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Mittwoch, 20 November 2019 19:56

Sachsen: Fahrgastverband PRO BAHN fordert Erhalt der Herrnhuter Bahn

Am 04.11.2019 wurde bekanntgegeben, dass die Planfeststellung für den Rückbau des zur Eisenbahn-linie Löbau –Zittau gehörigen Streckenabschnitts Oberoderwitz –Niedercunnersdorf beginnen kann. Der Kreis Görlitz plant, auf der Trasse eine Radverkehrsanlage zu errichten. Mit dem Gleisrückbau wäre eine Reaktivierung der "Herrnhuter Bahn" für den Schienenverkehr gestorben. Der Fahrgastverband PRO BAHN appelliert an die Landespolitik, hier gegenzusteuern.

Der Beschluss des Kreistags über den Erwerb der Bahnstrecke Oberoderwitz Niedercunnersdorf zur Errichtung eines Radwegs auf der Bahntrasse erscheint angesichts aktueller Bestrebungen der Bundes - wie auch der sächsischen Landespolitik fragwürdig.

"In den vergangenen Monaten und besonders während des Wahlkampfes konnten wir vernehmen, dass den Parteien und der sächsischen Landespolitik die Stärkung des Verkehrsträgers Schiene am Herzen liegt aus Klimaschutzgründen, aber auch hinsichtlich einer besseren Erreichbarkeit des ländlichen Raums mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist verwunderlich, dass der Freistaat Sachsen dennoch die Entscheidung über den Abriss von Bahnstrecken weiterhin komplett den Landkreisen überlässt", kommentiert Anja Schmotz, stellvertretende Vorsitzende des Fahrgastverbands PRO BAHN Mitteldeutschland. "Eine Landesstrategie für die Revitalisierung von Bahnstrecken ist nicht erkennbar dies sollte sich dringend ändern", fordert Schmotz.

Der Verein Pro Herrnhuter Bahn setzt sich seit geraumer Zeit für den Erhalt der Bahn ein und hat ein Stufenkonzept entwickelt, das von der Übernahme der Infrastruktur über die Nutzbarmachung für den touristischen Gelegenheitsverkehr bis zur mittelfristigen Ertüchtigung der Strecke für den SPNV reicht. Der Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland unterstützt dieses Konzept mit Nachdruck und for-dert den Freistaat Sachsen auf, den Erhalt und die Reaktivierung der Linie zu sichern.

Die Reaktivierung der Bahnlinie Löbau –Zittau würde einige gewichtige Vorteile bringen: So trägt die Bahnstrecke Löbau-Zittau zur Wiederherstellung einer leistungsfähigen direkten Verbindung zwischen Bautzen, Löbau und Zittau bei, wobei zusätzlich rund 8.400 über die Strecke erschlossene Einwohner eine Verbindung in die umgebenden Mittelzentren sowie in die Metropolregionen Dresden und Liberec erhielten. Die touristischen Reiseziele in der Oberlausitz, maßgeblich Herrnhut sowie der UN-ESCO-Denkmalort Obercunnersdorf mit seinen einzigartigen Umgebindehäuserensemble, können so wieder ohne PKW gut erreicht werden. Nicht zuletzt kann die Bahnlinie als Umleitungsstrecke für Verkehre entlang der Relation Berlin–Görlitz–Zittau–Liberec genutzt werden, sodass bei Unwetterschäden oder Baumaßnahmen alternative Fahrwege existieren.

Der Erhalt der Strecke steht keinesfalls im Widerspruch zu der vom Landkreis Görlitz beabsichtigten Stärkung des Radverkehrs. So erläutert Moritz Filter, Mitglied der PRO-BAHN-Regionalgruppe Ostsachsen: "Entlang der Strecke verlaufen bereits parallele Radwege, die sich für den touristischen Verkehr und im Alltag nutzen lassen. Regelmäßige Bahnverbindungen würden die Attraktivität des bestehen-den Radnetzes sogar weiter verbessern, wenn sie die Fahrradmitnahme erlauben. Man muss nicht zwei umweltfreundliche Verkehrsmittel gegeneinander ausspielen, sondern sollte sie sinnvoll miteinander kombinieren."

Einwendungen gegen das Verfahren können bis 17.12.2019 bei der Landesdirektion eingereicht werden.

Pressemeldung Pro Bahn Mitteldeutschland

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