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Sonntag, 14 April 2019 10:17

Baden-Württemberg: Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn dringend

Die «Initiative Bodensee-S-Bahn» begrüßt den Beginn der Planungsarbeiten für die Elektrifizierung und die weitere Ertüchtigung der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen. In dieser Initiative arbeiten regionale Organisationen von Pro Bahn und von den drei Verkehrsclubs rund um den Bodensee seit 15 Jahren zusammen.

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Bahn leistungsfähiger als Straße

Die Eisenbahn spielt eine wichtige Rolle in der Verkehrswende und beim Klimaschutz. Sie muss daher auch am Bodensee massiv ausgebaut werden. Das wurde auf der deutschen Seite seit Jahrzehnten vernachlässigt. Hier hat die Bahn abgebaut, während das Straßennetz deutlich ausgebaut wurde.

Mit Zügen auf einer zweigleisigen Bahnstrecke können so viele Passagiere befördert werden wie mit PKW auf einer sechsspurigen Autobahn. Doch die Bodenseegürtelbahn ist noch immer eingleisig, was die Kapazität der Strecke stark einschränkt.

Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau

Zur Verwirklichung eines benutzerfreundlichen Angebots-Konzeptes benötigt es zum Einen die rasche Elektrifizierung der Bahnstrecke Radolfzell – Friedrichshafen – Lindau mit durchgehender Oberleitung und zum anderen ist die Strecke möglichst durchgehend mit zwei Gleisen auszurüsten, um ungehinderte Zugbegegnungen zu ermöglichen und Überholungsmöglichkeiten von IRE und Regionalbahn-Zügen zu schaffen.
Halbstündliche S-Bahn und halbstündliche IRE-Züge

Die Planung der Gürtelbahn muss von Beginn an auf ein modernes und attraktives Bahnangebot ausgerichtet sein. Die Initiative Bodensee-S-Bahn setzt sich bei den Planungsträgern deshalb dafür ein, dass auf der Bodenseegürtelbahn sowohl die Regionalbahnen mit Halt auf allen Stationen (künftig als S-Bahn) als auch die schnelleren Interregio-Züge mit Halt auf den wichtigsten Bahnhöfen jeweils im Halbstunden-Takt verkehren. Die Gürtelbahn ist so auszubauen, dass sie für zukünftig wachsende Anforderungen mit dichteren Zugfolgen gerüstet ist.

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Möglichst durchgehende Zweigleisigkeit

In einem ersten Schritt müssen Begegnungs- und Überholstrecken reaktiviert und neue Zweispurstrecken gebaut werden. Die «Initiative Bodensee-S-Bahn» schlägt deshalb vor, dass in einem ersten Schritt die Begegnungs- und Überholstrecken, die in den 1980er Jahren abgebaut wurden, reaktiviert und neue gebaut werden. So beispielsweise im Zulauf von Fischbach zum Stadtbahnhof Friedrichshafen, wo es ausreichend Platz für ein zweites Gleis hat.
Mit dem vorgezogenen Bau von Doppelspuren lässt sich verhindern, dass während der Elektrifizierungsarbeiten monatelang – wie derzeit beim Ausbau der Südbahn – große Streckenabschnitte gesperrt werden. Der Ersatzverkehr mit Bussen bei der Vollsperrung einer Bahnstrecke bedeutet für die Fahrgäste massive Zeit- um Komfortverluste, so dass viele verärgerte Bahnkunden auf das Auto umsteigen.

Neue Haltepunkte

Damit die Bahn für alle Anwohner entlang der Bahnstrecke attraktiver wird, sind die in den Nachkriegsjahren stillgelegten Haltepunkte zu reaktivieren. Dort, wo in der Zwischenzeit Wohn- und Gewerbegebiete in Bahnnähe stark gewachsen sind, sind neue Haltestellen einzurichten.

Barrierefreier Ein- und Ausstieg

Gleichzeitig mit dem Ausbau und der Ertüchtigung der Bodenseegürtelbahn sind auch die Bahnsteige auf 55 cm über Schienenoberkante zu erhöhen, damit ein barrierefreier Ein- und Ausstieg in die neuen Fahrzeuge möglich wird. Ebenerdige Einstiege erleichtern nicht nur den Passagieren mit eingeschränkter Mobilität den Zustieg, sondern sie vereinfachen auch für Eltern mit Kinderwagen und für Ferienreisende mit schwerem Gepäck oder Fahrrädern den Fahrgastwechsel. Das rasche und mühelose Ein- und Aussteigen bringt neben dem gesteigerten Komfort für die Fahrgäste auch eine höhere Kapazität der Strecke und damit eine verbesserte Pünktlichkeit.

Bahnausbau billiger als Straßenneubauten

Dass solch ein wichtiges Zukunftsprojekt etwas kosten wird, ist klar. Im Vergleich zu den vielen Straßenbauvorhaben im nördlichen Bodenseeraum, welche bis zu einer Milliarde Euro kosten würden, ist der Ausbau der Bahn erheblich günstiger.

Eisenbahn viel sicherer als Autoverkehr

Im aktuellen Verkehrsträgervergleich von Allianz pro Schiene und Automobil-Club Verkehr (ACV) vom 17. Januar 2017 behauptet die Eisenbahn in Deutschland souverän ihren Spitzenplatz als sicherstes Verkehrsmittel. Danach war im deutschen Zehnjahresschnitt von 2006 bis 2015 das Todesrisiko für Insassen eines Pkw 75-mal höher als für Bahnreisende. Beim Verletzungsrisiko fällt der Abstand im Verkehrsträgervergleich noch größer aus.

Pressemeldung Initiative Bodensee-S-Bahn

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