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Montag, 26 August 2019 09:00

Sachsen/Sachsen-Anhalt: Pro Bahn drängt auf Lösung für chronischen Fahrzeugengpass

Bis Ende Oktober verkehrt die S-Bahn Mitteldeutschland nach einem ausgedünnten Ersatzfahrplan, mit dem zumindest die am stärksten ausgelasteten Abschnitte im Netz stabil befahren werden sollen. Die massiven Angebotseinschränkungen pünktlich zum Schuljahresbeginn belastet insbesondere Pendlerinnen und Pendler aufs Neue.

Während der ZVNL als Aufgabenträger den Betreiber der S-Bahn, die DB Regio AG, für deren Instandhaltungsmanagement kritisiert, sieht der Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland die Ursachen auch in zu gerin- gen Fahrzeugkapazitäten und drängt hier auf eine baldige Lösung.

Als der ZVNL 2007 das S-Bahn-Netz ausschrieb, ging er bei der Kalkulation des Platzbedarfs nicht von einem Einwohnerwachstum in der Region aus. Faktisch waren jedoch bereits zur Betriebsaufnahme der S-Bahn im Jahr 2013 die Fahrzeugkapazitäten zu gering – und durch zahlreiche Defekte und den zunehmenden Vandalismus verringerten sich diese zusätzlich.

„Selbst, wenn alle Fahrzeuge verfügbar wären und kein einziges in der Werkstatt steht, rei- chen die Züge entgegen der Aussage des ZVNL nicht mehr aus, um der Nachfrage gerecht zu werden“, erläutert Carsten Schulze-Griesbach, Sprecher des Fahrgastverbands PRO BAHN für den Raum Halle/Leipzig.

Ronny Hausdorf, Vorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Mitteldeutschland, sieht schwere Versäumnisse in der Vergangenheit auf der Seite des bestellenden Aufgabenträgers:

„Im Jahr 2017 endete die Produktion der eingesetzten Triebwagen E-Talent II (BR 1442), ohne dass durch den ZVNL Nachbestellungen erfolgten.“ PRO BAHN mahnte unablässig zu Nachbe- stellungen und Korrekturen. Mit dem Verweis auf die übliche „Einschwingphase“ eines neuen Netzes wurden die Hinweise abgetan.

Dabei sind die Gesamtfahrgastzahlen in der Region Leipzig im bundesweiten Vergleich (z.B. mit Stuttgart, Köln, Frankfurt oder München) im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch immer gering. Carsten Schulze-Griesbach warnt: „Die vollen Züge dämpfen das Wachstum, erste Stammkunden des ÖPNV springen ab. So kommt keine Verkehrswende zustande.“

Die Neuanschaffung von Fahrzeugen dauert in der Regel mehrere Jahre. „Um unmittelbar Ab- hilfe für die derzeitige desolate Situation zu schaffen, ist ein kreativer Netzbetrieb notwendig, bei dem vorhandene Fahrzeuge zwischen den verschiedenen Teilnetzen getauscht werden“, regt Schulze-Griesbach an. Hausdorf ergänzt: „Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert den ZVNL auf, das „Schwarze-Peter-Spiel“ der Schuldzuweisungen zu beenden und rasch seiner Aufgabe nachzukommen, für eine bedarfsgerechte, idealerweise sogar zukunftsweisende Ka- pazität zu sorgen. Es ist nicht hilfreich, Anderen die Schuld für die Folgen der eigenen über- sparsamen Ausschreibung zu geben. Dem Fahrgast ist damit kein Stück geholfen.“

Pressemeldung PRO BAHN Mitteldeutschland e.V.,

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