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Donnerstag, 02 April 2020 16:27

Hamburg: Damit Diebsteich funktioniert, halten Fernzüge nicht mehr am Bahnhof Dammtor

Senat, Deutsche Bahn und der VCD loben das Testat des „unabhängigen“ Eisenbahnconsulting Büros SMA: Nun sei ein Nachweis für die Leistungsfähigkeit des geplanten Bahnhofs Diebsteich erbracht. Danach soll er bis zu 31 Züge in der Spitzenstunde abfertigen können. Dafür muss DB Netz dort 18 Weichen (doppelt so viele wie bisher geplant) und ein paar Signale mehr einbauen.

Dieses „Testat“ mit einem äußerst dürftigen Ergebnis ist Grundlage dafür, dass der VCD seine erfolgversprechende Klage vor dem OVG zurückzieht.

Prellbock hat sich dieses „Testat“ näher angeguckt und folgendes festgestellt:

• Der Öffentlichkeit wird nur eine Kurzfassung vorgestellt. Die Langfassung wird leider nicht zugänglich gemacht. Gibt es da etwas zu verbergen? Prellbock fordert die Veröffentlichung des vollen Gutachtens.

• Das Testat bestätigt im Prinzip nur, dass die DB ihre eigenen Modelle richtig angewendet hat. Es ist keine neutrale Überprüfung des Projektes Diebsteich.

• Die Untersuchung findet nur auf der Basis von Modellannahmen statt, es erfolgt keine Simulation des künftigen Bahnbetriebes in Echtzeit einschließlich der bahnüblichen Verspätungen, was heute eigentlich Stand der Wissenschaft ist.

• Der Gutachter SMA hat nur eine sehr eingeschränkte Untersuchung vorgenommen, das entwertet das Ergebnis. So heißt es: „Die Testierung der Leistungsfähigkeit dies Gesamtknotens Hamburg, u.a. mit Hamburg Hauptbahnhof ist damit ausdrücklich nicht Bestandteil der Untersuchung“. Dies bestätigt in vollem Umfang die Kritik von Prellbock, dass der Kopfbahnhof Altona eine ganz wesentliche Pufferfunktion für das Funktionieren des Hauptbahnhofs, insbesondere bei Verspätungen, hat.

• Ferner stellt SMA fest: „Auch ein möglicher Zustand mit einer umfassenden Leistungssteigerung im Knoten Hamburg (u.a. beispielsweise mit viergleisiger Verbindungsbahn) ist nicht Gegenstand der Untersuchung“. Damit sagt SMA nichts anderes, als dass der Vorschlag des Parlamentarischen Staatssekretärs Ferlemann zum Ausbau der Verbindungsbahn mit den gegenwärtigen Planungen des Bahnhofs Diebsteich nicht umsetzbar ist. Dies bestätigt die Kritik von Prellbock, dass der Bahnhof Diebsteich eine unzureichende Leistungsfähigkeit hat und damit nicht zukunftsfähig ist.Beim geplanten Deutschlandtakt (Halbstundentakt) müsste der Bahnhof in der Spitzenstunde mehr als 40 Züge abfertigen können.

• Ebenso eindeutig ist die einschränkende Aussage von SMA dass „die Kapazitäten der Zulaufstrecken (Altona – Elmshorn; Altona - Hamburg Hbf.) bekanntermaßen (vgl. Deutschlandtakt) für diese Zugzahlen ungenügend sind, warum sich die Aussage zur ausreichenden Leistungsfähigkeit nur auf den Bahnhof Altona (gemeint ist Diebsteich) selbst und die die unmittelbar davor und danach liegenden Streckenabschnitte bezieht“. Damit entwertet SMA selbst das von ihnen ausgestellte „Testat“. Die ist im Prinzip eine weitere Bestätigung der Kritik von Prellbock an dem Bahnhofsprojekt.

• Der Offenbarungseid des Gutachtens wird zwischen den Zeilen versteckt: „Der Bahnhof Hamburg Hbf. und die Verbindungsbahn sind aktuell als überlastet erklärte Schienenwege. Der Entfall des Halts in Dammtor bei vielen Linien ist zweckmäßig, um überhaupt eine Belastung von 31 Zügen in Altona modellieren zu können“.

Das heißt im Klartext nichts anderes: Dammtor muss zum Regionalbahnhof herabgestuft werden, damit Diebsteich überhaupt funktionieren kann. IC und ICE-Züge werden künftig nicht mehr am Dammtor halten!

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona: „Eine bessere Bestätigung unserer Kritik an dem Diebsteich-Projekt kann es gar nicht geben. Der Senat opfert hiermit den Messe- und Kongressbahnhof Dammtor – obwohl er gerade für hunderte von Millionen Euro hat das CCH modernisieren lassen -, nur um ein sinnentleertes Prestigeprojekt Diebsteich im Interesse von Immobilienspekulanten durchzusetzen. Die Interessen von Fahrgästen und Bürgern der betroffenen Stadtteile bleiben auf der Strecke. Diebsteich ist ein Beitrag dazu, die Verkehrswende zu verhindern.“

Prellbock fordert daher das Gutachten in vollem Umfang zu veröffentlichen. Ferner muss es ein Moratorium für alle in Hamburg geplanten und angekündigten Schienenverkehrsprojekte geben, bis diese in planerischer und finanzieller Hinsicht widerspruchsfrei koordiniert sind.

Die Bürgerinitiative Prellbock wird weiterhin dafür eintreten, dass „Unser Bahnhof Altona bleibt, wo er ist“.

Pressemeldung Bürgerinitiative Prellbock

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