Diese Seite drucken
Freitag, 29 September 2017 07:30

Frankreich/Italien: Ausbau des Projekts Lyon - Turin auf bilateralem Gipfel bestätig

gip2gip1

Auf dem 34. bilateralen Gipfeltreffen am 27.09.17 in Lyon bekräftigten der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni zusammen mit den Verkehrsministern Elisabeth Borne und Graziano Delrio das Engagement der beiden Länder zum Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Lyon - Turin. Beide Staaten unterstrichen, dass die Vorarbeiten nun abgeschlossen und der Beginn der weiteren Arbeiten, insbesondere für den Bau des Basistunnels, in Vorbereitung sind.

"Diese Achse muss strategisch über den Basistunnel hinaus entwickelt werden", bekräftigte Macron. Das Projekt könne deshalb nicht mit den Ideen seiner Konzeption vor 20 Jahren aufgebaut werden, es muss vielmehr "an die heutigen Mobilitätsformen angepasst werden, ökologischer und intelligenter".

In diesem Zusammenhang kamen die beiden Staaten überein, eine Arbeitsgruppe zwischen den beiden Ministerien im Zusammenhang mit dem europäischen Koordinator für den Mittelmeer-Korridor einzurichten, die bis Ende des Jahres konkrete Vorschläge unterbreiten soll, um i) die auf französischer Seite vorgesehenen Wirtschafts- und Finanzregelungen und ii) die Auswirkungen des italienischen Rechts auf die "Baulose" im grenzübergreifenden Abschnitt zu prüfen.

Im Juli hatte Verkehrsministerin Elisabeth Borne angesichts der Umorientierung der französischen Verkehrspolitik noch von einer "Pause" zur Fortführung des 26 Mrd. Euro schweren Projekts gesprochen, verwies aber auf die "Besonderheit" dieses Projekts, das "zu 40 % von der Europäischen Union und zu 35 % von Italien finanziert wird". Diese Äußerungen hatten zur Verwirrung zwischen den Gegnern und Befürwortern des Projekts geschürt. Während Jean-Luc Mélenchon von einem "großen unnützen Projekt" sprach, hatten die Befürworter das Elysée gebeten, "das Engagement des Staates zu bestätigen". Auf der Internetseite der italienischen NoTAV-Bewegung befindet sich eine kritische Beurteilung des Gipfels.

Die französisch-italienische Firma TELT, die für den Bau der Strecke verantwortlich zeichnet, hatte versichert, dass "Pause" nicht gleichbedeutend mit "Aussetzung" eines bereits begonnenen Projekts sei. Auf französischer Seite wurde der 9 km lange Erkundungstunnel in Saint-Martin-la-Porte (Savoie) auf 1,4 km ausgebrochen. Nach der Behebung geologischer Schwierigkeiten schreitet die Tunnelbohrmaschine mit einer Geschwindigkeit von "zehn Metern pro Tag" voran. Auf italienischer Seite wird der 7 km lange Erkundungsstollen La Maddalena à Chiomonte fertiggestellt. Der künftige grenzüberschreitende Tunnel mit einer Länge von 57,5 km - 45 km in Frankreich und 12,5 km in Italien - geht in die Bauphase, so dass dass der Zeitplan für die Inbetriebnahme der Strecke bis 2030 eingehalten werden können wird.

Was die Eisenbahnstrecke Turin - Lyon betrifft, so erinnerte Minister Delrio die bilaterale Delegation daran, dass auf italienischer Seite die Arbeiten voranschreiten und dass "der Finanzierungsweg für das Projekt bis 2022 im Wesentlichen mit Mitteln für das erste und zweite Los abgeschlossen ist".

Das Verkehrsaufkommen von Gütern, die die Alpen zwischen Frankreich und Italien durchqueren, belief sich 2016 auf 42,5 Mio. Millionen Tonnen pro Jahr und liegt damit über demjenigen der Schweizer Alpenüberquerung (40,5 Millionen Tonnen pro Jahr), führt aber im Gegensatz zu anderen Alpenrouten fast ausschließlich über die Straße. Über die derzeitige Eisenbahnlinie werden nur 7,3 % der Güter befördert, da die unzureichende Infrastruktur keine effizienten und wettbewerbsfähigen Eisenbahnverbindungen zulässt. Zum Vergleich: Der Bahnverkehr in der Schweiz nimmt zu und hat im ersten Halbjahr 2016 einen Marktanteil von 71%.

WKZ, Quelle 20 Minutes, Ministro delle Infrastrutture e dei Trasporti

Zurück

Letzte Änderung am Freitag, 29 September 2017 09:37