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Dienstag, 03 Oktober 2017 08:30

Kanada: Prozess gegen drei Eisenbahner zum Unglück von Lac-Mégantic ist eröffnet

Als Folge einer der schlimmsten Eisenbahnunglücke in Kanada, bei dem im Juli 2013 in Lac-Mégantic, Quebec, 47 Menschen getötet wurden, ist am Montag (02.10.17) der Prozess gegen drei Eisenbahner der ehemaligen Bahngesellschaft Montreal, Maine & Atlantic eröffnet worden. Der Lokführer, ein Zugbegleiter und ihr vorgesetzter Betriebsdirektor erklärten sich in den 47 Anklagepunkten wegen "krimineller Fahrlässigkeit" für nicht schuldig.

Der Prozess in Sherbrooke, Quebec, wird voraussichtlich drei bis vier Monate dauern, und die Angeklagten können zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt werden, wenn sie schuldig gesprochen werden. In ihrer vorläufigen Erklärung erklärte das Gericht, dass die Nachlässigkeit der drei ehemaligen Angestellten 47 Todesfälle verursacht habe und dass es ohne dieses Fehlverhalten keine Opfer in Lac-Mégantic gegeben hätte.

Der auf einem Hügel unbeaufsichtigt abgestellte Zug mit 72 mit Öl gefüllten Kesselwagen hatte sich in der Nacht des 6. Juli in Bewegung gesetzt, bevor er beschleunigte und im Zentrum des Ortes Lac-Mégantic entgleiste. Fast alle Kesselwagen explodierten, etwa 30 Gebäude wurden zerstört und die Evakuierung eines Drittels der 6.000 Einwohner musste angeordnet werden.

Die Untersuchung des kanadischen Sicherheitsbüros (Bureau de la sécurité des transports du Canada, BST) ergab, dass der Lokführer nur fünf Lokomotiven und zwei Wagen abgebremst hatte, als er den Zug etwa zehn Kilometer von der Stadt entfernt abstellte. Die Ermittler wiesen auch auf die Nachlässigkeit des kanadischen Verkehrsministeriums in seiner Aufsicht über die Eisenbahngesellschaft hin. Die Behörde habe "eine schwache Sicherheitskultur und kein funktionierendes Sicherheitsmanagementsystem, um Risiken zu managen", hatten die Ermittler festgestellt.

Zu einem späteren Zeitpunkt wird ein weiterer Prozess zur Haftung des Betreibers Montreal, Maine & Atlantic (MMA) stattfinden, der unmittelbar nach der Katastrophe Konkurs angemeldet hatte.

WKZ, Quelle L'Express, Metro

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Letzte Änderung am Montag, 02 Oktober 2017 22:46