Estland
/ Eesti
Reisebericht
 
 
Die Eisenbahn ist in Estland ähnlich wie in Lettland und Litauen
vom Transitgüterverkehr geprägt. Neben der Staatsbahn sind einige
private Gesellschaften aktiv, so dass die Züge sehr abwechslungsreich
bespannt sind (Steffen
Pötzscher, 18.05.10).
Strecke
Tartu - Valga
Am 01.01.2010 wird der Personenverkehr zwischen Tartu/Dorpat und Valga/Walk
wieder aufgenommen. Am 02.10.2009 wurde zwischen dem Wirtschaftsministerium
und AS Edelaraudtee ein Vertrag unterzeichnet, der ab dem 1. Januar zwei
täglich verkehrende Zugpaare auf der Strecke umfasst. Der Betrieb war
Mitte 2008 eingestellt worden, um die Streckenmodernisierungsarbeiten
(Ausbau auf 120 km/h) nicht zu behindern. Diese sind nun soweit abgeschlossen,
dass der Personenzugverkehr wieder aufgenommen werden kann. Die noch fehlenden
Bahnsteige der Unterwegsstationen werden 2010 bei laufendem Betrieb errichtet
werden.
Es wird zukünftig je ein Zugpaar am Morgen und am Abend verkehren, welches
bis Tallinn/Reval durchgebunden ist:
• Tallinn 6.40 - Valga 11.33
• Valga 16.21 - Tallinn 21.15
• Valga 5.51 - Tallinn 10.47
• Tallinn 14.42 - Valga 19.39
In Valga besteht mittags Anschluss an den Zug 851/661 nach Riga, der ab
dem 1. Januar dem Zug aus Tallinn angepasst wird und eine Stunde später
verkehrt (dafür entfällt Zugpaar 648/647 Riga - Sigulda). Damit werden,
nachdem bereits 2008 die lettische Staatsbahn ihre Züge von Riga über
Lugazi/Luhde hinaus bis Valga verlängert hat, endlich wieder Bahnfahrten
von Estland nach Lettland möglich.
Allerdings klappt das nur in eine Richtung; wer dagegen von Riga nach
Tallinn fahren will, muss sieben Stunden in Valga warten und ist den ganzen
Tag unterwegs. Es bleibt zu hoffen, dass die LDZ noch reagiert und den
Zug 664/854 Riga 13.54 - Valga 17.11 Uhr um eine Stunde vorverlegt, damit
der Zug Valga ab 16.21 Uhr nach Tallinn erreicht werden kann (Hans-Jürgen
Schulz, 17.12.09).
Eisenbahntunnel
unter dem finnischen Meerbusen?
Wenig
Freude macht die Estnische Staatsbahn auch nach dem kostspieligen Rückkauf
vor zwei Jahren ihrem staatlichen Besitzer. Der Personenverkehr spielt
fast keine Rolle mehr. Selbst die Verbindung in die Nachbarhauptstadt
Riga ist eingestellt worden. Der innerstaatliche Verkehr wird fast ausschließlich
mit Bussen abgewickelt.
Die Staatsbahn setzt daher fast vollständig auf den Güterverkehr. Allerdings
geht das Geschäft mit ihrem Hauptkunden Russland zunehmend zurück. Zum
einen schränkt Russland den Transit von Erdölprodukten über den Hafen
Muuga aus Kostengründen stark ein. Hier sollen die russischen Häfen rund
um St. Petersburg verstärkt entwickelt werden. Zum anderen spielt immer
noch der unselige Denkmalstreit aus dem April 2007 um den Bronzesoldaten
„Aljoscha“ eine ungute Rolle. Rückgänge des Transit um ein Fünftel schmälern
arg die Erlöse. Zunehmend setzt die Estnische Staatsbahn auf die Baltische
Magistrale über die wenig geliebten Nachbarn Lettland und Litauen. Hier
soll mit EU-Mitteln der Güterverkehr ausgebaut werden. Derzeit wird die
Strecke von Tartu / Dorpat nach Valga an der lettischen Grenze ausgebaut
und ertüchtigt. Ein zweites Gleis soll durchgehend verlegt werden Ein
Problem ist dabei, dass die Nachbarn von der russischen Breitspur weg
kommen möchten- eine Idee, die in Estland wenig Gegenliebe findet.
Seit einiger Zeit spukt an den Gestaden des Finnischen Meerbusens die
Idee von einem Eisenbahntunnel von Tallinn nach Helsinki. Die hat der
Bürgermeister der Hauptstadt – selbst russischer Ethnie – aufgebracht.
Allerdings fragen sich die Esten, wie dieses Vorhaben sich in Eingang
bringen lässt mit der ungeliebten Gasfernleitung „Nordstream“. Technisch
wäre ein solches Tunnelprojekt sicherlich machbar und auch mit internationaler
Beteiligung finanzierbar. Auch ein Bedarf besteht angesichts des starken
Verkehrs zwischen den beiden Hauptstädten, der derzeit vor allem mit Schnellfähren
abgewickelt wird, sicherlich (Horst
Schinzel, HS-Kulturkorrespondenz, 17.06.08).
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