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Sonntag, 13 September 2020 10:32

Hamburg: Prellbock Altona zum Abschluss des Bürgerbeteiligungsverfahrens für das Diebsteichquartier

Mit viel Politprominenz (Senatoren Stapelfeld und Dressel, Oberbaudirektor, Bezirksamtsleitung, diverse Staatsräte) wurde am Freitag, den 11.9.2020, der Abschluss des Bürgerbeteiligungsverfahrens für das Diebsteichquartier gefeiert. Dabei kamen interessante Informationen zu Tage:

• Die geplante Mehrzweckmusikhalle wird nicht wie ursprünglich vorgesehen von einem Privatinvestor errichtet, sondern von der Stadt, d.h. unseren Steuergeldern. Für den Betrieb wird später ein Betreiber gesucht. Im Klartext: Privaten Investoren war angesichts der Corona-Auswirkungen ein Investment in eine Musikhalle mit 5.000 Plätzen zu groß. Jetzt soll die Stadt es richten.
Ein Betreiber kann sich über einen gut dotierten Betreiberertrag freuen.
Dabei gibt es jetzt neue Diskussionen über die Zukunft der „Hamburg Messe“. Zu viele Messehallen. Keine Auslastung.
Und in der Bürgerschaft gibt es Anträge Messehallen abzureißen, um Wohnungen zu bauen.

• Auf dem Thyssen-Schulte-Krupp-Gelände, welches die Stadt gekauft hatte, soll Baurecht für einen weiteren Hochhausturm geschaffen werden. Das macht man, um Investoren bei Laune zu halten.

• Fraglich ist, ob der Investor für die beiden Bahnhofstürme nach Corona noch große Gewinnchancen für einen Büro- und Hotelturm sieht. Vermutlich wird das nach bewährtem Hamburger Modell so laufen, dass eine städtische Institution, Behörde oder Unternehmen als Ankermieter auftritt, damit der Investor seine Rendite bekommt. So werden wieder private Verluste sozialisiert.

• Räumliche Knappheit herrscht auch am Eingangsportal zum erdachten Bahnhof (der auch für die starke Schiene zu klein ist).
Man möchte jetzt in der zum Bahnhof gehörenden Tiefgarage eine sogenannte "Kiss and Ride" - Straße errichten, um mit dem Auto zum Bahnhof gebrachte Zugreisende schnell herauslassen zu können.
Die Kosten für den Bahnhof steigen ins Unermessliche

• Fraglich ist ferner, ob die Baumallee an der Waidmannstraße erhalten bleiben kann, da diese als Hauptzufahrtsstraße für den Bahnhof zu eng ist.

• Die bestehenden Rasensportplätze sollen in Kunstrasensportplätze umgewandelt werden und näher zusammenrücken. Kunstrasenplätze sind in der Zeit von Klimawandel und fehlendem echten Stadtgrün nun ein weiterer Frevel neben dem Fällen von 50 alten (=genehmigungspflichtigen) Bäumen, die dem Bahnhofsprojekt geopfert werden sollen.

• Auf Bürgerwünsche, die bei einer ähnlichen Veranstaltung ein Jahr zuvor geäußert wurden, wurde nicht eingegangen. Warum heißt diese Farce eigentlich
„Bürgerbeteiligung“, wenn Politik und Planer ausschließlich sich selbst feiern und an den Wünschen und Bedürfnissen von Anwohnern nicht interessiert sind?

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona e.V.: „An anderen Orten in Hamburg werden nach nur 30-jähriger Nutzung z.B. das legendäre Hermes-Hochhaus ( als Kern der damals geplanten City West) abgerissen. Jetzt soll wieder gegen den Widerstand der Bürger ein Stadtteil durch Hochhausbauten aufgewertet = gentrifiziert werden. Die Hochhausbauten sind Konsequenz eines Fernbahnhofs, den an dieser Stelle keiner braucht und keiner wollte. Am Diebsteich wird bezahlbarer Wohn- und Gewerberaum benötigt, sowie eine moderne zukunftsfähige S-Bahn-Station, die die geplante Verbesserung des S- Bahnangebots im Hamburger Westen - S3, S3-Expresslinie, S21, S4 West und S32 nach Osdorf sowie eine S-Bahn über die Güterumgehungsbahn - aufnehmen kann.“

Wir erwarten von der Hamburger Politik, dass sie konstruktiv auf die Vorschläge der Bürger am Diebsteich eingeht und dass auf Hamburger Stadtgebiet keine neuen Prestigeprojekte zu Lasten des Steuerzahlers gebaut werden.
Oberstes Ziel muss eine sozial verträgliche Stadtteilentwicklung sein und nicht ein Nachgeben gegenüber dem Diktat von Immobilienspekulanten.

Pressemeldung Prellbock Altona

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