english

Freitag, 22 November 2019 12:00

Bayern: Baufeld für Zugang zum Zugangsbauwerk zweite Stammstrecke am Hauptbahnhof in München freigelegt

dscn7295dscn7347

Wo sich bis vor kurzem die Schalterhalle befand, gähnt jetzt eine Baugrube. Wo die Baufahrzeuge stehen, wird der Nukleus in die Tiefe wachsen. Hinter der weißen Mauer beginnt jetzt der Hallenteil des Münchner Hbf.

Das Baufeld für die Errichtung des Zugangsbauwerks zur zweiten Stammstrecke in München ist vollständig freigelegt. Die Gebäude des Münchner Hauptbahnhofs sind - soweit für diesen ersten Bauschritt erforderlich - abgerissen, so dass mit der Errichtung des unterirdischen Zugangsbauwerks zum Haltepunkt Hauptbahnhof der neuen Tunnelstrecke begonnen werden kann.

dscn7364

Dieselbe Mauer von der anderen Seite: Hier ging es einst zur Schalterhalle.

Hauptbestandteil dieser abgerissenen Bauten war der Bahnhofsneubau von 1960. Von der einst 174 m langen Fassade stehen nur noch die nördliche und südliche Ecke.

Die zweite Stammstrecke wird fast mittig - ungefähr unter den Gleisen 16 bis 18 - unter dem Münchner Hauptbahnhof durchgeführt. Der Haltepunkt wird sich unterhalb der Gleise des Hauptbahnhofs befinden. Das Zugangsbauwerk - der Nukleus - wird dort errichtet, wo sich bislang die Schalterhalle befand. Der Nukleus wird ca. 40 Meter in die Tiefe reichen und zugleich eine Zugangsmöglichkeit für die geplante U 9 berücksichtigen. Für den Bau wird zunächst ein 42 Meter breiter Schacht ausgehoben.

Erst in einem zweiten Schritt wird das neue Bahnhofsgebäude errichtet. Dazu werden dann auch die jetzt noch verbliebenen Gebäudeteile entlang der Bayer- und der Arnulfstraße abgerissen.

Mit dem Bahnhofsgebäude ist auch die Schalterhalle und damit die letzten Reste des ursprünglichen Bürkleinschen Bahnhofs verschwunden. Dieser zweite Münchner Bahnhof war ab 1847 errichtet worden. Er bestand zunächst aus einem zentralen Zugangsgebäude, das später erweitert wurde, und einer Bahnsteighalle mit fünf Gleisen. Bekanntheit erlangte das Bauwerk durch die hölzernen Träger des Hallendachs, ein zentrales Uhrwerk, das zahlreiche Zifferblätter steuerte und die Beleuchtung mittels Gas. Bereits 1876 begann man westlich dieses Bahnhofs mit der Errichtung von vier neuen, gewaltigen Hallen. Die alte Bahnsteighalle nutzte man - um die Hälfte gekürzt - als Schalterhalle und Zugang zu den neuen Gleisen weiter. Mehreren schweren Luftangriffen fielen 1944 die meisten neuen wie alten Gebäude zum Opfer.

Obwohl nach heutigen Maßstäben nicht unrettbar verloren, entschied man sich, Bürkleins Empfangsbäude abzureissen und ein neues Gebäude zu errichten. Die nach Kriegsende notdürftig überdachte Schalterhalle integrierte man dagegen in das neue Bauwerk. Erhalten blieben insbesondere die aus Backstein gemauerten Seitenwände der ursprünglichen Bahnhofshalle – allerdings verborgen hinter einer steinernen Wandverkleidung. Nur an wenigen Stellen war das originale Mauerwerk noch erkennbar. Ausgerechnet im Zugangsbereich zum berüchtigten Aki – es sicherte sich sein Überleben zuletzt mit Non stop-Pornofilmen – waren noch Andeutungen gemauerter Bögen sichtbar.

Das alles ist nun Vergangenheit. Mit der Baufeldfreimachung ist nicht nur eine Schalterhalle, sondern auch der letzte Rest eines einst gefeierten Bauwerks verschwunden.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zurück