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Freitag, 12 Februar 2021 10:30

Baden-Württemberg: S-Bahn-Initiative für ambitionierten Ausbau der Gürtelbahn

Nach den jüngsten Diskussionen in Sipplingen um den Ausbau und die Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn appelliert die Initiative Bodensee-S-Bahn an alle Beteiligten, dieses Projekt noch ambitionierter anzugehen, um noch mehr Fahrgäste für einen attraktiven, leistungsfähigen Personenverkehr auf der klimafreundlichen Schiene zu gewinnen.

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Dazu wird auch ein Ausweichgleis im Sipplinger Bahnhof benötigt, das früher bereits vorhanden war und auch im heutigen Betrieb wieder äußerst nützlich wäre, um den Bahnverkehr schneller und zuverlässiger zu machen. Investitionen in zusätzliche Gleise, Signaltechnik und Bahnsteigsanierungen sind für die Verbesserung des Bahnbetriebs unerlässlich und verursachen zwei Drittel der Kosten, während die eigentliche Elektrifizierung nur rund ein Drittel der Gesamtsumme von ca. 350 Millionen Euro ausmacht. Für eine Hauptstrecke wie die Gürtelbahn mit ihrer bedeutenden Funktion im Gesamtnetz ist der bewährte elektrische Betrieb mittels Oberleitung unabdingbar und aufgrund der Anzahl und der Länge der benötigten Züge auch wirtschaftlich.

Nachdem das Landesverkehrsministerium kürzlich erklärt hat, landesweit mindestens einen Halbstundentakt anzustreben, erwartet die Initiative von der künftigen Landesregierung die volle Unterstützung für einen Halbstundentakt der Regionalbahnen, wie er im „Vorzugskonzept“ der Region enthalten ist. Dann können sich die Planer viel Aufwand sparen für die zahlreichen bisherigen Varianten des völlig unzulänglichen „Referenzkonzepts“ des Landes. Stattdessen sollte ein neues, ambitionierteres Betriebskonzept ausgearbeitet werden, das zusätzlich einen Halbstundentakt für die schnelleren Regionalexpress-Züge vorsieht. Mit vier Zügen pro Stunde je Fahrtrichtung ergibt sich dann ein attraktiver, dichter Taktverkehr, der die Gürtelbahn auch weitgehend unabhängig von künftigen Fahrplanänderungen auf den Zulaufstrecken macht.

Ausbauplanung nicht „auf Kante nähen“

Die Unwägbarkeiten des Stuttgart-21-Fahrplans oder die neuen Überlegungen zum Ausbau der Gäubahn sind Beispiele dafür, dass sich die Anschlusszeiten an den Umsteigebahnhöfen in Singen, Radolfzell und Friedrichshafen immer wieder ändern können. In der aktuellen Variante des geplanten Deutschlandtaktes ist als neue Idee eine IRE-Verbindung von Basel nach Bregenz angedacht, der in Lindau Anschluss nach München erhalten soll. Ein tragfähiges Ausbaukonzept der Gürtelbahn sollte daher nicht für einen ganz speziellen Gesamtfahrplan „auf Kante genäht“ werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Fahrgäste bei Fahrplanänderungen an benachbarten Strecken oder bei Zugverspätungen sehr lange auf ihre Anschlusszüge warten müssen. Für einen dichten Takt und hohe Flexibilität im Betrieb sind daher möglichst durchgehende zweigleisige Abschnitte einzuplanen, vor allem westlich von Ludwigshafen und östlich von Überlingen. Daneben fordert die Initiative Bodensee-S-Bahn, mehr neue Haltepunkte einzuplanen, um mehr Menschen an den umweltfreundlichen Schienenverkehr anzubinden.

Bund und Land stehen in der Verantwortung

Die S-Bahn-Initiative fordert alle Landtagskandidaten auf, sich für die Schiene stark zu machen, damit mehr attraktive Bahnangebote entstehen können und die Kommunen dabei finanziell nicht überfordert werden. Denn nach den aktuellen Finanzierungsmodellen müssten die Landkreise für den Gürtelbahn-Ausbau immer noch rund 70 Millionen Euro übernehmen, ein großer Teil davon Planungskosten. In Bayern wurde hingegen für die Illertalbahn kürzlich vom Freistaat zugesagt, die Kosten der Vorplanung voll vorzufinanzieren. Laut ÖPNV-Gesetz ist auch das Land Baden-Württemberg für den schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr zuständig. Der Bund, der die Gesetzgebungskompetenz für den Bau von Schienenwegen hat, sollte zumindest alle anfallenden Planungskosten bezuschussen. Derzeit werden Planungskosten maximal in Höhe von 10 Prozent der Baukosten gefördert, obwohl diese meist viel höher liegen. Für den Ausbau der Bodensee-Gürtelbahn stehen also laut Gesetz Bund und Land in der Verantwortung und sollten dabei die freiwillige finanzielle Beteiligung der Landkreise nicht überstrapazieren.

Pressemeldung Initiative Bodensee-S-Bahn“ (IBSB) 

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