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Montag, 16 Januar 2017 09:33

Serbien: Provokativer Personenzug ruft Unabhängigkeitskonflikt hervor

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Fotos ŽS.

Ein Personenzug von Beograd (Hauptstadt Serbiens) nach Mitrovica (Kosovo) musste Presseberichten des ORF und der BBC zufolge am 13.01.16 in der südserbischen Stadt Raška stehen bleiben. Der serbische Premier Aleksandar Vučić veranlasste dies, nachdem der kosovarische Präsident Hashim Thaçi den Innenminister Skënder Hyseni und den Polizeidirektor Shpend Maxhuni beauftragt hatte, den Zug an der Grenze "um jeden Preis" zu stoppen.

"Wir haben einen Zug geschickt, keine Panzer", erklärte Serbiens Präsident Tomislav Nikolić. Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Belgrad befürchtete er um die Sicherheit der Serben im Norden Kosovos: "Wenn Serben umgebracht werden, werden wir die Armee schicken."
Bereits seit 2008 haben die Serbischen Eisenbahnen den Betrieb im Norden des Kosovo von der serbischen "Grenze" bis nach Mitrovica im Handstreich übernommen. Man fährt seit Jahren mit regulären Reisezügen von Kraljevo (Serbien) bis nach Mitrivoca sever (Nord), einem provisorischen Bahnsteig in einem Anschlußgleis, serbisch kontrollierter Teil von Mitrovica.

Diese Aktion mit dem innen wie außen beklebten Zug (innen großflächige Abbildungen von orthodoxen Ikonen, außen "Kosovo ist Serbien" in zwanzig Sprachen) sollte einen "durchgehenden" Zug Beograd - Mitrovica simulieren oder initiieren. Betrieblich wäre das überhaupt kein Problem gewesen, im Status quo ist egal, ob der Zug von Kraljevo oder Beograd kommt. Die Gestaltung war das Problem: die reine Provokation. 

Pragmatische Lösungen wurden konterkariert und wohl zurückgeworfen. Angeblich war man kurz vor einem Durchbruch, die Infrastruktur Mitrivica - "serbische Grenze" von Kosrail betreiben zu lassen, serbische und kosovarische EVU hätten identische Trassenpreise bekommen, man hätte von Norden dann auch wieder in den eigentlichen Bahnhof von Mitrovica fahren können. Vielleicht war die Aktion auch gezielt dagegen gerichtet. Dann dürfte sie Erfolg gehabt haben, auch wenn gar kein kosovarisches Gebiet erreicht wurde ... (

Joachim Piephans, Prof. Dr. Johannes Schenkel, GK, Quelle ORF, BBC

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