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Donnerstag, 14 September 2017 14:53

Schweden: Sicherheitsprobleme im Winter mit Flüsterbremsen

Die schwedische Sicherheitsbehörde Transportstyrelsen hat von der schwedischen Bahngesellschaft Green Cargo Informationen über drei gemeldete Vorfälle unter Winterbedingungen bei Zügen mit Waggons mit Verbundwerkstoff-Bremsklötzen erhalten. Diese wurden am 30.08.17 der Eisenbahnagentur der Europäischen Union (ERA) mitgeteilt.

1. Der erste Vorfall war ein unzulässiges Überfahren eines Halte-Signals außerhalb Gävles. Der Zug hatte eine Geschwindigkeit von 18 km/h und 200 m vor dem Signal wurde gebremst. Es wurde keine Verzögerung erreicht und der Zug passierte das Signal nach Notbremsung mit 20 m Überfahrt. Der Zug bestand zu 100 % aus Waggons, die mit Verbundwerkstoff-Bremsklötzen vom Typ C810 ausgerüstet waren.

2. Der zweite Vorfall betraf einen Zug, der nach einer Bremskontrolle eine schlechte Bremsleistung meldete. Der gleiche Fahrer fuhr den Zug sowohl im beladenen als auch im leeren Zustand. Im belasteten Zustand lag die Bremsleistung 10 % unter dem errechneten Wert. Im Leerzustand lag die Bremsleistung 18 % unter dem errechneten Wert. Der Zug bestand zu 100 % aus Waggons, die mit Verbundwerkstoff-Bremsklötzen vom Typ C810 ausgerüstet waren.

3. Der dritte Zwischenfall ereignete sich am 3. Februar 2017 zwischen Boden und Haparanda in Nordschweden. Die Wetterbedingungen betrugen -2° C mit wirbelndem Schnee. Der Zug bestand aus acht Wagen. Zwei der Wagen hatten vier Achsen und Bremsklötze aus Verbundwerkstoff (C810). Diese Wagen wurden zuerst und zuletzt im Zug platziert. Die anderen sechs Wagen hatten zwei Achsen und gusseiserne Bremsklötzen. Die "Verbundwagen" waren schwer und mit gefährlichen Gütern beladen. Die Verbundwagen hatten ein Gewicht von 42 % des Gesamtgewichts der Wagen und belegten 41 % des Bremsgewichts der Wagen. Der Lokführer bremste alle 15 Minuten, musste aber dennoch feststellen, dass die Bremsfähigkeit des Zuges während der Fahrt abnahm. Als der Zug nach Haparanda kam, wurden die Wagen kontrolliert. Die Verbundwerkstoffblöcke hatten Eis- und Schneeablagerungen, die Gussblöcke aber nicht. Der letzte Wagen konnte ohne Lösen der Bremsen bewegt werden - der Wagen schien ungebremst zu sein.
Green Cargo ist zu dem Schluss gekommen, dass der Grund dafür, dass der Zug die Reise beenden konnte, wahrscheinlich den Wagen mit Gusseisenblöcken zu verdanken ist, die eine ausreichende Bremsleistung für den gesamten Zug hatten. Green Cargo sieht ein großes Risiko darin, dass ein mit gefährlichen Gütern beladener Wagen als letzter Wagen im Zug eingesetzt wird, wenn der Wagen im Winter aufgrund von Verbundwerkstoff-Bremsklötzen seine Bremsfähigkeit verlieren könnte.

Neben diesen drei Zwischenfällen berichteten die Lokführer von Green Cargo über weitere im Winter aufgetretenen Betriebsrisiken bei Zügen, die aus Wagen mit 100 % Composite-Bremsklötzen bestehen, ohne dass es jedoch zu Zwischenfällen kam.

WKZ, Bengt Dahrberg, Quelle Trafikstyrelsen

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