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Mittwoch, 24 Februar 2021 18:40

Bayern/Thüringen: Pro Bahn fordert zügigen Lückenschluss von Marxgrün nach Blankenstein

Mit großer Verwunderung hat der Fahrgastverband PRO BAHN die Resolution des Marktes Bad Steben zur Kenntnis genommen, in der sich der Gemeinderat gegen den Wiederaufbau des Höllentalbahnteilstücks zwischen Blankenstein und Marxgrün ausspricht.

Bundesweit wird der Stellenwert der Eisenbahn für die Bewältigung der Herausforderungen durch den Klimawandel anerkannt und Verbesserungen des öffentlichen Verkehrs inklusive zahlreicher Reaktivierungsprojekte werden umgesetzt. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Marktgemeinderat, der zudem von der wiederaufzubauenden Bahnlinie gar nicht tangiert wird, sich so dezidiert gegen die klimafreundliche Bahn und das Vorantreiben der Verkehrswende positioniert. "Die Argumente, die Kritiker von Reaktivierungsprojekten anführen, sind in jeder Region die gleichen und überall gleichermaßen falsch", konstatiert Timm Kretschmar, Mitglied im Landesvorstand von PRO BAHN Bayern.

Eine reaktivierte Nebenbahn macht keine ÖPNV-Takte kaputt, zerstört nicht die Natur und trägt schon gar nicht zu einem Touristenschwund bei. Gerade letzteres ist nach Ansicht der Fahrgastvertreter ein an den Haaren herbeigezogenes Argument. Noch nirgends hat eine Bahnstrecke zu einem Rückgang an Touristen oder Einwohnern geführt. „Eine gute Bahnanbindung macht viele Orte nicht nur für Einheimische, Ausflügler und Touristen attraktiver, sondern auch für Unternehmen. Wir empfehlen den Kritikern, beispielsweise bei der Stadt Bad Kissingen nachzufragen, ob diese gern auf ihren Bahnanschluss verzichten würde“, sagt Prof. Dr. Thomas Schempf von PRO BAHN Bayern.

Die Frage, wie im Verkehrssektor CO2 eingespart werden kann, beschäftigt derzeit viele Entscheidungsträger. Es ist mittlerweile Konsens, dass dies nur mit einer Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene erfolgen kann. So ist es aus Sicht des Fahrgastverbands besonders ärgerlich, wenn ein Unternehmen bereit ist, seine LKW-Fahrten weitestgehend auf die Bahn umzustellen, es dann aber durch Unwillen in der Lokalpolitik daran gehindert wird. „Die Verlagerung der Holz-LKWs der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal brächte einen hohen Nutzen für die gesamte Region und das Klima“, ist sich Thomas Schempf sicher. „Lärm, Abgase und Staus werden reduziert, und überdies verbessert sich die regionale und deutsche Klimabilanz erheblich.“ Allein aus diesem Grund sollte unverzüglich mit dem Wiederaufbau der durch den Kalten Krieg unterbrochenen Bahnlinie begonnen werden.

Der Fahrgastverband PRO BAHN kann sich darüber hinaus vorstellen, dass auf dieser Strecke alternative Antriebe zum Einsatz kommen. Vorstellbar wären hier Akkutriebzüge, die an einigen Punkten auf der Strecke, so genannten Oberleitungsinseln, ihren Akku laden könnten. So könnte die Klimabilanz auf den Strecken der Region weiter verbessert werden.

Nachzudenken wäre noch über einen möglichen Fahrplan. Dabei muss sichergestellt werden, dass Bad Steben über einen schlanken Anschluss in Marxgrün in Richtung Saalfeld gut angeschlossen wird. „Wir könnten uns auch vorstellen, dass ein RE von Hof über Naila und Lobenstein nach Saalfeld verkehrt und damit eine zusätzliche Expressverbindung entsteht“, ergänzt Kretschmar.

Pressemeldung Pro Bahn Bayern

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