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Donnerstag, 29 Juli 2021 08:00

Großbritannien: RAIB-Bericht zum Unfall vom 21.6.2020 veröffentlicht

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Fotos RAIB.

Die britische Untersuchungsbehörde für Eisenbahnunfälle RAIB hat jetzt den Abschlussbericht zum Unfall vom 21.6.2020 im Bahnhof Chalfont & Latimer vorgelegt. Damals wäre es beinahe zum Zusammenstoß zweier Züge nach Überfahren eines Rotlichtsignals gekommen.

Die im Nordwesten von London gelegene Station Chalfont & Latimer ist ein Bahnhof von London Underground (Metropolitan Line), den auch Züge der Chiltern Railways (Strecke Marylebone - Aylesbury) nutzen.

Am 21. Juni 2020 kam es gegen 21:43 Uhr zu einem Beinahe-Zusammenstoß zwischen zwei Personenzügen im Bahnhof Chalfont & Latimer der Londoner U-Bahn auf der Metropolitan Line. Wenige Minuten zuvor hatte ein in Richtung Süden fahrender Zug von Chiltern Railways ein rotes Signal (Halt) passiert, ein sog. "SPAD"-Vorfall (Signal passed at danger). Dies führte dazu, dass der Zug automatisch durch das Sicherheitssystem angehalten wurde, welches die Notbremse des Zuges ausgelöst hatte.

Der Triebfahrzeugführer stellte die Notbremse zurück, ohne die erforderliche Genehmigung des Fahrdienstleiters einzuholen, und fuhr dann in Richtung des Bahnhofs Chalfont & Latimer weiter, wo der Zug auf den nördlichen Bahnsteig geleitet wurde, der von einem Zug der Londoner U-Bahn belegt war.

Der Zug von Chiltern Railways kam etwa 23 Meter vor dem U-Bahn-Zug zum Stehen, der selbst stehen blieb. Berichten zufolge gab es keine Verletzten, doch wurden durch den Bremsvorgang Signalanlagen und eine Weiche leicht beschädigt.

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Die wahrscheinliche Ursache für den "SPAD" war eine starke Übermüdung des Triebfahrzeugführers von Chiltern Railways. Er gab an, dass er sich entschlossen habe, eigenmächtig weiterzufahren, weil er sich nicht daran erinnern konnte, das Haltesignal passiert zu haben und glaubte, dass das Auslösen des Sicherheitssystems eine Fehlfunktion gewesen sei. Auch diese Entscheidung könnte durch Müdigkeit beeinflusst worden sein.

Die RAIB stellte fest, dass die Verfahren von Chiltern Railways zur Schulung und Prüfung der Kenntnisse eines Triebfahrzeugführers darüber, was nach einer Auslösung der Notbremse zu tun ist, nicht ausreichend waren. Ein wahrscheinlicher Faktor könnte zudem sein, dass die Fahrermanagementprozesse von Chiltern Railways das sicherheitsrelevante Risiko für den an dem Vorfall beteiligten Fahrer nicht wirksam verhindert haben. Möglicherweise war dies eine Folge der hohen Fluktuation bei den Triebfahrzeugführern, der unzureichenden Anzahl von Triebfahrzeugführern auf ihren Posten und ihrer hohen Arbeitsbelastung. Obwohl dies nicht die Ursache für den Vorfall war, stellte die RAIB auch Mängel bei anderen Aspekten dieser Fahrermanagementprozesse und beim Risikomanagement an der Schnittstelle zwischen Chiltern Railways und London Underground fest.

Die RAIB empfiehlt daher, dass Chiltern Railways und London Underground Ltd gemeinsam ein wirksames Verfahren für das Sicherheitsmanagement an den Schnittstellen zwischen ihren jeweiligen Betrieben einführen und dass Chiltern Railways das Risiko neu bewertet, das mit dem Zurücksetzen von Zugsicherungsanlagen verbunden ist, welche für die Züge von Chiltern Railways auf der Infrastruktur von London Underground gelten.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, WKZ, Quellen BBC, RAIB, Wikipedia

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