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Freitag, 15 September 2017 09:01

Frankreich: Rechnungshof fordert vom Staat eine klare Reaktion zur Positionierung von Fret SNCF

Trotz der Anstrengungen innerhalb der SNCF-Gütertochter Fret SNCF und des Erfolgs von Nischenstrategien durch die Gründung zweier spezialisierter Tochtergesellschaften (VFLI und Akiem) bleibt die Situation der öffentlichen Güterbahn innerhalb von SNCF Mobilités nach wie vor besorgniserregend. Dies hat der Rechnungshof (Cour des comptes) in seinem am 14.09.17 vorgestellten Bericht "La situation du transport de marchandises par le groupe SNCF Mobilités" vom 03.07.17 festgestellt. Er hält die Kohärenz und Effektivität der staatlichen Politik in diesem verkehrspolitischen Bereich für "fraglich" und schlägt mehrere Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation vor, um die Wiederbelebung des Schienengüterverkehrs zu unterstützen.

Ohne staatliche Maßnahmen wird sich die Lage des Güterverkehrs in Frankreich weiter verschlechtern, während das Beispiel mehrerer europäischer Länder (Deutschland, Schweiz, Österreich oder Vereinigtes Königreich) zeigt, dass die Schiene ihre Bedeutung behalten oder wiedererlangen kann. "Diese Klarstellung ist notwendig für eine wirkliche Erholung des Schienengüterverkehrs."

Der Rechnungshof erkennt die "Bedeutung der Anpassungs- und Umstrukturierungsbemühungen" an, die seit 2005 unternommen wurden, als der Staat Fret SNCF mit 1,4 Mrd. Euro rekapitalisierte. Zwischen 2008 und 2015 wurden die Zahl der Mitarbeiter halbiert (jetzt 7.000) und die Organisation rationalisiert. Dennoch betrug der Nettoverlust Ende 2015 noch 253 Mio. Euro oder fast ein Viertel des Umsatzes. Die deutlich verbesserte operative Marge ist noch immer nicht ausgeglichen (-86 Mio. Euro im Jahr 2015). Vor allem aber hat die Anhäufung von Defiziten zu einer Explosion der Nettofinanzschulden geführt, die von 1,8 Mrd. Euro im Jahr 2008 auf 4 Milliarden im Jahr 2014 angestiegen sind. Dies entspricht etwa der Hälfte der Schulden von SNCF Mobilités. Die durch diese Verschuldung verursachten Finanzierungskosten erhöhen das Defizit, ein Teufelskreislauf, der die Schulden von Fret SNCF nach dem strategischen Plan des Unternehmens bis 2020 auf 5 Mrd. Euro ansteigen lassen sollte.

Der Rechnungshof fordert vom Staat, insbesondere von der SNCF, "eine energische und klare Reaktion." Die Struktur der Rechnungsführung von Fret SNCF von Fret SNCF sollte verbessert werden, um eine echte Erholung des Schienengüterverkehrs zu erreichen. Der neue Rechnungslegungsrahmen von SNCF Mobilités wurde von der Regulierungsbehörde Arafer noch immer nicht genehmigt, die dies zweimal ablehnte, da der von der SNCF angewandte Finanzierungskostensatz nicht den Anforderungen des Wettbewerbsumfelds entspricht. Im Falle einer neuen Rekapitalisierung wäre eine Klarstellung unter Berücksichtigung der gemeinschaftsrechtlichen Erfordernisse erforderlich.

Der Staat sollte "wichtige Ziele" für Fret SNCF setzen, um ihre Produktivität zu steigern und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Im Mehrjahreszielvertrag 2016-2025 zwischen Staat und SNCF Mobilités sind die vorgesehenen Mittelbindungen nach wie vor sehr allgemein gehalten. Entgegen einer Antwort des Verkehrsministers an den Rechnungshof enthält der Bericht keine Produktivitätsindikatoren, die Fret SNCF betreffen.

Der Rechnungshof bedauert, dass "der Staat in den letzten Jahren zwar ständig seine Bereitschaft zur Unterstützung des Schienengüterverkehrs bekundet hat, aber wichtige Initiativen ergriffen hat, die für ihn in der Tat ungünstig sind", darunter die Rücknahme der Ökosteuer und der "Verzicht" auf den Abbau des Produktivitätsgefälles zwischen Fret SNCF und ihren privaten Konkurrenten während der Bahnreform 2016. Die Schaffung eines "harmonisierten sozialen Rahmens" als Teil der Bahnreform bot die Gelegenheit, die Organisationsregeln zu überprüfen. doch am Ende ergaben sich diesbezüglich "keine Einsparungen für das Unternehmen."

Das von der Nachrichtenagentur AFP kontaktierte Verkehrsministerium erklärte, dass die Regierung "sich der Schwierigkeiten des Sektors voll und ganz bewusst ist, dass sie in diesem Herbst eine globale Reflexion über den Schienengüterverkehr anstellen wird und dass sie auf der Arbeit des Rechnungshofs aufbauen kann".

WKZ, Quelle Rechnungshof, Les Echos, L'Express

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Letzte Änderung am Donnerstag, 28 September 2017 13:53