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Donnerstag, 14 Mai 2020 13:43

Schleswig-Holstein: Land schreibt Akkunetz aus

Emissionsfreie Akkutriebwagen werden zukünftig in Schleswig-Holstein die Dieseltriebwagen in den nur zum Teil elektrifizierten Bahnnetzen Nord und Ost ersetzen. Jetzt entscheidet sich, wer die 55 innovativen Züge künftig einsetzt. Nachdem das Land im vergangenen Jahr die Firma Stadler mit der Lieferung und Instandhaltung der Fahrzeuge beauftragt hatte, steht nun die Auswahl der Eisenbahnverkehrsunternehmen an, die bis 2035 die Akkutriebzüge einsetzen werden.

Am 13. Mai 2020 haben Land und NAH.SH dazu den Teilnahmewettbewerb gestartet.

Die ausgeschriebenen Verkehrsleistungen umfassen 40 Prozent des Bahnverkehrs in Schleswig-Holstein und werden in drei Losen ausgeschrieben. Los Ost bezieht sich auf die Verbindungen Kiel – Preetz – Lübeck – Lüneburg plus Kiel – Schönberger Strand. Los Nord beinhaltet die Linien Flensburg – Eckernförde – Kiel sowie Bad St.Peter-Ording – Husum – Rendsburg – Kiel und Los Ost-West die Verbindung Büsum – Heide – Neumünster – Bad Oldesloe. Bisher bestehen für diese Linien Verkehrsverträge mit DB Regio und nordbahn. „Um das Vergabeverfahren auch für neue Bieter interessant zu machen, garantiert eine Loslimitierung, dass mindestens zwei verschiedene Verkehrsunternehmen einen Auftrag erhalten“, so Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz: „Bei anderen Vergabeverfahren konnte damit eine größere Zahl Bieter angesprochen werden, was zu günstigeren Preisen beigetragen hat.“

Die neuen Verträge verpflichten die Verkehrsunternehmen, kostenfreies WLAN an Stationen, in Zügen und in Kundenzentren vorzuhalten. Das zukünftige Fahrplanangebot entspricht weitgehend dem bisherigen. Sofern günstige Angebote abgegeben werden, sind Verbesserungen an den Wochenenden und im Spätverkehr geplant. Zudem soll die Strecke Kiel – Lübeck beschleunigt werden, so dass dort zukünftig zwei schnelle Züge pro Stunde verkehren, die zwischen Kiel und Preetz durch eine zusätzliche Regionalbahn mit weiteren Halten ergänzt werden. Hinzu kommen außerdem zwei Reaktivierungsprojekte: die Regionalbahn Kiel – Schönberger Strand sowie die Anbindung der Strecke nach Rendsburg-Seemühlen.

Für den Einsatz der neuen Fahrzeuge investiert das Land auch in die Stationen. So werden an 20 Stationen die Bahnsteige erneuert und auf eine Höhe von 76cm angehoben, damit dort ein höhengleicher Einstieg in die Züge möglich ist. Die meisten Bahnhöfe in Schleswig-Holstein verfügen bereits über diese Bahnsteighöhe, so dass ein Einstieg nicht nur stufenlos, sondern auch ohne Rampen möglich wird. Dies gilt sowohl für den Übergang vom Bahnsteig ins Fahrzeug als auch für den Fahrzeuginnenraum. An Stationen mit einer Bahnsteighöhe von nur 55 cm ermöglichen mobile Rampen einen barrierefreien Zugang. Um die Barrierefreiheit weiter zu erhöhen, verfügen die Akkutriebzüge über ein rollstuhlgerechtes WC, dessen Anforderungen über die einschlägige Richtlinie TSI PRM hinausgehen.
Die neuen Verkehrsverträge sollen vom Nettoprinzip auf das Bruttoprinzip umgestellt werden. Die Erlösverantwortung wird damit zukünftig beim Land liegen. Minister Dr. Buchholz: „Das ermöglicht uns als Land auch eine souveräne Gestaltung des Tarifs im Sinne eines kundenfreundlichen Nahverkehrs. Die Flexibilität insbesondere bei der Einführung immer wieder angeregter tariflicher Sondermodelle erhöht sich hiermit.“

Die Betriebsaufnahme entspricht den Laufzeiten der bisherigen Verkehrsverträge und erfolgt gestaffelt zwischen Dezember 2022 und Dezember 2023. In allen drei Losen soll jeweils im ersten Betriebsjahr eine Transferflotte von gebrauchten Dieseltriebwagen zur Verfügung stehen, die auch als Rückfallebene für etwaige ‚Kinderkrankheiten‘ der neuen Fahrzeugtechnik dient.

Hintergrund

Vor dreieinhalb Jahren hat das Land Schleswig-Holstein das Vergabeverfahren „SH-XMU“ mit dem Ziel gestartet, möglichst emissionsfreie Fahrzeuge für den Schienenverkehr zu beschaffen und gleichzeitig die Wettbewerbssituation bei Fahrzeugen und Verkehrsleistung zu verbessern.
Das Verfahren gliedert sich in vier Vergaben. In der Vergabe SH-XMU I war die Stadler Pankow GmbH im Juli 2019 als Entwickler, Hersteller und Lieferant der 55 Züge ausgewählt worden. Nachdem im April 2020 die Entscheidungen für die Paribus Holding als Finanzier und zukünftigen Eigentümer der Züge sowie für DB Regio als Bereitsteller der Transferflotte (SH-XMU II und SH-XMU III) erfolgt sind, schließt sich nun als letztes das Vergabeverfahren über die Verkehrsleistungen an (SH-XMU IV).

Pressemeldung NahSH

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