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Mittwoch, 20 September 2017 07:30

Großbritannien: Gewerkschaft RMT kündigt weitere Streiks zum Erhalt der "Guards" an

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Fotos RL.

Der Streit in Großbritannien um die sogenannten "Guards" in den Zügen geht weiter. Die Eisenbahnergewerkschaft RMT hat am 19.09.17 bestätigt, dass sie für das Franchise Greater Anglia wegen der möglichen Verlängerung des Driver-Only-Betriebs und der sich daraus ergebenen offensichtlichen Gefahr für die Sicherheit der Fahrgäste zwei Streiktage einleiten werde, nachdem sich das Unternehmen weiterhin geweigert hat, eine Garantie für die Rolle der Guards während der gesamten Dauer des Franchisezeitraums zu geben.

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Die Mitglieder werden zwischen 00.01 und 23.59 Uhr am Dienstag, den 3. Oktober und Donnerstag, den 5. Oktober, streiken. Einen gleichen Termin nennt RMT für Merseyrail, während für Northern Rail eine Petition läuft.

RMT-Generalsekretär Mick Cash sagte: "Greater Anglia hat jede Möglichkeit erhalten, eine Garantie für die künftige Rolle der Guards in ihren Diensten zu geben. Sie haben es versäumt, und das hat uns keine andere Wahl gelassen, als im Interesse der Eisenbahnsicherheit zu einer Abstimmung überzugehen. Unsere Mitglieder stimmten mit massiven Mehrheiten für die Maßnahmen (Guards 90:10 bei 90 % Beteiligung, Triebfahrzeugführer 66 % bei 75 % Beteiligung), aber das Unternehmen hat dies ignoriert und versäumt, die Gelegenheit zu ergreifen, um uns die sehr einfache Zusicherungen über die Zukunft der Guards und die Garantie eines zweiten, die Sicherheit überwachenden Mitarbeiters während der aktuellen Dienstleistungen zu geben. Dieses Scheitern lässt uns keine andere Wahl, als zu Streikmaßnahmen überzugehen."

GK, WKZ, Quelle RMT

 

Kommentar: Brauchen wir die Guards?

Die britischen "Train Guards" dienen nicht nur als "Kundenbetreuer", die Züge begleiten, Fahrscheine kontrollieren und verkaufen sowie die Reisenden informieren, sondern üben bisher auch eine wichtige Sicherheitsfunktion aus. In britischen Zügen ist eine Tf-Selbstabfertigung - in Deutschland bereits lange üblich - bei den Zügen des Regional- und Fernverkehrs noch weitgehend unbekannt. Die Fahrgasttüren werden in britischen Zügen zentral vom "Guard" geschlossen, der dann die typische Fertigmeldung ("miep-miep") an den Triebfahrzeugführer gibt.

Bevor man die "Guards" arbeitslos machen kann, müssen also zunächst die Triebzüge umgebaut bzw. mit einer modifizierten Türsteuerung nachgerüstet werden, und das bedeutet Kosten! Auf lange Sicht ist es natürlich für die Betreiber günstiger, die heutige personalintensive Betriebsweise auf Ein-Mann-Betrieb umzustellen. Aber das geht dann zu Lasten der Sicherheit und des Komforts der Fahrgäste.

Nicht zuletzt aus diesem Grund fordern auch die deutschen Aufgabenträger in neuen Verkehrsausschreibungen wieder vermehrt den Einsatz von Zugbegleitern - trotz Tf-Selbstabfertigung und möglichem Ein-Mann-Betrieb - nur weil es die Kunden nun einmal so wollen und die Medien entsprechende Forderungen aufstellen, wenn es zu Zwischenfällen in Zügen ohne ZiN/KiN kommt. Das erwarten die Fahrgäste auch in Großbritannien.

RL

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Letzte Änderung am Dienstag, 19 September 2017 21:57

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