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Freitag, 01 September 2017 13:53

Deutsche Bahn: Zehn Jahre rauchfrei

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Raucherglück in den 1950er Jahren bei der Bundesbahn. Foto Deutsche Bahn AG / Ernst Below / DB Museum.

Für die einen ein Graus, für die anderen ein Segen: Heute vor zehn Jahren trat ein generelles Rauchverbot in den Zügen und Bahnhöfen der Deutschen Bahn in Kraft. Lediglich auf besonders markierten Bahnsteigbereichen ist seither das Rauchen noch erlaubt – eine Innovation mit Folgen für die Bahn wie ihre Kunden.

 

So stieg mit einem Mal die Buchung von Bahnreisen mit einem Zwischenhalt im Bahnhof Hamm/Westfalen erheblich an: Viele Reisende nahmen offenbar sogar einen kleinen Umweg in Kauf, wenn sie dafür während der legendären Zugteilung in Hamm die Gelegenheit bekamen, für wenige Minuten dem Zug zu entfliehen und auf dem Bahnsteig dem blauen Dunst zu frönen. Auch andernorts geben bis heute freundliche Zugbegleiter den Rauchern einen Hinweis, wenn sich der Halt an einem Bahnhof verlängert und sich so Zeit für eine Raucherpause bietet. Dann bilden sich blitzschnell kleine, verschworene Gemeinschaften auf den Bahnsteigen, die Wind, Wetter und allen Gesundheitsaposteln trotzen – Raucherehen sollen hier schon gestiftet und andere Beziehungen ihr Ende gefunden haben, weil der rauchende Teil der Partnerschaft sich nicht rechtzeitig von dem geliebten Glimmstängel losreißen konnte.

Dass sich in den Anfangstagen des Rauchverbots mit einem Mal ungewöhnlich viele Fahrgäste vor den Zugtoiletten drängelten, blieb indes Episode. Unzweideutige Durchsagen in den Zügen machten rasch deutlich, dass die DB dieses Hintertürchen nicht tolerieren würde und man bei Zuwiderhandlungen aus dem Zug gewiesen würde.

Unklar ist, wie hoch die Zahl der Reisenden ist, die der Bahn nach Einführung des Rauchverbots für immer den Rücken kehrten, um sich lieber im verrauchten Pkw durch die Staus auf den Autobahnen zu quälen. Wer als Raucher weiterhin mit der Bahn reiste, sorgte unfreiwillig immerhin dafür, dass in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland geschätzte 30 Milliarden Glimmstängel weniger geraucht wurden.

Die Bahn hatte die Einführung des Rauchverbots übrigens quasi generalstabsmäßig vorbereitet– mit einem Pilotprojekt im Jahr 2001 am Bonner Hauptbahnhof „An allen Zugängen zum Bahnhof, in den Personentunnels und auf den Bahnsteigen werden Schilder (Längsformat und 60x60) mit Piktogramm (durchgestrichene Zigarette) und folgendem, dreisprachigen Text aufgestellt: In diesem Bahnhof ist das Rauchen nicht gestattet. Raucherbereiche befinden sich auf allen Bahnsteigen und im Coffeehouse“, hieß es seinerzeit unmissverständlich in einer internen Anweisung.

Sänk ju for not smoking!“ Um den Rauchern „die Möglichkeit zu geben, ihre Zigarette zu entsorgen“, wurden an allen Zugängen zum Bahnhof neben die besagten Schilder sogar Aschenbecher aufgestellt. Schon acht Jahre nach diesem Pilotprojekt wurden dann alle Bahnhöfe rauchfrei, auch ohne Aschenbecher.

Weil immer weniger Kippen ins Gleisbett geschnippt wurden, geriet ein Vorzeigemodell der Bahnflotte immer mehr aufs Abstellgleis: Der Schienenstaubsauger, ein Unikum in der Entwicklungsgeschichte deutscher Ingenieurskunst, verschwand mehr und mehr aus dem Bild der Öffentlichkeit.

Für alle Bahnfreunde, die immer noch wehmütig dem Rauch vergangener Tage nachhängen, gibt es zum 10. Jahrestag der Rauchfreien Bahn einen Grund zur Freude: Am bevorstehenden Wochenende (2. und 3. September) finden einmal mehr die Dampfloktage Meiningen statt. Dabei dürfen zumindest die Relikte vergangener Eisenbahnepochen kräftig Dampf ablassen und die Schornsteine rauchen lassen. Immerhin!

Pressemeldung Deutsche Bahn

 

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