Bosnien-Herzegowina
/ Bosna i Hercegovina
Reisebericht
 
 
 
Vom 23. bis 27. Juni 2010 fuhr ich mit Bahn und Bus durch Bosnien-Herzegowina.
Drei Orte bzw. Strecken sind aktuell besonders erwähnenswert:
• Lukavac (bei Tuzla): Die fast 60 Jahre alten GM-"Kennedys"
der Reihe 661 bestreiten dort den Güterverkehr. Ein besonderer Höhepunkt
ist der E-Wagen-Tausch zwischen der Dampflok der Reihe 33 (analog Baureihe
52) der Kohlenzeche Sikulje und einer 661 der Föderationsstaatsbahn
ZFBH. Leider findet dieses Schauspiel nur durchschnittlich 1-2 mal am
Tag oder in der Nacht zu unregelmäßigen Zeiten statt. Als Einzelreisender
benötigt man daher Glück und Zeit, um dabei zu sein (Bilder
obere Zeile).
• Tuzla - Brcko: Entgegen aller Prognosen wird der gesamte
Personenverkehr noch mit den Großdieselloks der Reihe 661 und grünen
Wagen durchgeführt. Die eigentlich auch dafür vorgesehenen grundüberholten
gelben ex-DB212 wurden dagegen in Sarajevo und Mostar gesichtet (Bilder
mittlere Zeile).
• Sarajevo - Capljina (- Ploce): Wegen umfangreicher Oberbauerneuerungen
ist die Strecke in ihrem besonders schönen Abschnitt Konjic-Capljina
seit Mitte Juni für voraussichtlich 3 Monate täglich nur einige
Stunden geöffnet. Von den fahrplanmäßig täglich vier
durchgehenden Zügen verkehren derzeit lediglich die Schnellzüge
zwischen Zagreb und Ploce 396 und 397. Nur der erstgenannte Zug fährt
bei Tageslicht durch die Neretva-Schlucht und bietet vor der Einführung
der Talgo-Züge Ende 2010 wohl die letzte Gelegenheit, diese beeindruckende
Landschaft am offenen Zugfenster zu genießen. Die sonst aus blauen
Schwedenwagen gebildeten Züge 390 und 391 werden nur zwischen Capljina
und Ploce mit dieser Garnitur gefahren, zwischen Konjic und Capljina ist
SEV und der Abschnitt Sarajevo-Konjic wird mit den Wagen aus den Zagreber
Nachtzügen 398 und 399 bedient (Bilder untere Zeile) (Dr.
Rainer Hartmann, 19.07.10).
Zugverbindung
Belgrad - Sarajevo
Wie die Süddeutsche Zeitung und AFP melden, gibt es nach 18 Jahren Unterbrechung
durch die Balkankriege seit dem Fahrplanwechsel am 13.12.2009 wieder eine
direkte,
symbolträchtige Zugverbindung Belgrad - Sarajevo (Johannes Schenkel,
15.12.09).
Tatsächlich,
sie ist es!
 
Mir tränen die Augen: die erste V 100 der Bosnischen Föderationsbahn,
welche nun aufgearbeitet und in neuer Lackierung die Hallen von TZV Gredelj
in Zagreb (Kroatien) verlassen hat, ist doch tatsächlich die 212 184!
Eine alte Nördlingerin seit Anlieferung 1963, war sie bis zuletzt im September
1985 mit den beiden Schwestern 183 und 185 (und einer Menge anderer Augsburgerinnen)
auf des Südosteuropa-Redakteurs Heimatstrecke Nördlingen - Pleinfeld unterwegs.
Auch in Bosnien schon abgestellt, besinnt sich jetzt die ZFBH Sarajevo
(wie die ZRS in der Republika Srpska) auf die unverwüstlichen Hydrauliker
und läßt eine Anzahl wieder herrichten.
So wartet etwa das kleine Depo Bihac im westbosnischen Inselnetz der ZFBH
dringend auf eine zweite Diesellok zur vorhandenen 661, um neue Güterverkehrskunden
bedienen zu können (der LOK Report berichtet in seiner aktuellen Ausgabe
11/09). Eine Kühleröffnung auf der früher verschlossenen hinteren Vorbauwand
und verblechte Schlußleuchten, eine leuchtende Lackierung statt des bis
zuletzt behaltenen Ozeanblau-Beige - was soll's, sie ist es und sie fährt!
Gute Fahrt, du alte Rieserin! (Joachim
Piephans, Fotos Berislav Zilic, 07.11.09).
Reisebericht
Tuzla
 
 
 
Im Bosnien-Herzegowina gibt es einen der letzten Plandämpfe in Europa.
Die ehemalige Kriegslokomotive 33-064 (Baujahr 1943, FabrikNr 2552) war
am 21.08.09 auf der Mine Sikulje bei Tuzla im Einsatz.
Die Schmalspurlok 25-33 CKD nahm im Depot Banovici Wasser. Zwischen Banovici
Oskova und der Kohlemine besteht eine zweigleisige (!) Schmalspurstrecke
mit einer Steigung von 20 Promille. In Banovici-Oskova rangierten die
Normalspurloks Skoda 19-12 und Dakovic 62677.
In der letzten Zeile sieht man den P-Zug 2030 aus Tuzla nach Brcko mit
268-258 bei Tuzla-Kreka und die neue renovierte Kriegslok 33-504 der Mine
Bukinje (Martin Kubik, 01.09.09).
RCA
und SOC errichten Logistik-Center in Sarajevo
Mit einem feierlichen Akt wurde das erste neu errichtete Logistik-Center
in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo eröffnet. Alle Ehrengäste
waren sich einig, dass hier wahrlich Historisches geleistet wurde. Wo
noch vor wenigen Jahren die Spuren des Bürgerkrieges allgegenwärtig
waren, wird jetzt Logistik erster Güte angeboten. Verantwortlich
dafür sind jene 25 Mitarbeiter des Bihateams - der bosnischen Tochter
von Schier, Otten & Co. - die das Konzernmotto "Forwarding &
Logistics" vorleben.
Rail
Cargo Austria und Schier, Otten & Co. (RCA bzw. SOC) setzen mit der
Errichtung des ersten großen Logistik-Centers im Raum Sarajevo einen
klaren Impuls. Neue Märkte wollen erschlossen werden – mit
dem neuen Standort wird es großen Konzernen und kleinen Firmen möglich
gemacht in einem prosperierenden Raum Fuß zu fassen. Zwei Drehscheiben
tragen dazu bei: Sarajevo – mit dem neuen Logistik-Center als Ausgangspunkt
für Transporte in der Region, und Wien – wo die Importe und
Export von und nach Sarajevo gebündelt werden. Rail Cargo Austria
– Vorstand Ferdinand Schmidt: "Bosnien gewinnt mit dem neuen
Logistik-Center im Konzernverbund der RCA mehr an Bedeutung, und legt
den anderen SOC-Niederlassungen etwas vor. Die Aktivitäten in Bosnien
gehen perfekt einher mit unserer Konzernstrategie – stabilisieren
des Heimatmarktes und erschließen neuer Märkte, vornehmlich
im südost-europäischen Raum."
Bihateam ist kein Neuling am bosnischen Markt – erste Erfahrungen
wurden in einer zerbombten Lagerhalle gemacht. Aber man ist mit der Aufgabe
gewachsen. Vor drei Wochen bezog die SOC-Tochter das neue Schmuckstück
in Sarajevo.
Nach zehn Monaten Bauzeit steht den Kunden heute die modernste Lager-Logistik
in Bosnien zur Verfügung. Auf 5.000 m² finden rund 6.000 Paletten
ihren Platz, sowie ausreichend Flächen für Blocklager und Umschlagstätigkeit.
Sieben Andocktore sind die Schnittstelle zur Transport-Logistik, und auf
der Freifläche werden die Waren verzollt. Den Kunden wird sozusagen
ein „Rundum-Sorglos-Paket“ geboten; Bihateam ist die Lösung
für die logistischen Anforderungen der Kunden. Diese können
sich ganz auf deren wichtigste Aufgabe konzentrieren – den Vertrieb.
Beste Möglichkeiten gibt es dafür im neuen Logistik-Center.
Vorausschauend wurden auch eine Reihe von modernen Büros ins Gebäude
integriert. In Sarajevo findet Logistik statt (Pressemeldung
ÖBB, 31.10.07).
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