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Donnerstag, 21 September 2017 13:32

EU: ALLRAIL fordert neue europäische Fahrgastrechteverordnung

ALLRAIL (Allianz der nichtstaatlichen Newcomer im Bahnbereich) fordert, dass die bevorstehende neue europäische Fahrgastrechteverordnung angepasst werden muss, um den Veränderungen und der Dynamik des Eisenbahnsektors gerecht zu werden - vor allem im Bereich des Ticketing. Die fehlende volle Zugänglichkeit zu Bahntickets aller Anbieter ist überholt und schadet dem Schienenverkehr und verhindert steigende Bahn-Nachfrage.

ALLRAIL fordert, dass drei zentrale Verbesserungen für die Kunden bei der bevorstehenden Revision der europäischen Fahrgastrechteverordnung berücksichtigt werden sollen:

• Umfangreicher Datenaustausch, damit die Reisenden immer bestmöglich informiert sind (z.B. durch Echtzeitinformation), ist notwendig.

• Beim Ticketing müssen in allen Kanälen (der Staatsbahnen und Drittverkäufer) die günstigsten und schnellsten Reisemöglichkeiten aller Bahnanbieter (auch der privaten Anbieter) vollständig inkludiert werden, um den Passagieren die volle Auswahl zu geben.

• Schutz bei versäumten Anschlüssen: Alle Betreiber müssen bei alternativen Reisemöglichkeiten für versäumte Anschlüsse berücksichtigt werden, so dass die Reisenden ohne Risiko und schnellstmöglich ans Ziel zu kommen.

Erich Forster, der Präsident von ALLRAIL (der Vereinigung privater Newcomer im Bahnverkehr), hält fest: „Mit der neuen Fahrgastrechteverordnung bietet sich die Möglichkeit, wirklich etwas für die Reisenden zu tun. Die Öffnung der Distributionskanäle ist der ideale Weg, um die Kunden zu unterstützen und die Eisenbahn attraktiver zu machen.“

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Das Recht auf Zugang zu ALLEN verfügbaren Schienenverkehrsoptionen – Passagiere sollten objektiven Zugang zu ALLEN Eisenbahnverkehren in ALLEN Verkaufskanälen haben.

Das bedeutet, dass sowohl Drittverkäufer als auch die hauseigenen Vertriebswege der Staatsbahnen in ganz Europa

• alle konkurrierenden Bahnangebote, die für die gleiche Strecke angeboten werden, anzeigen sollen,

• die günstigsten/schnellstmöglichen Reisemöglichkeiten zwischen zwei beliebigen Bahnhöfen in der EU anzeigen sollen, die durch einen Umstieg in jedem passenden Punkt entlang der Strecke (wie in den offiziellen Planungstools, z.B. MERITS oder Hafas, angegeben) durchgeführt werden können. Die neuen nicht-staatlichen Bahnen dürfen nicht ausgeschlossen werden, da sie sehr oft die besten Konditionen oder die schnellste Reisemöglichkeit für die Reisenden bieten und nur durch eine Gesamtpräsentation aller Angebote die Bahnkunden wirklich sichergehen können, dass sie Bestpreise erhalten.

Das Recht auf ein durchgängiges, gesamt-europäisches Zugticket

ALLE Betreiber, auch die privaten Newcomer, sind Teil eines umfassenden EU-weiten Eisenbahnsystems (in dem hauptsächlich die Staatsbahnen durch Steuergeld unterstützt werden). In einem einheitlichen europäischen Eisenbahnraum darf es kein fragmentiertes Ticketing geben.

• Durchgängige Tickets sind nicht oft nicht günstig und erreichen bislang nur eine begrenzte Bedeutung.

• Aber eine technische Lösung existiert: das “kombinierte Ticket”. Dieses liegt vor, wenn Ticketverkäufer alle verfügbaren und vor allem die preiswerten Tickets unterschiedlicher Anbieter für eine optimale (günstigste/schnellste) Fahrt kombinieren.

• Kombinierte Tickets ermöglichen einen einzigen, nahtlosen und über Landesgrenzen gehenden Buchungsprozess, in dem der Gesamtpreis und die gesamte Reisezeit angezeigt werden. Dabei haben die Reisenden immer eine situativ angepasste Umsteigezeit, so wie sie von den offiziellen Planungstools (z.B. MERITS oder Hafas) vorgegeben wird.

Das Recht auf Schutz bei versäumten Anschlüssen.

• Die derzeit gültige Fahrgastrechteverordnung der EU wurde erstellt, bevor kombinierte Tickets technisch möglich waren. Separate Tickets bedeuten Verträge mit separaten Betreibern. Wenn der Zug, der für den ersten Teil der Reise genutzt wurde, verspätet ist und der Reisende daher den Anschlusszug eines anderen Betreibers versäumt und dafür ein anderes Ticket nutzt (und demzufolge einen anderen Vertrag mit dem Betreiber hat), ist der Reisende nicht geschützt. Der Reisende könnte gezwungen sein, ein neues Ticket für einen späteren Zug zu kaufen, das als kurzfristig gekauftes Ticket für den aktuellen Tag möglicherweise sehr teuer ist. Dieses System “verhinderter Verknüpfung” muss dringend geändert werden.

• Bei kombinierten Tickets – genau wie bei einem durchgängigen Ticket – ist die erste Priorität des Kunden beim Buchungsvorgang das Vertrauen darauf, dass er sein Reiseziel erreichen wird.

• ALLRAIL – also die privaten Newcomer bei den Bahnen - fordern den Schutz bei versäumten Anschlüssen für die Reisenden allen Eisenbahnunternehmen (unabhängig davon, ob ein Reisender ein durchgängiges Ticket mit einem einzigen Vertrag für alle Betreiber oder ein kombiniertes Ticket mit mehreren Verträgen für mehrere Betreiber) gebucht hat. Der Reisende muss die Möglichkeit haben, seine Reise ohne zusätzliche Kosten fortzusetzen.

• Am 1. Juli 2017 haben sich vierzehn Europäische Staatsbahnen genau dafür zusammengeschlossen: Ihr „Agreement concerning Journey Continuation” (AJC) betrifft internationale Reisende, deren “Reise unterbrochen wurde, unabhängig davon, ob sie einen oder mehrere Verträge für ihre Reise abgeschlossen haben.“ Das Agreement inkludiert aber keine Nicht-Staatsbahnen.

Das neue AJC wäre eine gute Idee, würde es gleichermaßen für alle Anbieter gelten. Die Revision der europäischen Fahrgastrechteverordnung gibt rechtzeitig die Möglichkeit, das vorzuschreiben. Es sollte den Schutz der Reisenden bei versäumten Anschlüssen auch bei kombinierten Tickets garantieren.

Pressemeldung Allrail

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