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Mittwoch, 20 Mai 2020 12:00

NRW: Die Dampfspeicherlok Nr. 5 von Ineos, Herne

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Die Dampfspeicherlok Nummer 5 des Chemiewerkes Ineos Solvents Germany GmbH in Herne wird regelmäßig (nicht immer) an Werktagen eingesetzt, um Kesselwagen zu einem mehrere hundert Meter entfernten Verladebahnhof zu bringen. Eine 240 PS blaue Henschel Diesellok steht ständig als Reserve bereit. Am Montag, dem 18. Mai schien den ganzen Tag die Sonne, ideal für einen Besuch.

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Dampfspeicherlokomotiven arbeiten mit komprimiert gespeichertem Dampf. Der Kessel, ein einfacher Druckbehälter ohne Feuerbüchse und Schlot, wird etwa zu zwei Dritteln mit heißem Wasser gefüllt. Wasser hat die Eigenschaft, große Energiemengen unter hohem Druck zu speichern. In den verbleibenden Raum wird Dampf mit hohem Druck eingespeist. Dampfspeicherloks arbeiten mit einer Wassertemperatur von über 100 Grad Celsius. Wenn Dampf verbraucht wird, entsteht durch den Druckverlust sofort eine Nachverdampfung aus dem Wasser, sodass wieder Dampf mit etwas geringerem Druck zur Verfügung steht . Nach ungefähr sechs bis acht Stunden ist der Druck so gering, dass der Kessel wieder nachgefüllt werden muss. Selbst mit einem Restdruck von nur einem bar können Dampfspeicherloks noch eine kurze Strecke fahren, sodass meist die Nachfüllstation noch erreichbar ist.

Vorteile dieser Lokomotiven sind: eine sehr einfache und kostengünstige Kesselbauart, geringe Betriebskosten, ein abgasfreier Antrieb, keine CO2-Emissionen und kein Energieverbrauch während der Stillstandzeiten.

Einsatzgebiete feuerloser Lokomotiven sind Industriebetriebe, die mit entflammbaren und explosiven Stoffen zu tun haben. Wegen der Brand- oder Explosionsgefahr dürfen dort keine Dampflokomotiven mit Feuerung fahren. Auch Werke, wo Dampf in großen Mengen als Abfallprodukt anfällt, sind optimal für den Betrieb von Dampfspeicherlokomotiven. Sie können im Kurzstreckenbetrieb Anhängelasten von über 2000 Tonnen bewegen.

Das Prinzip der feuerlosen Dampflok stammt aus den USA. Die ersten drei Loks fuhren 1873 in New Orleans und New York. Die erste feuerlose Dampflok in Deutschland wurde 1882 von Hohenzollern gebaut.

Bis in die fünfziger Jahre waren die Dampfspeicherloks in der Industrie weit verbreitet. Mitte der achtziger Jahre waren in der BRD noch etwa 70 Lokomotiven im Einsatz. In der DDR wurden im Raw Meiningen zwischen 1984 und 1988 eine Serie von 202 Dreikuppler-Dampfspeicherloks gebaut, wovon Ende 2011 noch 79 Stück in Betrieb waren.

Die dreiachsige Lok Nr. 5, Typ "Rheinbrikett" von Ineos Solvents Germany GmbH ist eine der letzten aktiven Dampfspeicherlokomotiven in Deutschland. Sie wurde 1958 bei Krupp unter der Fabriknummer 3330 gebaut und ursprünglich an die Shell AG, Hamburg geliefert für die Raffinerie Harburg-Nord in Hamburg-Harburg.

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