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Dienstag, 22 August 2017 11:01

Dänemark: Mobilitätsrat fordert Bahn-Stundenmodell

Bahnhof Esbjerg elektrisch

Esbjerg ist seit einigen Wochen für elektrische Züge erreichbar. Da Die Strecke Frederic - Aarhus noch nicht elektrifiziert ist, werden noch jahrelang Dieselzüge unter den Fahrleitungen im Verkehr Esbjerg - Aarhus verkehren. Foto  Banedanmark.

Die Vorsitzende des Süddänischen Mobilitätsrates, die Regionsratsvorsitzende Stephanie Lose (V), bezieht Position gegen die Linie ihrer eigenen Partei und die der übrigen Regierungsparteien in Kopenhagen, die im Konzept des Bahnausbaus mit Geldern aus dem Zugfonds geplanten Ausbauten der Schienenverkehrswege teilweise zu streichen.

„Es geht viel zu langsam, die Pläne für schnellere Zugverbindungen zwischen den großen dänischen Städten zu realisieren“, so lautet die einstimmig vom Mobilitätsrat beschlossene Aufforderung zum Thema. Während in jüngster Zeit u. a. Venstre, Liberale Allianz und Konservative dafür eintraten, das Konzept eines Stundenmodells mit Fahrzeiten von jeweils nur noch einer Stunde zwischen den großen Städten Kopenhagen, Odense, Esbjerg, Kolding, Vejle und Aarhus teilweise zu den Akten zu legen, verlangt der Mobilitätsrat Süddänemark unter Leitung ihrer Venstre-Vorsitzenden eine Realisierung des Stunden-Modells. Im Mobilitätsrat sind neben je vier Mitgliedern aus den Reihen der Region und der Kommunen in Süddänemark die Bahngesellschaften, die Transportbranche, die Häfen, der Flughafen Billund und weitere Interessenorganisationen repräsentiert.

„Das Zugfondsprojekt hat großen Effekt für Bürger und das Wirtschaftsleben in der Region Süddänemark. Neben der Tatsache, dass fünf der vom Stundenmodell umfassten zehn Städte in unserer Region liegen, wird ein voll verwirklichtes Stundenmodell auch die Kapazität auf den Gleisen erhöhen und einen S-Bahn-ähnlichen Betrieb in Ostjütland und auf Westfünen ermöglichen“, so Stephanie Lose.
Die Regionsratsvorsitzende erklärt zur Debatte, es gehe doch nur darum, bei den Fahrzeiten wenige Minuten mehr oder weniger einzusparen, dass man es da mit unsachlichen Argumenten zu tun habe. Auch wenige Minuten haben volkswirtschaftlich und verkehrsmäßig große Bedeutung. „Jede Minute verringerte Reisezeit sorgt für 1,39 Prozent mehr Reisende in den Zügen“, so Lose und unterstreicht, dass elf Minuten kürzere Fahrzeit zwischen Aarhus und Vejle mit einem Wachstum bei den Passagierzahlen von 35 Prozent verbunden sei.

Lose kritisiert auch die Aussagen, dass es aktuell darum gehe, entweder mehr Straßen oder mehr Bahnstrecken auszubauen. Sie verweist auf Erfahrungen aus Oslo, wo Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden Kronen in den öffentlichen Nahverkehr volkswirtschaftlich einen Gewinn von acht Milliarden Kronen eingebracht hätten. Gewinner seien vor allem die Autofahrer, weil denen durch Umstieg vieler Pendler auf Bahnen Staus im Bereich der norwegischen Hauptstadt erspart werden.

Die Regionsratsvorsitzende warnt, dass ohne Verwirklichung des Stundenmodells in Dänemark in vielen dänischen Städten in den kommenden Jahren chaotische Verkehrsverhältnisse auf den Straßen zu erwarten seien.
Sie weist darauf hin, dass Dänemark mit dem Stundenmodell Anschluss an die Entwicklung des Verkehrs in anderen europäischen Ländern bekommen könnte.

Mit dem Ausbau der Bahnstrecken in Dänemark werde auch der Weg frei gemacht für schnellere Bahnverbindungen zwischen Jütland und Hamburg. Die Region hat sich für den Ausbau der Bahn nach Flensburg und Hamburg engagiert. Die Region war an Gutachten beteiligt, die auch Ausbau und Streckenmodernisierungen in Schleswig-Holstein vorsehen, um Jütland besser mit Mitteleuropa zu verbinden. Lose erinnert daran, dass mit der Verbesserungen der Bahnverbindungen in der Region Süddänemark auch ein Beitrag zur Stadtentwicklung geleistet wird, mit Platzierung von mehr Arbeitsplätzen in den Stadtzentren, gut erreichbar auch für Pendler. Hee

Fakten: Zugfonds-Milliarden für mehr Bahnverkehr

• 2014 vereinbarten zur Amtszeit von Transportministerin Pia Olsen Dyhr (SF) Sozialdemokraten, Radikale, SF, EL und DF Investitionen in Höhe von 28,5 Mrd. Kronen für den Ausbau des Zugverkehrs in Dänemark.

• Finanziert werden soll das Konzept durch höhere Besteuerung der Energiegewinnung.

• Kern des Konzeptes sind die Elektrifizierung vieler Strecken und der Neubau von Linien für kürzere Fahrzeiten.

• Die größten Städte sollen über nur noch bei einer Stunde Fahrzeiterreichbar sein

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