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Dienstag, 13 Oktober 2020 13:31

Deutschland/Österreich: Gemeinsame Neu-Ausschreibung über 504 Tram-Trains zu über 4 Mrd. EUR

Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH (VBK), Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG), Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (ZV RSBNA), SFBW Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Wuerttemberg (AöR), Saarbahn Netz GmbH (Saarbahn Netz), Schiene OÖ GmbH (Schiene OÖ) und das Land Salzburg, vertreten durch das Amt der Salzburger Landesregierung haben im Amtsblatt der Europäischen Union die Entwicklung, Fertigung, Lieferung, Inbetriebnahme und Zulassung von Tram-Train-Fahrzeugen mit Instandhaltung über den gesamten Lebenszyklus ausgeschrieben (2020/S 199-481842).

Bei dem Projekt handelt es sich um die umfangreichste Beschaffung von Tram-Train-Fahrzeugen seit Jahren. Zur Vorbereitung haben sich die Auftraggeber bereits im Juli 2017 zu einer Kooperation zusammengeschlossen und – mit Unterstützung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV) – ein gemeinsames Fahrzeuglastenheft entwickelt. Auf Grundlage dieses Fahrzeuglastenheftes beabsichtigen die Auftraggeber, insgesamt bis zu 504 Tram-Train-Fahrzeuge (voraussichtlich 246 als Festbestellungen und bis zu 258 über Nachbestelloptionen) zu beschaffen.

Eine frühere Ausschreibung vom August (2020/S 199-482148) musste zurückgezogen werden, da die Termine zur Abgabe erster Angebote bzw. Teilnahmeanträge (07.09.2020) sowie die geplante Aufforderung zur Angebotsabgabe (21.09.2020) bereits überschritten sind, vermutlich ohne genug/qualifizierte Angebote bzw. Teilnahmeanträge erhalten zu haben. Deshalb gibt es jetzt jetzt eine neue Ausschreibung mit neuen Terminen, die aber wieder kurzfristig formuliert sind.

Gegenstand der Ausschreibung ist die Entwicklung, Fertigung, Lieferung, Inbetriebnahme und Zulassung einer gemeinsamen Fahrzeug-Familie auf einer einheitlichen Tram-Train-Fahrzeugplattform (Tram-Train- Standardkonstruktion) mit jeweils betreiberspezifischen Varianten für alle Kooperationspartner sowie die Instandhaltung über die ganze Lebensdauer. Jeder Auftraggeber schließt gesonderte Verträge mit dem Hersteller und haftet nur für die ihn vertraglich betreffenden Verbindlichkeiten.

Ziel der Ausschreibung ist es, eine möglichst wirtschaftliche Beschaffung und Betriebsführung der Fahrzeuge unter Beachtung ihres Lebenszyklus und ihrer Fahrgastfreundlichkeit sicherzustellen, Skaleneffekte zu heben sowie bei Ersatzteilen und Instandhaltung aus technischen und wirtschaftlichen Gründen zu kooperieren und Rückfalllösungen vorzuhalten. Durch die gebündelte Beschaffung einerseits und die Langfristigkeit der Instandhaltungsverträge andererseits sollen Kosten reduziert und die Ersatzteilversorgung und Funktion der Fahrzeuge dauerhaft gesichert werden.

Fahrzeugliefer- und Instandhaltungsvertrag stellen eine Einheit dar. Mit der Beauftragung von Lieferung und Instandhaltung aus einer Hand sollen der Werterhalt, die Verfügbarkeit und die Sicherheit der Fahrzeuge über deren gesamte Lebensdauer unter Nutzung der Fachkompetenz des Herstellers sichergestellt werden. Der Hersteller übernimmt für diese Zwecke einheitliche und umfassende Pflichten, so dass keine Lücken oder Schnittstellen zwischen den einzelnen Leistungen der Fahrzeuglieferung und -instandhaltung verbleiben und die Fahrzeuge für die Vertragsdauer in der vereinbarten Qualität für den Betrieb zur Verfügung stehen.

Der Hersteller wird für die Instandhaltung die Auftraggeber oder von diesen vorzugebende Unternehmen als Subunternehmer einsetzen. Dabei trägt der Hersteller insbesondere die Verantwortung dafür, dass die Werkzeuge und Ersatzteile verfügbar sind und dass der Subunternehmer für die Arbeiten nur die vom Hersteller angegebene Zeit und Anzahl der Mitarbeiter benötigt.

Um Skalen- und Synergieeffekte zu heben, haben alle Tram-Train-Fahrzeuge soweit zweckmäßig übereinstimmende Anforderungen im Fahrzeuglastenheft. Dennoch unterscheiden sich die Fahrzeuge von Auftraggeber zu Auftraggeber in der Variante und in ihrer Ausstattung. AVG und ZV RSBNA beschaffen die Fahrzeuge über die SFBW. Die SFBW tritt in diesen Fällen daher als Auftraggeber für die Fahrzeugbeschaffung auf.

Der ZV RSBNA und das Land Salzburg behalten sich vor, während des Vergabeverfahrens jeweils an ihrer Stelle eine allein oder mit anderen juristischen Personen öffentlichen Rechts zu 100 % beherrschte Tochtergesellschaft als Auftraggeber und/oder als Subunternehmer einzusetzen oder (dies gilt auch für die SFBW) nach Zuschlag geschlossene Verträge auf diese überzuleiten. Die Einzelheiten sind den Vergabeunterlagen zu entnehmen.

Der geschätzte Wert ohne MwSt. beträgt 4,06 Mrd. EUR.

Die Auftraggeber werden alle geeigneten Bewerber zur Abgabe indikativer Angebote auffordern. Die geplante Mindestzahl beträgt 3 Bewerber.

Die Auftraggeber haben voraussichtlich die Möglichkeit, Fahrzeuge in mehreren Tranchen nachzubestellen:

1. VBK: 73 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 57 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen,

2. SFBW: insgesamt 105 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 130 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen:
a) Fahrzeuge für die AVG: 75 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 43 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen und 30 Fahrzeuge als Nachbestelloptionen für den ZV RSNBA,
b) Fahrzeuge für den ZV RSBNA: 30 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 57 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen.

3. Saarbahn Netz: 28 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 21 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen,

4. Schiene OÖ: 20 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 50 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen,

5. Land Salzburg: 20 Fahrzeuge als Festbestellung, bis zu 5 Fahrzeuge über Nachbestelloptionen.

Die Auftraggeber können jeweils die Laufzeit des Instandhaltungsvertrages von 16 Jahren zweimal um jeweils 8 Jahre verlängern.

LR, Quelle EU-Amtsblatt

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Letzte Änderung am Dienstag, 13 Oktober 2020 14:49