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Mittwoch, 10 März 2021 11:15

Baden-Württemberg: Freie Fahrt für die Biberbahn

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Fotos Fördervereins Ablachtalbahn e.V.

Die Reaktivierung der oberschwäbischen Ablachtalbahn bewegt sich zügig auf die Zielgerade zu. Neben dem Güterverkehr soll die Strecke künftig auch im touristischen Ausflugsverkehr eine neue Bedeutung bekommen: unter dem neuen Markennamen „Biberbahn“. Nun wurde das touristische Konzept vorgestellt.

Bereits ab Juli 2021 soll an Sonn- und Feiertagen dreimal täglich ein Ausflugszug auf der knapp 40 Kilometer langen Strecke zwischen Radolfzell, Stockach und Mengen hin und her pendeln und die Touristen zu attraktiven Sehenswürdigkeiten befördern. Alles ist auf den Weg gebracht, denn die Kommunen Meßkirch und Sauldorf haben nach über zweijähriger Vorarbeit im Januar die Bahnstrecke gekauft, die Eisenbahnbetriebsleitung Meßkirch hat die bürokratischen Hürden als Bahnbetreiber genommen, das Land sicherte die Finanzierung zu und der Förderverein Ablachtalbahn hat bereits mit der Vegetationspflege begonnen und die Strecke von Gestrüpp und Ästen befreit.

Bei einem Pressetermin am Meßkircher Bahnhof betonten der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick, der Sauldorfer Bürgermeister Wolfgang Sigrist, die Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Andrea Bogner-Unden, Severin Rommeler vom Förderverein Ablachtalbahn sowie der Bahn-Experte Frank von Meißner, dass es ein großes Vergnügen sei, das Projekt voranzubringen, da alle wunderbar zusammenarbeiten. Auch die Unterstützung vom Verkehrsministerium sei äußerst lobenswert und zielführend.

Strecke wird ertüchtigt

„Wir sind gut im Rennen“, konstatierte Meßkirchs Bürgermeister stolz. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten werde Ende April ein Messzug auf der Strecke fahren, um herauszufinden, dass das Gleis überall wieder fahrtauglich ist. Die Strecke zwischen Sauldorf und Stockach sei am kritischsten, da sie lange stillgelegen habe. „Aber das bekommen unsere Bahnprofis hin“, äußert er sich zuversichtlich. „In Sauldorf ist der Biber recht aktiv“, berichtete Bürgermeister Wolfgang Sigrist. Deshalb habe man dort die Wasserläufe so angepasst, dass dem Biber genug Wasser zur Verfügung stehe und gleichzeitig der Bahndamm verschont bleibe, sodass die Biberbahn im Sommer freie Fahrt habe. „Alles ist natürlich mit den Biberbeauftragten sowie mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt“, versicherte sein Kollege Arne Zwick. Da auch die Behörde an konstruktiven Lösungen interessiert sei, gebe es ein gutes Miteinander. „Daran sieht man, dass Naturschutz und Eisenbahn gut zusammen geht“, betonte auch Frank von Meißner, Eisenbahnbetriebsleiter und Berater im Bahnverkehr. Er brachte bereits die Räuberbahn zwischen Pfullendorf und Aulendorf erfolgreich auf die Schiene und kümmert sich jetzt um ein erfolgreiches Konzept der Biberbahn zwischen Mengen und Stockach.

Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden bedankte sich bei allen Akteuren, die sich für die Reaktivierung der Ablachtalbahn einsetzen. „Die Bahn wird dem gesamten Kreis Sigmaringen guttun, sie erhöht die Lebensqualität und sorgt für bessere Mobilität“, zeigt sie sich überzeugt. Besonders dankte sie den Bürgermeistern von Meßkirch und Sauldorf, die das Risiko des Kaufs der Strecke auf sich genommen hätten, sowie Frank von Meißner, der sich als Eisenbahnbetriebsleiter gut auskenne. „Er ist ein super Fachmann“, erklärte sie begeistert. Das Projekt sei eine wunderbare, runde Sache. Der Bahnexperte stimmte ihr zu, dass dieses Projekt etwas Tolles für die Bevölkerung auf die Gleise bringe. „Die Biberbahn wird Touristen in die Region bringen“, erklärte von Meißner überzeugt. Gerade die Schweizer seien bekannt dafür, dass sie gerne mit der Bahn interessante touristische Ziele aufsuchen. Da an der Strecke zahlreiche Sehenswürdigkeiten liegen wie die Sauldorfer Seen, das Meßkircher Schloss, die barocke Kirche sowie das Museumszentrum, die karolingische Klosterstadt Campus Galli, die Zielfinger Seen und nicht zuletzt bei Mengen die Heuneburg, die bedeutendste keltische Akropolis Europas, ist mit großem Interesse zu rechnen. Damit die Besucher direkt zu den gewünschten Zielen kommen, ist der Zeittakt der Bahn an das Busnetz angepasst. „Von den Reisenden werden sowohl die Gastwirte profitieren als auch die Landwirte, welche ihre Produkte an die Gastronomie liefern“, nannte Andrea Bogner-Unden einen weiteren Vorteil, den die Bahnstrecke für die Region bringe.

Ein Großteil des Geldes, das für die Reaktivierung der Bahn notwendig ist komme vom Land, so der Bahnexperte Frank von Meißner. Aus dem Landeseisenbahnfinanzierungsgesetz flössen 80%-Zuschüsse für die Instandsetzungsarbeiten, allein dieses Jahr rund 200.000 €. „Es macht wirklich Spaß mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg zusammenzuarbeiten“, schilderte er das konstruktive Miteinander. Und die Landtagsabgeordnete ergänzte, dass es dem Ministerium wichtig ist, dass auch Engagement aus den Anliegerkommunen vor Ort kommt.

Zunächst sollen dreimal täglich an Sonn- und Feiertagen Personenzüge hin und her fahren. Dafür werden kurzfristig drei Bahnsteige in Meßkirch, Bichtlingen und Sauldorf eingerichtet bzw. saniert. Ca. zweimal pro Woche fährt der schwere Stahl-Güterzug zur Fa. Tegometall wie bisher. In diesem Sommer dient die Ablachtalbahn für zwei Wochen als Ausweichstrecke zum Bodensee, da eine andere DB-Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt sei. „Daran merkt man, dass die Ablachtalbahn eine wichtige Funktion im Eisenbahnnetz hat“, unterstreicht Frank von Meißner. Auch im lokalen Holzverkehr sieht von Meißner zusätzliche Potentiale für die Eisenbahnstrecke. Ist der Betrieb erst einmal angelaufen, dann folgt der weitere Ausbau nach und nach, versichern die Bahnbetreiber zuversichtlich.

Neuer Markenname: Biberbahn

Dass bereits fleißig an einem Tourismus-Konzept gearbeitet werde, berichtete Severin Rommeler, Vorsitzender des Fördervereins Ablachtalbahn. An Ideen mangle es nicht. Nach dem Vorbild der Pfullendorfer Räuberbahn arbeitet eine vom Verein initiierte Arbeitsgruppe Marketing an solch einem Konzept. Sichtbar sind bereits erste Erfolge:

Die Ausflugszüge zwischen Radolfzell und Mengen werden unter dem Namen „Biberbahn“ auf Achse gehen: Der Biber ist nämlich ständiger Begleiter der idyllischen Bahnstrecke. Feuchtgebiete, wie die Sauldorfer oder Krauchenwieser Baggerseen, bieten einen idealen Lebensraum für die geschützten Tiere. Bei der Fahrt durch das Tal der Ablach zeigen sich im Fluss die Bauten der fleißigen Nagetiere.
Auch ein sympathisches Logo für die neue Biberbahn hat die Arbeitsgruppe Marketing bereits ausgearbeitet. Und seit wenigen Tagen ist eine neue Homepage online, die mit Ausflugstipps, Fahrplan- und Tarifinfos zu einer Fahrt über die neue Biberbahn einlädt. Begleitprogramme wie geführte Biber-Wanderungen durch das Naturschutzgebiet rund um Schwackenreute, Eselwanderungen oder Radtouren sollen zur umweltfreundlichen und entspannten Fahrt mit der Bahn einladen. Rommeler: „Wir sind mit mehreren touristischen Anbietern schon in engem Gespräch und freuen uns auf weitere Kooperationspartner.“
Rommeler lobte die hervorragende Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe Marketing, die derzeit aus Mitgliedern des Fördervereins Ablachtalbahn e.V., den Tourismusbeauftragten aus Meßkirch und Stockach und aus der Meßkircher Eisenbahnbetriebsleitung besteht und die für weitere Unterstützer offen steht.

„Mit so einem engen Miteinander aller Beteiligten wird die neue Biberbahn zu einem großen Erfolg werden“, zeigten sich Severin Rommeler und Frank von Meißner überzeugt.

Pressemeldung Fördervereins Ablachtalbahn e.V.

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