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Freitag, 13 Dezember 2019 11:10

Rheinland-Pfalz: Offener Brief zur Reaktivierung der Eifelquerbahn

In einem Offenen Brief an die Mitglieder des Kreistags Vulkaneifel zur anstehenden Beratung und Abstimmung über den Antrag zur Eifelquerbahn am kommenden Montag hat sich der Verein Eifelquerbahn e.V. für den Erhalt dieser Strecke eingesetzt.

Das Jahr 2019 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Es war ein Jahr, das für uns mit einer überraschenden Nachricht begann. Mit der Veröffentlichung der Ausschreibung zur Abgabe der Eifelquerbahninfrastruktur durch die DB Netz AG und Vulkan-Eifel-Bahn eröffnete sich die Chance, dass sich erstmals seit dem Ende der touristischen Verkehre interessierte Bahnunternehmen um die Übernahme dieser netzverbindenden Infrastruktur bewerben konnten.

Diese Entwicklung nahmen wir zum Anlass, um Ende Februar die nötigen Schritte zur Gründung des Eifelquerbahn e. V. in die Wege zu leiten. Innerhalb von nur 2 Wochen waren die nötigen Vorbereitungen abgeschlossen und so gingen wir Mitte März mit unseren Plänen an die Öffentlichkeit: Unser Ziel, die Gründung eines Vereins, der einen möglichen neuen Betreiber ehrenamtlich beim Unterhalt der Eifelquerbahn unterstützt. Mit der Gründungsversammlung Mitte April in Kaisersesch konnte dann die Arbeit endlich offiziell aufgenommen werden.

Die Entscheidung des Kreistages sich, entgegen der bisherigen Reaktivierungsabsichten, noch während des laufenden Ausschreibungsverfahrens für eine bahnfremde Nutzung der Eifelquerbahn auszusprechen, mag der damaligen Faktenlage zuzuschreiben sein.

Inzwischen muss die Faktenlage allerdings grundlegend neu bewertet werden:

• Erstmals seit Bekanntgabe der veranschlagten Kosten vor gut 7 Jahren liegen die verschiedenen Gutachten und Untersuchungen für jeden Interessierten öffentlich zugänglich vor. Anhand dieser Unterlagen lässt sich heute nachvollziehen, an welchen Schrauben seinerzeit gedreht wurde, um die Kosten deutlich in die Höhe zu treiben.

• Ähnlich ist das TÜV-Gutachten zur Kyllbrücke in Pelm einzuordnen. Sie ist konstruktionsbedingt für eine Geschwindigkeit von 30 km/h ausgelegt, und so wurde sie in den Jahrzehnten seit ihrer Errichtung kurz nach dem Krieg auch genutzt. Der TÜV sollte dennoch auf eine Befahrbarkeit mit 60 km/h testen lassen, was natürlich weitaus höhere technische Standards erfordert und damit erhebliche Zusatzkosten verursacht.

⦁ Neuerdings besteht die Möglichkeit, für eine Reaktivierung der Eifelquerbahn auf Bundesmittel zurückzugreifen. Im Rahmen der Klimadiskussion hat das Bundeskabinett eine Reform des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes auf den Weg gebracht. So werden neben Neu- und Ausbauprojekten mit der Novelle auch Reaktivierungsprojekte gefördert. Die Förderung des Straßenbaus und Bus basierter ÖPNV Maßnahmen wurden komplett gestrichen, im Gegenzug wurde die Förderung des SPNV deutlich ausgebaut:
- Förderung von Reaktivierungsprojekten ab einen Volumen von 10 Mio. € mit bis zu 90 Prozent der Kosten durch den Bund
- Kosten, die im Rahmen des nötigen Grunderwerbs stehen, werden durch den Bund ebenfalls mit bis zu 90 Prozent gefördert
- Übernahme der Planungskosten in Höhe von 10 Prozent, bezogen auf die Bau- und Grunderwerbskosten des Reaktivierungsvorhabens
- Einzelne Kriterien können im Rahmen des Nachweises zur Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens stärker gewertet werden, wie z.B. der Aspekt der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum

⦁ Deutliche Aufstockung der Regionalisierungsmittel, aus welchen die Länder die Bestellung des öffentlichen Personennahverkehrs finanzieren können. Dabei sind die zusätzlichen Mittel vorrangig für den Schienenpersonennahverkehr zu verwenden.

Es ergibt sich nun die Chance, die bereits im Jahr 2004 durch den Zweckverband SPNV Nord beschlossene Reaktivierung der Eifelquerbahn von Kaisersesch nach Ulmen bzw. die im Jahr 2009 beschlossene Gesamtreaktivierung bis Gerolstein endlich umzusetzen. Dieser Beschluss hat auch noch heute Bestand und wurde nicht durch den Zweckverband zurückgenommen.

Lassen Sie uns, entsprechend der Resolution vom Oktober 2017, gemeinsam dafür Sorge tragen, die

• „vorhandene Schieneninfrastruktur der Eifelquerbahn keinesfalls dem Verfall zu überlassen“,
• „den Menschen in der Eifel Mobilität durch die Reaktivierung der Eifelquerbahn zu ermöglichen“ und den
• „Großraum Eifel nicht in weiten Teilen vom Schienenverkehr ‚abgehangen‘ bleiben“ lassen.

Trotz extrem niedriger Baupreise sagen die Prognosen für die weitere Bevölkerungsentwicklung des Landkreises Vulkaneifel in den nächsten 20 Jahren einen Rückgang von mehr als 9 Prozent voraus. Gerade für junge Menschen unter 40 Jahren, die es in der Region zu halten gilt, ist ein gutes ÖPNV- Angebot ein ausschlaggebender Faktor für die Wohnortwahl. Wer in der Eifel wohnt und in den großen Zentren arbeitet, braucht ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Ein „Ja“ zum Eifelquerbahn-Antrag ist damit auch ein „Ja“ zur Region Vulkaneifel und zur Stärkung des ländlichen Raums.

Quelle Eifelquerbahn e.V.

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