischen. Das vermissen wir."

Dirk Stahl zeigte sich erstaunt, wie wenig Resonanz das aktuelle Güterverkehrsproblem in der Politik findet. Hierzu hat die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard einem Bericht der NZZ zufolge allerdings ihren Amtskollegen Alexander Dobrindt auf die "gravierenden Auswirkungen für den Güterverkehr und die Schweizer Wirtschaft hingewiesen". Es sei wichtig, "rasch genügend Umleitungsstrassen in ausreichender Qualität zur Verfügung zu haben".

Über die zu erwartenden Verluste äußerte sich Dirk Stahl wie folgt: "Wenn wir bis zum 7. Oktober rund die Hälfte unserer Züge fahren können, verlieren wir einen Ertrag in Millionenhöhe. Der endgültige Betrag hängt davon ab, ob wir mit unseren Partnerbahnen in Deutschland die DB Netz haftbar machen können, die mit den Bauarbeiten das Problem ja ausgelöst hat. Das wird die Gerichte aber noch Jahre beschäftigen." Dirk Stahl befürchtet, dass der eine oder andere Anbieter 2017 in die roten Zahlen rutschen könnte.

BLS Cargo fährt derzeit pro Woche 400 Züge, von denen 140 von der Sperrung im deutschen Rheintal betroffen sind. "Inzwischen können wir an guten Tagen rund die Hälfte davon umleiten – einerseits über Frankreich oder über Singen. Dabei helfe auch die Beteiligung der SNCF als neue Grossaktionärin der BLS. Die Umleitung über den Brenner sei dagegen zu weit und zu teuer. Sorge bereitet man sich, wenn in den kommenden Wochen die Güterströme nach der Sommerpause wieder anziehen.

WKZ, Quelle Sonntagsblatt, NZZ

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