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Flagge LitauenLitauen / Lietuva

RechteckErster automatisierter Rangierbahnhof Osteuropas geht in Betrieb
Foto SiemensFoto Siemens
Ein Konsortium unter Führung von Siemens Mobility hat im Auftrag der Litauischen Eisenbahn, Lietuvos Geležinkeliai (LG), den Rangierbahnhof in Vaidotai in der Nähe der Hauptstadt Vilnius modernisiert. Dies ist der erste automatisierte Rangierbahnhof in Osteuropa, der nun in Betrieb gegangen ist.
Die Leistung steigert sich um 1.200 Waggons pro Tag auf nun 3.000 Einheiten. Neben der Einsparung von Instandhaltungskosten werden auch gefährliche manuelle Arbeiten im Ablaufbetrieb vermieden.
Der Rangierbahnhof in Vaidotai bei Vilnius ist Drehscheibe für Güterzüge im baltischen Raum. Durch das gestiegene Transportaufkommen im Ost-West-Handel hatte die Anlage ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Die Litauische Eisenbahn hat ein Konsortium unter Führung von Siemens Mobility beauftragt, die Rangieranlage umfassend zu modernisieren und zu erweitern. Die Ablaufleistung des bisherigen Rangierbetriebs betrug 1.800 Güterwagen pro Tag. Die Kapazität des Rangierbahnhofs wurde auf 3.000 Waggons pro Tag erhöht. Der automatisierte Ablauf beschleunigt nicht nur den Zerlegeprozess und erhöht die Rangierqualität, sondern hat den Vorteil, dass sehr gefährliche Arbeiten im Gleis wie das Hemmschuhlegen durch das Rangierpersonal entfallen. Der Umbau des Rangierbahnhofs erfolgte bei laufendem Betrieb.
Die vorhandene Gleisanlage und 21 Weichen wurden im Ablaufbereich des Bahnhofs komplett erneuert und die Richtungsgruppe von 16 auf 20 Gleise vergrößert. Dazu wurde auch der Gleisplan der Einfahrgruppe geändert, um zusätzliche Fahrwege und größere Nutzlängen zu schaffen. Weiterhin wurden vier bestehende Abstellgleise auf je 1.000 Meter verlängert und vier weitere Abstellgleise mit je 1.000 Metern neu gebaut. Installiert wurden zudem 25 hydraulische Balkengleisbremsen in drei Staffeln. Zur Steuerung des Ablaufbetriebs mit einer automatischen Laufweg- und Bremsensteuerung sowie einer Laufweitenmessung in den Richtungsgleisen wurde die Ablaufanlage mit einem Mikrocomputersystem des Typs MSR32 von Siemens ausgestattet. Umfangreiche Umbauten und Erweiterungen von Innen- sowie Außenanlage des Relaisstellwerks MRC13 durch Siemens waren dazu notwendig. Die Arbeitsplätze des Bedien- und Instandhaltungspersonals wurden an die Anforderungen des litauischen Kunden angepasst. Kommandos und Meldungen erfolgen in litauischer Sprache. Für die sichere Funktion des gesamten Rangierbahnhofs mussten Schnittstellen zum bestehenden Dispositionssystem und zur bestehenden Relaistechnik neu entwickelt und in Betrieb gesetzt werden. Das bisherige System basiert auf russischer Relaistechnik. Außerdem wurden die sechs Trafostationen (10 kV auf 0,4 kV) zur Energieversorgung des Standortes modernisiert. Die SCADA-Leitstelle zur Fernsteuerung der Elektroanlagen wurde dazu erweitert.
Da ein beträchtlicher Teil der zu rangierenden Einheiten Kesselwagen sind, wurde auch ein geschlossenes Entwässerungssystem inklusive Ölabscheider installiert.
Konsortial-Mitglieder waren neben Siemens die Firma SONA Präzisionsschmiede GmbH aus Duisburg und mehrere, von Siemens beauftragte lokale Bauunternehmen (Pressemeldung Siemens
, 17.11.09).

RechteckZehn ER20 CF von Siemens gehen an die litauische Staatsbahn
Foto Siemens
Die litauische Staatsbahn Lietuvos Geležinkeliai hat bei Siemens Mobility weitere zehn Frachtlokomotiven des Typs ER20 CF bestellt. Der Auftragswert beläuft sich inklusive Tests und Wartungsteilen auf über 35 Millionen Euro. Von Mai bis September 2010 sollen monatlich zwei Lokomotiven geliefert werden.
Im Jahr 2005 wurden erstmals 34 sechsachsige dieselelektrische Lokomotiven im Wert von 123 Millionen Euro mit einer Option auf weitere zehn Einheiten von der litauischen Staatsbahn in Auftrag gegeben. 20 der bestellten Fahrzeuge wurden bereits im Siemens-Lokomotivenwerk in München produziert und an den Kunden ausgeliefert. Die ER20 CF ist Teil der Eurorunner-Familie von Siemens und wird vor allem im Korridorverkehr zwischen Russland und den Ostseehäfen Klaipeda und Kaliningrad zum Einsatz kommen.
Mit 138 Tonnen ist die ER20 CF eine der schwersten Lokomotiven Europas und kann in Zweifachtraktion bis zu 6.000 Tonnen schwere Züge ziehen. Frühere Frachtlokomotiven in Litauen konnten maximal ein Gewicht von 4.000 Tonnen befördern. Beim Kraftstoffverbrauch ist die ER20 CF um bis zu 40 Prozent effizienter als die Altlokomotiven vorheriger Lieferanten.
Die Loks der Eurorunner-Familie gibt es als vier- oder sechsachsige Variante. Die sechsachsige Variante wird in Litauen erstmals eingesetzt. Der vierachsige Eurorunner kommt bereits bei der Österreichischen Bundesbahn, bei Kowloon-Canton-Railways in Hongkong sowie bei mehreren privaten Bahnbetreibern in Deutschland und Österreich zum Einsatz (Pressemeldung Siemens, 28.10.08).

RechteckReisebericht
Bei einer Fototour durch Litauen vom 24. bis 30.3.08 konnten wir einige interessante Beobachtungen machen: In Sestokai stand neben der normalspurigen Stammlok 120-304 die uns bisher unbekannte M62 1482, die auch an diesem Tag die Tour nach Mockava fuhr (siehe Bilder).
Erfreulich war auch, daß an allen drei Beobachtungstagen das Zugpaar 193/194 zwischen Sestokai und Vilnius nicht mehr mit Triebwagen DR1A, sondern lokbespannt mit TEP 60 fuhr. Überhaupt ist die TEP 60 allen Vorhersagen zum Trotz weiter im Einsatz, so vor den Transitzügen 148 sowie in Doppeltraktion dem 147.
Zwischen Vilnius und Kena sahen wir weißrussische TEP 60 vor den Zügen 148 und 306. Die neuen Siemens-Güterzugloks standen noch nicht im Planeinsatz, vier Maschinen waren im Depot Radviliskis. Die 2M62 beherrschen weiter den Güterzugdienst, etwa die Hälfte davon remotorisiert.
Bei den Triebwagen ist die alte blau/weiß/rote Farbgebung offensichtlich ausgestorben, dafür kündigt sich die nächste Umlackierung an: von creme/hellrot auf silber/verkehrsrot, so gesehen bei mehreren DR1A, einem D1 sowie etlichen Reisezugwagen.
Fotografieren wurde auf dem Bahnhof Vilnius bei mehrfachen Gelegenheiten höflich verboten, ganz im Gegensatz zu meinen Erfahrungen vor 3 Jahren. Unterwegs gab es deutlich weniger Probleme, Fragen ist aber immer sinnvoll. Auffallend war noch, daß selbst bei Nebenbahnen mit dünnem Personenverkehr Bahnhöfe und Bahnsteige selbst entlegener Haltepunkte aufwändig saniert waren, lediglich der Endbahnhof Marcinkonys ist weiter im Dornröschenschlaf, Langsamfahrstellen im letzten Streckenabschnitt davor lassen nicht Gutes ahnen.
Ansonsten machen die litauischen Eisenbahnen eine sehr gepflegten und absolut graffittifreien Eindruck. Auch innerhalb Osteuropas fällt diese russische Breitspureisenbahntechnik aus dem Rahmen - zu erleben mit dem Personalausweis (Dr. Raimer Hartmann, 05.04.08).

RechteckBestellung neuer Schienenbusse
Die Litauische Staatsbahn (Lietuvos Geležinkeliai) hat bei verschiedenen Herstellern neue Schienenbusse bestellt:
Anfang Februar wurde ein Vertrag mit JSC Metrowagonmash (Transmashholding) über zehn Schienenbusse (8 Kopfwagen, 2 Mittelwagen) unterzeichnet. Die Fahrzeuge basieren auf der Serie RA-2 (750.05), werden aber in einer modernisierten Ausführung 750.05-20 mit abgerundeten Wagenkästen ausgeliefert. Die ersten drei Fahrzeuge sollen im März 2008 eintreffen. Die Wagen sind behindertengerecht ausgestattet und besitzen ein Passagierinformationssystem in englischer und litauischer Sprache.
Schon im Januar wurde ein Vertrag mit der PESA Bydgoszcz Spolka Akcyjna Holding über zwei Schienenbusse abgeschlossen, die im September 2008 ausgeliefert werden sollen. Die Fahrzeuge sind 120 km/h schnell, haben 91 Sitzplätze und sind mit Videoüberwachung und behindertengerechter Ausstattung ausgerüstet (Pressemeldungen Transmashholding und Lietuvos Geležinkeliai, 29.02.08).

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