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Mittwoch, 20 November 2019 11:41

Hessen: Kritik an Planung der Neubaustrecke Gelnhausen - Fulda

Die Bahn hat vor einem Jahr (November 2018) ihre "neueste" Vorzugstrasse vorgelegt - nun zw. Steinau und Schlüchtern quer hindurch, und quer weiter (nach Kalbach). Zuvor, im Juni 2018, hatte die Bahn ihren "Vorzug" bis zu mehrere Kilometer entfernt: gebündelt entlang der A 66. Auf Basis der Juni-Linie hatten wir im August 2018 bereits den Behörden (Regierungspräsidien, Landräte, Kommunen) eine durchgehende Verbesserung vorgelegt ("Kombi-Lösung").

Sie enthält deren seinerzeitigen (Juni-)Vorzug, sofern gebündelt - dort wo alle Aspekte nach unseren strengen Überprüfungen akzeptabel sind. Wo der Juni-Vorzug aus Naturschutz- oder verkehrlich-betrieblicher Sicht inakzeptabel ist, wur-den akzeptable Lösungen entwickelt, insgesamt eine durchgehende Trasse (daher der Name "Kombi-Lösung").

Die Kombi-Lösung verläuft im Abschnitt Schlüchtern - Steinau für über 20.000 Menschen mit Abstand am besten gebündelt mit vorhandenen Lärmquellen bzw. vorh. Zerschneidungen. Von den Hauptorten Steinau und Schlüchtern ist die Trasse nicht zu sehen, weil dort Einschnitts- oder Tunnel-Lage, oder verborgen hinter aufwachsendem Wald (nahe der A 66). Ein neues Lärmband entsteht nicht. Der Baustellen-Verkehr läuft komplett über die Autobahn.

Die von der Bahn momentan vorgelegte vor und hinter Schlüchtern quer laufende Trasse, die somit neu zerschneidet und neu verlärmt, ist aus Sicht der Aufsichts- u. Genehmigungsbehörden (Regierungspräsidien und Eisenbahn-Bundes-amt (EBA)) sehr kritisch durch die Verschwenkung Richtung Kalbach. Der Abschwenk Kalbach ist für den Menschen lebensgefährlich:

1. Züge müssten bei Kalbach mit 200 km/h in eine kleine Lücke zwischen zwei Tunnelwänden (in die bestehende Nord-Süd-Strecke) einschwenken. Die physikalische Seitwärts-Schwenkung bei der Einfahrt mit 200 km/h bringt ein stetes Risiko auf der dortigen Weiche. Entgleisungen an Weichen kommen vor, nahebei übrigens auch - durch Schafe, seiner-zeit jedoch physikalisch unproblematisch, weil geradeaus geschehen. Das Sekunden entfernte Tunnelportal Kalbach er-laubt jedoch kein Bremsen mehr. Dafür bräuchte es weit über 1.000 m Bremsstrecke. Die Folge ist das Zerschmettern wie 1998 bei Eschede (dort an Brückenpfeilern, hier am Tunnelportal). Der Bahn-Vorstand hatte seinerzeit untersagt zukünftig solche Konstruktionen zu tätigen.

Bei Autos und Flugzegen sind derlei Risiken vor Betonhindernissen seit Jahrzehnten unzulässig (auf Autobahnen können nirgendwo mehr Autos aufprallen, bei Flugzeugen sind Hindernisse im Einflugbereich untersagt). Das EBA) hat bisher kein Verbot erlassen, wohl weil dieser physikalische Fall vor Tunnelportalen planerisch bislang nie auftrat. EBA-gesetzlich sind jedoch alle Baumassnahmen/Hindernisse unzulässig "die die Sicherheit des Bahnverkehrs gefährden". Als verant-wortliche Aufsichtsbehörde beschäftigt es sich aktuell bereits mit diesem Problem.

2. die Einschwenk-Stelle ist ein für Rettungskräfte unzulässig spät erreichbarer Punkt zwischen den längsten deutschen Eisenbahn-Tunneln; Züge müssten/würden dort beim Unfall im Tunnel oder auf Brücke stehen.

Es kann sein dass die Regierungspräsidien bzw. das EBA die Bahn dazu zwingen von dem Quer-Schwenk Kalbach Abstand zu nehmen, also - wie früher vorgesehen - gebündelt entlang der bestehenden Verkehrswege weiter nach
Fulda. Dies wäre dann die Kombi-Lösung. Der Bhf. Neuhof würde im Fall der "Kombi-Lösung" tief untertunnelt, gleis-geometrisch wie Offenburg. Durch Neuhof würde nachts kein Zug mehr lärmen (wie bei Offenburg nur unten durch).

Die Bahn wiegelt hier ab - aus gutem Grund, denn sonst wäre "quer" schon längst tot. Es liegt in der Natur mancher Ingenieure, Politiker und (naher) Bürgerinitiativen ein lästiges Problem zunächst zu ignorieren - bis dann Aufsichts-behörden oder Gerichte sprechen - wie im Fall der Deutschen Maut.

Wir erwarten die vollständige und gleichwertige Prüfung der Kombi-Lösung.

Pressemeldung  Dipl. Ing. Ingmar Gorissen anlässlich einer Bürgerversammlung in Schlüchtern am Donnerstag 19 Uhr

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