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Dienstag, 19 September 2017 12:55

Polen: Der schwierige Weg zu einem Gemeinschaftsticket

Ein in ganz Polen geltener Gemeinschaftsfahrschein entwickelt sich in Polen zunehmend zum politischen Kampf zwischen der Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) und den regionalen Verwaltungen. Ein von der Regierung vor zwei Jahren versprochenes und nun vorgelegtes "Gemeinschaftsticket" (Wspólny bilet) ist als Ergebnis des Kampfes der PiS mit den lokalen Regierungen nicht umfassend. PKP-Präsident Krzysztof Mamiński hat es für die Jahreswende 2018/19 angekündigt.

Drei der polnischen Eisenbahnunternehmen - PKP Intercity, Polregio (Przewozy Regionalne) und PKP SKM w Trójmieście im Großraum Danzig - werden von der Staatskasse, d. h. der Regierungspartei, kontrolliert. Die zweite Gruppe sind die Eisenbahnen der Selbstverwaltungen, welche den Marschällen der Woiwodschaften unterstellt sind, die der Opposition angehören. Zu dieser Gruppe gehören Koleje Mazowieckie, Małopolskie, Dolnośląskie, Śląskie, Wielkopolskie und Łódzka Kolej Aglomeracyjna. Beide Gruppen befördern jeweils etwa die Hälfte der Passagiere.

Leider gibt es für ein gemeinsames Ticket keine Zusammenarbeit zwischen ihnen. Die Regierung hat gerade einen Rohentwurf vorgelegt, der allerdings nur die drei "staatlichen" Betreiber betrifft. Die Selbstverwaltungen der Woiwodschaften sind noch nicht eingeladen worden, an einem gemeinsamen Ticket zu arbeiten. Sie haben daher ihr eigenes Angebot erstellt, das "Wspólny Bilet Samorządowy" (Gemeinsames Regionalticket) genannt wird. Dieses wird aber natürlich nicht von PKP Intercity, Polregio und SKM anerkannt.

Es gibt also immer noch keine gemeinsame Fahrkarte, nur Zwischenlösungen, die statt zu helfen, das Chaos in den Köpfen der Passagiere weiter vertiefen, wie der Kommentator der Zeitschrift Polityka schreibt. In der Zwischenzeit nutzt die Regierungspartei PiS dieses fehlende Ticket dazu aus, Wahlkampf in den Woiwodschaften zu betreiben: "Willst Du ein Gemeinschaftsticket - dann wähle uns in die Selbstverwaltungen."

Polen muss derweil auf ein echtes gemeinsames, aber unpolitisches Ticket warten.

WKZ, Quelle Polityka

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Letzte Änderung am Dienstag, 19 September 2017 18:33