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Freitag, 30 August 2019 09:06

Hessen: GDL Bebra begrüßt Pilot für Museumsbahnen in NRW - Vorbildfunktion für Hessen?

2019 08 30p. rehn

Aufnahme aus dem nur wenige Kilometer von der hessischen Grenze entfernten unterfränkischen Fladungen, wo sich eine mustergültig aufgearbeitete Diesellok an einen Personenzug aus sogenannten "Donnerbüchsen" setzt. Das Rangieren und Ankoppeln an den Zug wird dabei von zahlreichen Kindern und deren Eltern genau beobachtet. Foto Patrick Rehn.

Die Ortsgruppe Bebra der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer begrüßt ein neues Förderprogramm des nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, welches auch für das Bundesland Hessen beispielgebend sein könnte.

Patrick Rehn, Schriftführer der Ortsgruppe: "Eisenbahnvereine und Museumsbahnen erhalten und bewahren neben historisch bedeutsamen Lokomotiven und Waggons auch Gebäude entlang der teils eigenen Strecken. Im Gegensatz zu regulären Eisenbahnunternehmen, welche täglich Millionen von Reisenden und Tonnen von Gütern sicher durch Deutschland und über die Grenzen befördern, können diese auch eine Nachwuchsarbeit für Kinder und Jugendliche anbieten. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangel im Bereich des Eisenbahnverkehrs, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird kann in diesen Vereinen der Grundstein für erfahrene und motivierte Nachwuchs-Eisenbahner gelegt werden."

Museumsbahnen haben jedoch das Problem, dass sie im Rahmen der für alle Eisenbahnen geltenden Rechtsnormen nicht nur bürokratische Hürden zu nehmen haben, sondern auch die Erhaltung und Reparatur ihrer Anlagen und Fahrzeuge aus den Eintrittsgeldern und Fahrkarteneinnahmen stemmen müssen. Rehn: "Lokomotiven und Waggons müssen alle sechs Jahre einer Hauptuntersuchung zugeführt werden, die schnell einige hunderttausend Euro kosten kann. Ein echtes Problem, besonders für kleine Vereine."

Bei dem neuen Förderprogramm des Landes NRW handelt es sich um die Gewährung von Zuwendungen, die für „Maßnahmen zur nachhaltigen Bewahrung, Instandsetzung und Präsentation“ verwendet werden sollen. Damit trifft die NRW-Landesregierung erstmals genau dort ins Schwarze, wo die Besitzer und Betreiber von historischen Objekten bisher eine große Lücke empfanden: Es geht hierbei nicht um eine finanzielle Unterstützung zur Neuanschaffung von historischen Kulturgütern, sondern um deren Erhaltung.

Die GDLer aus Bebra halten die Maßnahme aus NRW daher auch für einen klugen Baustein zum Erreichen der Klimaschutzziele und einer nachhaltigen Verlagerung von Verkehrs- und Transportmengen von der Straße auf die Schiene. Rehn: "Neben einem Ausbau von Infrastruktur und der Anschaffung neuer und zusätzlicher Züge braucht man auch in den nächsten Jahrzehnten Personal. Gleich ob Lokomotivführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter, Servicemitarbeiter, Werkstatt- und Instandhaltungspersonale und viele andere Berufsgruppen mehr: Durch die Begeisterung für alte Technik kann man bereits bei Kindern und Jugendlichen einen wichtigen Grundstein für das Gelingen dieser Ziele legen. Die Finanzmittel des Förderprogramm helfen den Vereinen dabei ihre Loks und Wagen zu unter- und teilweise auch betriebsfähig zu halten. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist es wichtig auch Erfolgserlebnisse zu vermitteln und deren Arbeit zu unterstützen."

Auch in Hessen gibt es zahlreiche Eisenbahnvereine und Museumsbahnen, welche teilweise komplett unterschiedliche Ansätze verfolgen. Allen gemeinsam ist jedoch die Begeisterung Ehrenamtlicher und Interessierter für das System Schiene in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Mit einem Programm nach Vorbild des Landes NRW kann daher also auch in Hessen einiges erreicht werden, denn die Besucherinnen und Besucher der Museen und Eisenbahnvereine sorgen für Umsatz bei diesen und in der Regel für eine Belebung von Gastronomie und Wirtschaft - teils und besonders auch in ländlichen Gebieten, abseits der Ballungsräume.

Rehn abschließend: "Jeder Euro, den man in dieses System investiert kommt mindestens einmal, wenn nicht sogar mehrfach zurück. Hessen braucht als Transitland mit großflächiger Konzentration von Arbeitsplätzen und Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet ein leistungsfähiges Eisenbahnsystem im Personen- wie Güterverkehr. Die Bürgerinnen und Bürger sprechen sich zudem immer wieder dafür aus, dass die Straßen vom Güterverkehr entlastet und die Bahn als Verkehrsmittel an sich zuverlässiger werden muss. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich die politischen Entscheidungsträger der Sorgen und Nöte historischer und moderner Eisenbahnen annehmen um einen Verkehrsinfarkt abzuwenden."

Pressemeldung GDL Bebra

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