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Montag, 11 Januar 2021 11:18

Hamburg: Prellbock fordert - Stoppt die weitere Verwahrlosung des Bahnhofs Altona

Im August 2019 kündigte Finanzsenator Dressel an, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht für den Bahnhof Altona wahrnehmen will. Dies ging, weil der Besitzer des Parkhauses und des Gebäudeteils des Bahnhofs, in dem sich Rossmann und Mediamarkt befinden, von einem Irischen Immobilienfonds mit einem riesigen Gewinn von 20 Mio. Euro verkauft wurde. Erwerber der Gebäudeteile war die Volksbank Braunschweig-Wolfenbüttel.

Vermutlich hat die Volksbank den Gebäudekomplex ohne Kenntnis der geplanten Bahnhofsverlegung erworben. Ohne Fern- und Regionalbahnhof ist die Immobilie sicher nur halb so viel wert. Finanzsenator Dressel wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, diese Immobilie durch den Landesbetrieb Immobilienwirtschaft und Grundstücke (LIG) durch Ausübung des städtischen Vorkaufsrechts zu erwerben für eine mögliche neue städtebauliche Entwicklung dieses Areals. Die Volksbank jedoch steht unter Anlagedruck und will partout dieses zweifelhafte Investment durchziehen. Jetzt streiten sich beide Parteien seit einem Jahr vor Gericht. Ergebnis unbekannt!

Wir fragen daher Finanzsenator Dressel und die Bezirksamtsleiterin in Altona Frau von Berg: „Wem gehört nun der Bahnhof Altona? Welcher Kaufpreis wurde, wenn überhaupt, gezahlt? Wer ist jetzt für die Instandhaltung und Modernisierung der Gebäude zuständig?“

Unbeschadet der strittigen Eigentumsverhältnisse an dem Bahnhofsgebäude und dem Bahnhofsumfeld, die Bahnsteige und alle darauf stehenden Sachen, Bänke, Wetterschutzhäuschen, Bahnsteigdächer usw. gehören DB Station&Service und die sind auch für deren Wartung und Instandhaltung verantwortlich.

Die Schienenanlagen gehören seit dem Grundstücksdeal in 2014 zwischen dem ehemaligen Bürgermeister Scholz und dem damaligen Bahnchef Grube d er Stadt. Die Bahn darf sie kostenlos nutzen, vermutlich muss sie die auch in Stand halten und warten, aber klar ist das nicht!

Der Bund hat im Sommer 2020 der DB mehrere zig-Millionen Euro aus dem Corona-Konjunktur- programm für die Instandhaltung von Bahnhöfen in Norddeutschland überwiesen. Die DB lieferte auch eine Tabelle mit, wie viel davon auf die einzelnen Bahnhöfe in Hamburg und Schleswig- Holstein entfällt. Fü r Altona sind das nur lächerliche 82.000 Euro. Dafür lassen sich noch nicht einmal die undichten Bahnsteigdächer im Bahnhof Altona reparieren. Gleichzeitig treibt die DB das

Verlagerungsprojekt nach Diebsteich voran, welches schon vor Baubeginn mit Kostenrisiken für die DB von 400 Mio. Euro behaftet ist. Aber wenn es um die Wartung und Instandhaltung von durchaus funktionalen Bestandsanlagen geht, bettelt die DB den Bund um jeden einzelnen Euro an. Dieser Unsinn muss umgehend gestoppt werden.

Prellbock hat daraufhin den Finanzsenator, die Bezirksamtsleiterin und die DB-Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein angeschrieben, um auf dieses Missverhältnis aufmerksam zu machen. Lediglich letztere sah sich bemüßigt zu antworten. In ihrem Schreiben vom 18.12.20 führt sie aus: „Diese Mittel werden unter anderem für die Reinigung und Erneuerung des Flachdaches im 2. und 3. Obergeschoss, zusätzliche Informationstafeln in den Aufzügen und die Ausbesserung der Sicherheitsstriche auf den Fernverkehrsbahnsteigen genutzt. Für 2021 sind die Erneuerung von Fenster- und Ausstattungselementen geplant“.

Reine Kosmetik, keine Reparatur der Substanz! Und dann kommt der Schlüsselsatz: „Aufgrund der geplanten Verlegung der Station für den Fern- und Regionalverkehr werden zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Mittel des Konjunkturprogramms des Bundes in diesen Teil des Bahnhofs Altona fließen.“

Im Klartext: Die von der DB vorsätzlich vorangetriebene Verwahrlosung des Bahnhofs Altona geht weiter. Der Schlusssatz des Schreiben klingt wie blanker Hohn: „Ich hoffe, dass ich Ihnen hinreichend antworten und aufzeigen konnte, dass auch bei uns großes Interesse besteht, den Reisenden attraktive Reisemöglichkeiten und eine verbesserte Aufenthaltsqualität am Bahnhof Altona zu bieten.“ Unglaubwürdiger geht es kaum!

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona: „Auch wenn die Sauberkeit am Bahnhof Altona seit der Intervention von Prellbock im August 2020 ein wenig zugenommen hat, so ist eine umfassende Instandsetzung der gesamten Bahnsteiganlagen und die Beseitigung der Stolperfallen im gesamten Bahnhofsumfeld vordringlich. Der Bahnhof Altona muss als Verkehrsdrehscheibe im Zentrum von Altona/Ottensen umfassend modernisiert und dem heutigen technischen Standard angepasst werden. Das überflüssige und unbezahlbare Diebsteich-Projekt ist aufzugeben.“

Prellbock-Altona e.V. fordert daher:

⦁ Umfassende Modernisierung des gesamten Bahnhofs Altona, einschließlich des Busbahnhofs und des gesamten Bahnhofsumfeldes
⦁ Schaffung von mindestens 2.000 überdachten Fahrradabstellplätzen
⦁ Vollständige Erneuerung des Lessingtunnels mit neuen Bahnsteigzugängen von dort aus
⦁ Bau einer S-Bahnstation „Neue Mitte Altona“ an der S-Bahnlinie zwischen Holstenstraße und Altona
⦁ Aufgabe der Bahnhofsverlagerung, stattdessen Ausbau von Diebsteich zu einem S- Bahndrehkreuz im Hamburger Westen mit zwei S-Bahnsteigen

Pressemeldung Bürgerinitiative Prellbock Altona

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