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Donnerstag, 29 April 2021 10:06

Hamburg: Verlierer im Zielfahrplan des geplanten Deutschlandtakts

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Foto Prellbock Altona.

Nach dem jetzt vorliegenden 3. Gutachterentwurf für den Zielfahrplan des geplanten Deutschlandtakts steht Hamburg als der große Verlierer da. Damit der Deutschlandtakt in Hamburg überhaupt auch nur ansatzweise funktionieren kann, muss die Stadt für den sog. Ferlemann-Tunnel vom Hauptbahnhof bis nach Altona komplett untertunnelt werden. Diese Bauarbeiten werden mindestens 10 Jahre dauern.

Die S-Bahn soll in den Keller, zwei belebte und beliebte S-Bahnstationen (Sternschanze und Holstenstraße) sollen aufgegeben werden! Der geplante Bahnhof Diebsteich würde zu einem neuen Nadelöhr. Der Hamburger Senat hat sich offensichtlich (noch) nicht mit den Auswirkungen des Deutschlandtaktes auf Hamburg beschäftigt.

Dabei liegen Vorschläge auf den Tisch, wie der Deutschlandtakt für Hamburg gewinnbringend und kosten- günstiger gestaltet werden könnte.

Diese Ideen hat der Münchner Informatikprofessor Dr. Hesse entwickelt: Sie umfassen folgende Maßnahmen:

• Hannover wird fahrplanmäßig zu einem ITF (= Integrierter Taktfahrplan)-Doppelknoten (Nord-Süd- und Ost-West-Anschlüsse nicht zur gleichen Zeit, sondern um jeweils 15 Minuten versetzt) umgestaltet. Damit entfällt eine teure 300 km/h-Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecke zwischen Hannover und Bielefeld. Es müsste nur die Bestandsstrecke viergleisig ausgebaut und abschnittsweise neu trassiert werden. Dies kostet nur die Hälfte einer Neubaustrecke.
• Harburg wird zu einem Taktknoten ertüchtigt, das verbessert die Anschlüsse dort. Dies ist in die Planungen zum Ausbau der bestehenden Bahnstrecke Hannover-Hamburg (sog. Alpha-E-Variante) mit einzubeziehen.
• Von Harburg aus wird über Hausbruch und den Hafen eine Bahnstrecke zu einer 2. Elbquerung im Hamburger Westen gebaut. (siehe auch die Forderung des SPD-Bundestagsabgeordneten Hakverdi). Dies muss bei den Planungen für den neuen Köhlbrand-Tunnel von vornherein mit berücksichtigt werden, damit sich Hamburg hier nicht seine bahnpolitische Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes verbaut.
• Die Tunnelelbquerung ungefähr parallel zum A7-Autobahntunnel erreicht den jetzigen Bahnhof Altona in Tieflage und erhält eine Verbindung nach Norden und zur Verbindungsbahn. Damit wird eine notwen- dige Redundanz im Eisenbahnverkehr bei Störungen auf den Elbbrücken geschaffen.
• Der jetzige Bahnhof Altona wird zum vollen Taktknoten für den Verkehr nach Schleswig-Holstein. Der Ferlemann-Tunnel würde damit überflüssig. Der Hamburger Hauptbahnhof bleibt Mega-Knoten in der Ausgestaltung eines Doppelknotens wie Hannover.
• Der Bahnhof Diebsteich wird dann überflüssig und lässt dort Platz für das dringend notwendige viergleisige S-Bahndrehkreuz im Hamburger Westen. Diebsteich als Regional- und Fernbahnhof wäre wie Stuttgart 21 nicht Deutschlandtakt-tauglich.
• Die Fahrzeit zwischen Harburg und Altona würde sich um mindestens 15 Minuten verkürzen und manche Verkehrsströme könnten am Hauptbahnhof vorbeigeleitet werden und diesen somit entlasten.
• Der für Schleswig-Holstein wichtige Taktknoten Elmshorn bliebe erhalten, der bei den jetzigen Planungen mit den Halten der RE-Züge in Diebsteich zerschlagen würde.

Fazit: Ein Deutschlandtakt-Konzept mit einer zweiten Elbquerung im Westen Hamburgs ist um einiges vorteilhafter und weit kostengünstiger, schneller und konfliktfreier umzusetzen als der Ferlemann-Tunnel.

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona e.V.: "Hamburg muss seine bahnpolitischen Interessen bei der Diskussion um den Deutschlandtakt aktiv wahrnehmen. Derzeit sieht es so aus, dass wieder Projekte zu Lasten der Fahrgäste und zum Nutzen der Bauindustrie beschlossen werden. Der Verkehrssenator muss lernen, neben den Pop-up- Radwegen die mittel- und langfristigen Eisenbahninteressen Hamburgs wahrzunehmen."

Prellbock Altona e. V. fordert daher:

• Umgehende Untersuchung des Baus einer zweiten Eisenbahn-Elbquerung als Alternative zum Ferlemann-Tunnel.
• Offenlegung der bisherigen auf Hamburg bezogenen Pläne zum Deutschlandtakt.
• Offenlegung der Hamburger Verhandlungsstrategie für die Projekte des Deutschlandtaktes.
• Koordination aller Schienenausbauprojekte in der Metropolregion Hamburg unter Beteiligung der Öffentlichkeit, bis dahin Moratorium des Diebsteichprojektes.

Pressemeldung Bürgerinitiative Prellbock Altona e.V.

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