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Freitag, 11 August 2017 08:27

Frankreich: Regionen bereiten sich auf den Wettbewerb vor

Das vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der Verkehrsministerin Elisabeth Borne angekündigte Mobilitätsgesetz und der von zwei Abgeordneten vorgelegte Gesetzentwurf zur Liberalisierung des Personenverkehrs werden für das erste Halbjahr 2018 die Diskussion zu einer Öffnung für den Wettbewerb auch in Frankreich einleiten. Auch die ersten Regionen bereiten sich bereits auf ein Ende der bisherigen Direktvergaben an SNCF Mobilités vor, sobald die gesetzlichen Regelungen dafür vorliegen. Ausgerechnet Frankreich, das lange als Bollwerk gegen den Wettbewerb auf der Schiene gegolten hat, geht hier einen Weg, gegen den sich andere Länder - etwa Österreich - derzeit wehren.  Die folgenden Ausführungen entstammen einer Pressemeldung der Vertretung der Regionen, Régions de France:

Seit einem Jahr haben die Regionen mit einer strategische Überprüfung der Umsetzung der im Vierten Eisenbahnpaket festgelegten Wettbewerbsverfahren begonnen. In diesem Zusammenhang wurden 22 Anhörungen durchgeführt, die sich aus gewählten Vertretern und Technikern der Regionen, betroffenen Anbietern und Verbänden (Abellio, Arriva/Deutsche Bahn, Eurotunnel, Keolis, SNCF, RATP, Transdev, Trenitalia/Thello, First Group, UTP, AFRA), Vertreibern (Trainline, Voyages-SNCF.com), Infrastrukturbetreibern (Gares & Connexions, SNCF Réseau), Verwaltungs- und Aufsichtsbehörden (Autorité de la concurrence, ARAFER, EPSF), Transportverbänden (FNAUT, UFC-Que Choisir) und Gewerkschaften (CFDT, SUD-Rail und UNSA, CGT Cheminots nahmen die Einladung nicht an) zusammensetzten.

Diese Anhörungen zeigten eine anhaltende und starke Nachfrage aller französischen und europäischen Eisenbahnbetreiber, am französischen Regionalbahnmarkt teilhaben zu wollen. Verwaltungs- und Regulierungsbehörden sowie Infrastrukturbetreiber haben sich zum Ziel gesetzt, die Regionen zu unterstützen, indem sie ihre Sachkenntnis in künftige Ausschreibungen einfließen lassen.

Die Regionen legen insbesondere Wert auf eine Stärkung der Transparenz des Eisenbahnsektors, das heisst, sie benötigen alle Betriebsdaten zu den etablierten Dienstleistungen und zu dem von SNCF Mobilités durchgeführten Fahrzeugunterhalt. Sie müssen außerdem einen fairen Zugang zum Netz sowie den Bahnhöfen und Serviceeinrichtungen erhalten, die von SNCF Réseau and Gares & Connexions bereitgestellt werden.

Eine transparente Nutzung von Fahrgastinformations- und Ticketing-Systemen ist insbesondere ein Anliegen der Nutzerverbände. Die französische Gebietsreform erlaubt den Regionen, Transportinformation- und Ticketing-Systeme mit allen Verkehrsträgern und allen regionalen und großstädtischen Gebieten zu verbinden. Die Regionen erwarten, dass die Regierung die Bedingungen für die Interoperabilität zwischen diesen Fahrgastsystemen garantiert.

Schließlich sind die Erwartungen der verschiedenen Teilnehmen hoch, um durch den Ausschreibungsprozess stärkere Innovationen und bessere Dienstleistungsqualität für die Eisenbahner zu schaffen und auch ein soziales Dumping zu vermeiden, wobei der französische harmonisierte soziale Rahmen respektiert werden muss.

Die Vorbereitung der Öffnung zum Wettbewerb bietet die Möglichkeit, mit mehreren technischen Modalitäten zu experimentieren, um einen flexiblen und differenzierten Betrieb der regionalen Eisenbahnverkehrsdienste innerhalb der Regionen zu erhalten. Dieser Standpunkt wird auch von den Betreibern geteilt und durch erfolgreiche Beispiele in Europa bestätigt.

Allerdings erwarten die Teilnehmer, dass der Rahmen für Personalübertragungen eindeutig vorgegeben werden muss. Daher müssen die regulatorischen Perimeter und die Bedingungen der Personalübertragungen eine notwendige Agilität für die Konzeption von Alternativen und einen innovativen Transportplan gewährleisten und jede unlautere Situation zwischen den Bahnbetreibern vermeiden.

WKZ, Quelle Régions de France, ERFA

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Letzte Änderung am Freitag, 11 August 2017 09:00