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Montag, 29 Mai 2017 08:12

Moldau: Bessarabischer Lückenschluss verschoben

Der für 2017 geplante Wiederaufbau der Strecke Basarabeasca (Moldawien, MD) - Berezyne (Ukraine, UA) wurde jetzt wegen mangelnder Finanzierung verschoben. Wie der Erste Stellvertreter des Ministers für Infrastruktur der Ukraine Evhen Pavlovyč Kravcov bei einem Besuch in Odesa ankündigte, werden entgegen des ursprünglichen Plans dieses Jahr keine Haushaltsmittel dafür zur Verfügung stehen. Man versuche jetzt, bis Ende des laufenden Jahres eine paritätische Finanzierung mit anderen Mitteln zu erreichen, und hoffe auch auf Zuschüsse der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zu dem Projekt.

Die Strecke ist der fehlende Teil der kürzesten Verbindung Bucuresti (RO) - Odesa (UA). Sie wäre nicht nur für den internationalen Güterverkehr interessant, der so transnistrisches Gebiet umgehen würde. Auch die seit Jahren geplante Verbindung von Odesa zu den Donauhäfen in Reni (UA) und Giurgiulesti (MD) könnte damit realisiert werden, da die mal angedachte ukrainische Neubaustrecke Izmail - Reni aufgrund der topografischen Verhältnisse im Donaudelta nur schwer realisierbar wäre. Die Transportwege für vorwiegend Eisenerz, Kohle und Getreide würden sich verkürzen und die Güter müssten nicht mehr auf Schiffe umgeladen werden.

Die Gleise auf dem Abschnitt Basarabeasca - Berezyne wurden 1997 abgebaut, die Kosten für die Wiederherstellung betragen ca. 300 Mio. UAH. Auf ukrainischer Seite misst die Strecke ca. 20 km, auf moldauischer Seite ca. 1,5 km. Die moldauische Seite sagte bereits im August 2016, dass Geld dafür sei da, aber man beginne erst, wenn auch die ukrainische Seite damit beginnt, der Bau sei in 2-4 Wochen möglich. Die Rekonstruktion des Abschnitts Basarabeasca - Berezyne und die Überholung des anschließenden Teils Berezyne - Arcyz würde nur 2-3 Monate dauern, da Dämme, Einschnitte und sogar Brücken noch komplett vorhanden sind.

Auch für den Personenverkehr ergäbe sich mit der Wiederherstellung der Strecke die Perspektive einer täglichen Zugverbindung Odesa - Reni, welche die Zoll- und Grenzkontrollen vermeidet, wenn außer in Berezyne nur auf dem ukrainischen Territorium in Bolhrad und Reni gehalten wird. Zudem könnte, da die 1520-mm-Spur bis in die rumänische Stadt Galati reicht, eine Direktverbindung von Odesa nach Galati (mit der Möglichkeit von moldauischen Kurswagen aus Cahul und Chisinau) geschaffen werden, was schon seit 2015 auf der Agenda der UZ steht.
Von besonderer Bedeutung ist dies im Zusammenhang mit der ab dem Sommer 2017 kommenden Einführung eines visafreien Regimes für ukrainische Bürger in der Europäischen Union. Mittelfristig müssten noch, da in Galati die Breitspur nicht bis in den Personenbahnhof reicht, dort ein paar hundert Meter 1520-mm-Gleis gebaut werden. Bei Installation einer Spurwechselanlage könnte es ohne Umzusteigen eine direkte Verbindung Odessa - Bukarest geben und sogar weiter zu Städten in Bulgarien - Sofia und Varna - geschaffen werden. Eine Busverbindung Odessa - Bulgarien dauert heute ca. 20-24 Stunden.

Hans-Jürgen Schulz

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