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Freitag, 13 November 2020 14:18

Baden-Württemberg: Auftakt für das Bahnprojekt Mannheim–Karlsruhe

Auftakt für eine europäische Hauptschlagader: Vertreter des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau von Rheinland-Pfalz, der Regionen sowie der Städte Karlsruhe und Mannheim und der Deutschen Bahn haben dem Neu-.und Ausbauprojekt Mannheim–Karlsruhe (NBS/ABS) im Rahmen einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend den offiziellen Startschuss gegeben.

Und das Interesse war groß: Über 500 Personen waren der öffentlichen Einladung zur Veranstaltung gefolgt, die aufgrund der Corona-Pandemie online stattfand.

Das Bahnprojekt NBS/ABS Mannheim–Karlsruhe wird eine wichtige Verkehrsachse in Europa stärken und die Lücke zwischen den Projekten im nördlichen und südlichen Zulauf schließen: Frankfurt-Mannheim und Karlsruhe-Basel. Damit schafft die DB gemeinsam mit allen Beteiligten notwendige Kapazitäten für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft. Erster Meilenstein ist im Rahmen der Planung die Einreichung der Unterlagen zum Raumordnungsverfahren im Jahr 2023.

Viele Fragen der Bürgerinnen und Bürger wurden direkt im Chat beantwortet. Noch offene Punkte werden in den kommenden Wochen auf der Website des Bahnprojekts (www.mannheim-karlsruhe.de) thematisiert.

Hintergründe zum Bahnprojekt NBS/ABS Mannheim–Karlsruhe

Das Vorhaben ist Bestandteil des Bundesschienenwegeausbaugesetzes, um zwischen den beiden badischen Metropolen den Lückenschluss für mehr Kapazität im Bahnverkehr auf der Strecke Frankfurt–Basel zu schaffen. Die Planungen umfassen den durchgehenden Raum von Mannheim-Waldhof im Norden über die gesamte Rheinebene bis nach Karlsruhe im Süden. In einem nächsten Schritt sollen hier mögliche Streckenführungen ausfindig gemacht werden. Dieses Verfahren wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Die Auftaktveranstaltung war zugleich Startschuss für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung im Bahnprojekt Mannheim–Karlsruhe. Ein Dialogforum wird hier in den kommenden Jahren die weitere Planung begleiten. Teilnehmer sind neben der Deutschen Bahn zahlreiche am Projekt beteiligte Organisationen und Institutionen wie etwa die Verkehrsministerien von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Landkreise, Städte, Kommunen, Behörden, Abgeordnete, Regionalverbände, Kammern, Fahrgastverbände, Verkehrsverbände, Wirtschaftsverbände, Umwelt- und Naturschutzverbände, Vereine und Bürgerinitiativen.

Zitate der Teilnehmer der Informationsveranstaltung

Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Rheinland-Pfalz: „Ich begrüße das breit angelegte, transparente Verfahren der DB AG, um den Schienenkorridor Mannheim – Karlsruhe für die zu erwartenden Mehrverkehre auf der Schiene zu ertüchtigen. Aus rheinland-pfälzischer Sicht besonders wichtig ist dabei, dass die zwischenzeitlich erneut untersuchte Kleine Pfalz Lösung damit endgültig vom Tisch ist. Ich bin sicher, dass sich am Ende eine Linienführung durchsetzen wird, die zu möglichst kurzen Wegen, zu möglichst wenig neuer Versiegelung und Raumbelastung sowie zu einem möglichst vernünftigen Nutzen-Kosten-Verhältnis führen wird.“

Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Ministerium für Verkehr, Baden-Württemberg: „Für das Land Baden-Württemberg ist eine frühe Bürgerbeteiligung von entscheidender Bedeutung. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass Eisenbahngroßprojekte vor ähnlichen Problemen bei der Akzeptanz stehen. Deshalb begrüße ich es sehr, dass die Bürgerinnen und Bürger den Neu- und Ausbau der Schienenstrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe von Anfang an begleiten können. Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam konstruktiv und dialogorientiert eine Trasse suchen und an einer Bahnstrecke planen, die uns neue Zukunftschancen eröffnet und unsere Mobilität nachhaltiger macht.“

Dr. Christoph Schnaudigel, Verbandsvorsitzender Regionalverband Mittlerer Oberrhein: „Unser Kompass bleibt die Karlsruher Erklärung 2017 zum Güterverkehr. Die Region bekennt sich zum Ausbau der Schieneninfrastruktur, nur so kann die Verkehrswende gelingen. Bei dem Beteiligungsprozess setzen wir auf Demokratie und Transparenz. Grundlegend bleiben klare Mandate und gut strukturierte Veranstaltungen. Ohne Verbesserungen beim Lärmschutz gibt es keine Akzeptanz. Mit der ersten Veranstaltung hat „der Projektzug den Bahnhof verlassen“, etwas holprig zwar, aber die Region möchte diese Fahrt weiter konstruktiv begleiten und aktiv mitgestalten.“

Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister, Stadt Karlsruhe: „Wir in Karlsruhe stehen dazu: Klimaschutz braucht die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu garantieren, benötigen wir zusätzliche Gleise – auch, weil Deutschland vertraglich im Wort steht und hier am Oberrhein gegenüber der Schweiz in Verzug geraten ist. Klar ist aber auch, dass der Ausbau nicht auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger vorangetrieben werden darf. Entscheidend ist vor allem der Lärmschutz entlang der Strecke. In welchen Abschnitten hohe Schallschutzwände ausreichen, wo eine neue Trasse unkritisch ist oder ob die Bahn in dicht besiedelten Gebieten Tunnellösungen umsetzen sollte, muss der Planungsprozess zeigen. Jetzt ist zunächst absolute Transparenz im Zuge der Trassenfindung gefordert.“

Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister, Stadt Mannheim: „Der Abschnitt von Mannheim nach Karlsruhe ist ein wichtiger Lückenschluss auf dem europäischen Schienenverkehrskorridor von Rotterdam nach Genua. Wir wollen und brauchen eine starke Schiene – für unsere Wirtschaft und für einen besseren Klimaschutz. Die Stadt Mannheim fordert aber auch, dass diese Verkehre menschen- und umweltverträglich abgewickelt werden. Unsere Bürgerinnen und Bürger müssen vor Lärm geschützt werden.“

Jens Bergmann, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte, DB Netz AG: „Das Schienennetz zwischen Mannheim und Karlsruhe zählt zu den wichtigsten Bahnverbindungen Europas. Mit dem Bahnprojekt Mannheim–Karlsruhe schaffen wir die Basis für eine starke Schiene der Zukunft, die im Nah- und Fernverkehr, aber auch im Güterverkehr künftigen Anforderungen gerecht werden kann. Wir beziehen die Region von Anfang an transparent in unsere Planungen mit ein.“

Pressemeldung Deutsche Bahn

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