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Donnerstag, 28 September 2017 14:14

Polen: Ohne die Woiwodschaftsbahnen wird es kein Gemeinschaftsticket geben

Die in dieser Woche in Danzig stattfindende Schienenfahrzeugmesse TRAKO 2017 war ein Forum, auf dem sich die Geschäftsführer der selbstverwalteten Woiwodschaftsbahnen untereinander sowie mit den maßgeblichen Politikern treffen konnten. Zur Problematik des in Polen derzeit heftig diskutierten Gemeinschaftstickets (der LOK Report berichtete kürzlich darüber) machten die Geschäftsführer noch einmal deutlich, dass es ohne sie ein Gemeinschaftsticket, wie es die polnische Regierung anstrebt, nicht geben würde, denn die Woiwodschaftsbahnen befördern zusammen die meisten Bahnreisenden in Polen. Tatsächlich nutzten die Züge der beteiligten regionalen Bahngesellschaften 49 % aller Bahnreisenden des Landes, während im ersten Quartal diese Jahres PolRegio (Przewozy Regionalne) nur einen Anteil von 25 % und PKP Intercity 13 % aller Reisenden erreichte. Leider gab es – aus politischen Gründen – erneut keine Verständigung zwischen den Bahngesellschaften der Selbstverwaltungen. Auf das Gemeinschaftsticket müssen die Fahrgäste also weiterhin warten.

Auf der TRAKO konnte man zudem erfahren, welche Veränderungen und Verbesserungen die polnischen Bahngesellschaften für die Bahnreisen planen. So teilten die Bahnen der Woiwodschaft Schlesien (Koleje Śląskie, KS) mit, dass die in diesem Jahr probeweise eingeführte Verbindung von Krakau nach Zakopane über Zywiec sich bewährt habe und deshalb ab Dezember dauerhaft angeboten würde. Weiterhin bestätigten die KS, dass die Verhandlungen mit der slowakischen Bahn fortgesetzt würden, um einen grenzüberschreitenden touristischen Verkehr zu neuem Leben zu erwecken. Bereits ab 1. Oktober werden die Bahnen der Region Krakau (Koleje Małopolskie) eine Direktverbindung von Krakau nach Jasło in der Woiwodschaft Karpatenvorland (Podkarpackie) anbieten, um die benachbarte Region besser an die Gebiete südöstlich von Krakau anzubinden, wie der Chef der Koleje Małopolskie, Grzegorz Stawowy, betonte.

Ein anderer Aspekt der Weiterentwicklung der regionalen Eisenbahnen in Polen wurde ebenfalls auf der TRAKO diskutiert. Piotr Rachwalski, Geschäftsführer der Niederschlesischen Eisenbahn (Koleje Dolnośląskie) verdeutlichte, dass eine Steigerung der Fahrgastzahlen nur bei gleichzeitiger Verbesserung der Infrastruktur möglich ist. So wurden zwischen Liegnitz (Legnicą) und Breslau (Wrocław) noch vor 10 Jahren lediglich 8 Regionalzugverbindungen angeboten, welche die Strecke jeweils in 1,5 Stunden zurücklegten. Nach Modernisierung der Strecke benötigen die heute verkehrenden Züge nur noch 45 Minuten, und das Angebot ist inzwischen auf 26 Zugpaare angestiegen.

Anmerkung: Leider sind die angekündigten Verbesserungen recht übersichtlich, um nicht zusagen dürftig. Die genannte Direktverbindung zwischen Krakau und Jasło verkehrt z.B. nur je einmal wöchentlich, freitags in der einen Richtung (Kraków => Jaslo) und sonntags zurück ...

 

Rüdiger Lüders, Quelle Rynek Kolejowy

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